Diesen Monat versteigert das Hamburger Auktionshaus Stahl an zwei Tagen rund 700 Lose, die das Beste aus Kunst und Kunsthandwerk sowie Schmuck und Armbanduhren vereinen. Zum Auftakt kommen am 23. Mai ab 11 Uhr funkelnde Versuchungen unter den Hammer, die teilweise aus den Ateliers begehrter Hersteller wie Bulgari, Van Cleef & Arpels, Wellendorff und Cartier stammen.
Erst im November letzten Jahres konnte das Auktionshaus mit der Versteigerung eines Rings mit seltenem Padparadscha-Saphir einen neuen deutschen Rekordpreis im Bereich der Schmuckauktionen erzielen. Auch die aktuelle Offerte kann mit hochkarätigem Fingerschmuck begeistern, darunter ein Ring mit einem Brillantsolitär von 7,19 ct sowie ein weiterer Ring, der mit einem seltenen, natürlichen Kashmir-Saphir besetzt ist.

Hinzu kommt dieses spektakuläre Stück, das beim Hamburger Juwelier Wilms angefertigt wurde. Geschmiedet aus Gelb- und Weißgold, ziert diesen Ring an zentraler Stelle ein Diamant-Solitär im Emerald Cut von 7,85 ct, der keinerlei Fluoreszenz, dafür aber eine sehr gute Symmetrie aufweist. Begleitet wird der Hauptstein von zwei weiteren weißen Diamanten im Trillantschliff von zusammen ca. 2 ct.

In der Armbanduhren-Offerte muss neben einer seltenen Rolex Daytona „Big Red“ und einer „Kleine Lange 1 Soirée“ mit braunem Perlmuttzifferblatt von A. Lange & Söhne vor allem auf diese Herrenarmbanduhr der Firma Glashütte Original hingewiesen werden. Vom „PanoRetroGraph“ wurde 2001 eine limitierte Serie von nur 50 Stück ausgeführt. Bei dem vorliegenden Exemplar handelt es sich um die Nr. 01. Das Besondere daran ist die Tatsache, dass die Nr. 01 einer Serie das Glashütte-Werk üblicherweise nicht verlässt.
Der zweite Auktionstag ist ab 11 Uhr der Kunst gewidmet. Zunächst steht die Offerte mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts auf dem Programm, die Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Otto Modersohn, Arthur Siebelist, Franz Nölken, Ernst Eitner, Käte Lassen, Julius von Ehren und Edward Dwurnik umfasst.

Dieses Highlight der Offerte vereint zwei interessante Frauen. Zum einen ist es die Künstlerin, Anita Rée, die das Gemälde vor 1920 ausführte. Rée studierte in ihrer Heimatstadt Hamburg privat beim angesehenen Impressionisten Arthur Siebelist, mit dessen Schülern Franz Nölken und Friedrich Ahlers-Hestermann sie einige Jahre eine Ateliergemeinschaft einging. Nach Aufenthalten in Paris und Italien wandte sie sich der Neuen Sachlichkeit zu. Das vorliegende Porträt zeigt Anita Rées Freundin Hanna Nicolassen (später verheiratete Colm), die 1923 in Berlin im Fach Psychologie promovierte und zehn Jahre später nach Amerika ging, wo sie eine angesehene Kinderanalytikerin wurde und eine eigene existenzialistische Psychotherapie entwickelte.

Diese Filzstiftzeichnung wurde von Keith Haring nicht nur signiert und datiert, sondern gibt mit der Bezeichnung „Antwerp“ auch den Ort ihres Entstehens an. Haring reiste 1987 nach Antwerpen, wo ihm in der Gallery 121 eine Ausstellung gewidmet war. Während seines Aufenthalts führte er zudem ein Wandbild in der Cafeteria des Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen (Museum für Zeitgenössische Kunst Antwerpen, kurz M HKA) aus, das am 20. Juni 1987 eröffnet wurde.
Nach Werken Alter Meister und des 19. Jahrhunderts kommen schließlich Bronzen und Skulpturen zum Aufruf.

Hier sei zunächst auf Ernst Barlachs bronzenen und braun patinierten Kapitän Kornelius hingewiesen, bei dem es sich um ein Werksmodell aus dem Jahr 1913 handelt. Ansonsten existierten zu Lebzeiten des Künstlers ausschließlich Gipsausführungen, Güsse erfolgten erst ab 1968. Eine vergleichbare Federzeichnung skizzierte Barlach 1913 in einem Taschenbuch und möglicherweise steht die ungewöhnliche Plastik in Verbindung mit dem autobiografischen Roman Seespeck, mit dem sich Barlach ab demselben Jahr zu beschäftigen begann.

Rund 100 Jahre jünger ist die patinierte und bemalte Bronze Sphinx, mit der Stephan Balkenhol an ein traditionsreiches Thema der Kunstgeschichte anknüpft. Er tut dies auf gewohnt spielerische Weise, indem er das geflügelte Wesen der Antike mit dem für sein Werk typischen Männerkopf ausstattet und ihm als ironischen Annex einen Ringelschwanz verpasst. Die grob gestaltete Oberfläche der auf 30 Exemplare limitierten Plastik erinnert an Balkenhols aus Holz geschnitzte Arbeiten.
Nach der Versteigerung weiterer Skulpturen, darunter La Baigneuse ou Nana de Berlin von Niki de Saint Phalle, bilden Kunsthandwerk und Antiquitäten schließlich den Abschluss der Auktionen. Hier darf unter anderem auf das Schalenobjekt Filet de Verre von Mary Ann Toots Zynski, eine außergewöhnliche Sellette von Carlo Bugatti sowie auf einen Himmels- und einen Erdglobus aus dem 19. Jahrhundert mitgeboten werden.
Die Versteigerungen finden am 23. und 24. Mai im Auktionshaus Stahl, Graumannsweg 54, in Hamburg statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 19.-22. Mai möglich.




