Mit gleich zwei Auktionskatalogen meldet sich das Hamburger Auktionshaus Stahl am 22. Februar im neuen Jahr zurück. Während der Katalog "Dekorative Kunst" Porzellan, Silber, Bronze, Uhren, Asiatika sowie Kunst verschiedener Epochen in über 250 Losen bereithält, ist der Kategorie "Norddeutsche Kunst" - eine Spezialität des Hauses - dieses Mal eine eigene Auktion gewidmet.

Die Sonderauktion "Norddeutsche Kunst" umfasst 350 Lose mit Arbeiten von musealer Qualität. Die Hamburgische Sezession ist hier genauso vertreten wie der Hamburgische Künstlerclub, dessen Gründungsmitglieder von 1897 in der Auktion beinahe sämtlich mit Hauptwerken vertreten sind.

Eines der Gründungsmitglieder war Thomas Herbst, ein bedeutender Impressionist, der gemeinsam mit Max Liebermann studiert hatte und mit diesem befreundet war. In der Auktion bei Stahl kommt seine Gouache Kühe im Fluss von 1903 zum Aufruf, das Herbst von Hand signierte und datierte. Im Entstehungsjahr des Bildes war Thomas Herbst bereits wieder aus dem Club ausgetreten, nachdem Schüler von Gründungsmitglied Arthur Siebelist aufgenommen worden waren. Siebelist ist mit einem zeitlosen Portrait seiner Frau Gertrud (ebenfalls 1903) in der Auktion vertreten (siehe oben).

Weitere Künstler des Hamburgischen Künstlerclubs in der Auktion sind Julius von Ehren, dessen Gemälde Auf dem Dorfteich aus dem Gründungsjahr 1897 mit der gekonnten Darstellung sich kräuselnder Wellen begeistert, sowie Ernst Eitner mit seiner stimmungsvollen Sternennacht.

Einer der Siebelist-Schüler, die 1903 (ungewollt) den Ärger im Künstlerclub auslösten, war Friedrich Ahlers-Hestermann. Später hielt er sich mehrmals für einige Monate in Paris auf, wo er an der Académie Matisse studierte und auch vom Werk Cézannes beeinflusst wurde.

Eine Studienkollegin an der Académie Matisse war die ebenfalls aus Hamburg stammende Malerin und Grafikerin Gretchen Wohlwill. Wohlwill, die in der Auktion mit Steg im Hafen von Finkenwerder aus den späten 1920er Jahren vertreten ist, gehörte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der Hamburgischen Sezession.

Ein weitere Gründungsmitglied der Sezession war die bedeutende Expressionistin Dorothea Maetzel-Johannsen. Von ihr werden u.a. drei Stilleben aus den 1920er Jahren angeboten, die aus dem Nachlass der Künstlerin stammen.

Sezessionsmitglied der ersten Stunde war der in Elberfeld geborene Erich Hartmann. Der wandlungsfähige Künstler trug viel zur Entwicklung der modernen Malerei in Hamburg bei. Bei Stahl ist er mit dem Temperabild Malerin am Strand vertreten, das vermutlich 1939 entstanden ist.

Beeindruckende 199 x 320 cm groß ist Karl Kluths Gruppenbild Der Vorstand des Hamburger Kunstvereins von 1955. Kluth vereint darin die Portraitmalerei mit expressionistischer Farbgewalt, die er mit dem für ihn typischen Hang zur Strukturierung zu vereinen verstand.

Die Sonderauktion "Norddeutsche Kunst" beschränkt sich jedoch nicht auf Hamburger Künstlervereinigungen. Auch Vertreter der bedeutenden Malerkolonie Worpswede bei Bremen dürfen hier nicht fehlen. Die Maler der Kolonie fühlten sich von der dortigen Landschaft und den besonderen Lichtverhältnissen besonders angezogen und hielten sie in ihren Bildern fest. Ein schönes Beispiel dafür in der Auktion ist Landschaft bei Worpswede von Koloniemitbegründer Hans am Ende.

Eine Malerin der zweiten Generation in Worpswede war die Bremerin Lisel Oppel, die sich nicht nur von der norddeutschen Landschaft inspirieren ließ, sondern auch von deren Bewohnern, die sie wiederholt darstellte. So auch in dem vorliegenden Ölgemälde Laternenkinder von 1959.

Einer anderen Künstlerkolonie, nämlich jener in Ekensund, das damals zu Schleswig-Holstein gehörte, Schloss sich der im Odenwald geborene Impressionist Otto Heinrich Engel an, der 1898 ein Gründungsmitglied der Berliner Secession gewesen war. Engel verbrachte regelmäßig Zeit auf der Insel Föhr, wo auch die vorliegende idyllische Ansicht einer Dorfstraße entstanden ist.

Weitere in der Auktion vertretene Künstler sind Arthur Illies, Friedrich Kallmorgen, Fritz Kronenberg, Alma de Banco, Eduard Bargheer, Herbert Spangenberg, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Fritz Overbeck, Wilhelm Ohm, Michael Mattern und David Köllmann.
Die Versteigerungen finden am 22. Februar ab 11 Uhr (beginnend mit "Norddeutsche Kunst") im Auktionshaus Stahl im Graumannsweg 54 in Hamburg statt. Vorbesichtiungen können dort am 15. sowie vom 17. bis 21. Februar vorgenommen werden.
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