Martin Kippenberger und Albert Oehlen lernten sich 1977 in Hamburg kennen. Kippenberger, der 1972 drei Semester an der dortigen Hochschule für bildende Künste Studie hatte, nachdem er zuvor eine Ausbildung zum Dekorateur wegen Drogenkonsums hatte abbrechen müssen, war gerade aus Florenz zurückgekehrt.
Die beiden jungen Künstler erkannten schnell, dass sie auf einer Wellenlänge waren: Sie wollten der Sachlichkeit, die die deutsche Kunstszene in den 1970er Jahren erfasst hatte, den Kampf ansagen und scheuten sich auch nicht davor, die mit Provianten Bildern und Aussagen zu tun.

Kippenberger und Oehlen gehörten den "Neuen Wilden" an, jenen Künstlern der 1980er Jahre, die eine Art "Neoexpressionismus" betrieben und auf Überfluss, Humor, Spontanität und Selbstdarstellung setzten - und manchmal eben auch auf Provokation, die der Gesellschaft den Spiegel vorhalten sollte.

Zu Albert Oehlens und Martin Kippenbergers Umfeld gehörten auch Werner Büttner und Alberts Bruder Markus, der ebenfalls Künstler geworden war und fest mit der damaligen Punk-Szene verbunden und Mitglied in mehrere Bands war. Gemeinsam mit Büttner sorgte Albert Ohlen 1978 für einen Skandal, als das gemeinsam ausgeführte Wandgemälde für eine Hamburger Buchhandlung als "pornografisch" bezeichnet wurde.

Der ersten Begegnung Kippenbergers und Oehlens folgten 20 Jahre der Freundschaft, Zusammenarbeit und des Partymachens, nicht selten äußerst exzessiv. Vor allem Martin Kippenberger war dafür berühmt und berüchtigt, Nächte einfach mal durchzumachen. Dafür bestand er aber auf seinen täglichen Mittagsschlaf. Und er war häufig auf Achse, lebte in Hamburg, Berlin, Los Angeles und Brasilien. Ende der 1980er musste er einen Drogen- und Alkoholentzug machen.

Nach dem Entzug sorgte ein ironisches Selbstportrait für Aufsehen, das 1990 im Museion in Bozen ausgestellt wurde. In fünf verschiedenfarbigen Plastiken hatte sich Kippenberger in Zuerst die Füße als ein ans Kreuz genagelter Frosch dargestellt, der ein Ei und einen Bierkrug festhält.

2008 kam es wegen Zuerst die Füße zum Eklat, denn Papst Benedikt XVI. kündigte an, seinen Sommerurlaub in Südtirol verbringen zu wollen. Mit Mahnwachen und Leserbriefen forderten besorgte Bürger die Museumsleitung auf, das Werk vorübergehend aus der Ausstellung zu entfernen. Auch der Papst selbst äußerte seine Bedenken hinsichtlich der Verletzung religiösen Empfindens vieler Menschen. Selbst der Hungerstreik des Präsidenten des Südtiroler Regionalrates, Franz Pahl, half nicht. Das Kunstwerk blieb, wo es war.
Martin Kippenberger erlebte diese religiöse Kontroverse nicht mehr. Er war am 7. März 1997 an den Folgen einer Leberkrebserkrankung im Alter von 44 Jahren verstorben.
Entdecken Sie Martin Kippenberger und Albert Oehlen.



