Barnebys: Herr Hug, Sie sind seit 2008 Art Director der ART COLOGNE. In diesem Jahr übernahmen Sie zusätzlich die gleiche Position bei der COLOGNE FINE ART & DESIGN. Wie kam es dazu und wie sah Ihr Weg dahin aus?
Daniel Hug: Als ich die ART COLOGNE übernahm, sollte ich eigentlich auch für die COLOGNE FINE ART & DESIGN verantwortlich sein. Zu dieser Zeit fokussierte ich mich auf moderne und zeitgenössische Kunst. Mein Wissen über alte Meister, Antiquitäten, außereuropäische Kunst war noch nicht so ausgeprägt. Dies hat sich aber in den letzten fünf Jahren geändert. Ich interessierte mich mehr und mehr für Design und Antiquitäten und begann selbst zu sammeln: Thonet-Möbel aus den 30er Jahren nach den Entwürfen von Marcel Breuer. Als die Direktorenstelle der COLOGNE FINE ART & DESIGN Anfang des Jahres frei wurde, ergriff ich die Gelegenheit, die Leitung dieser Messe ebenfalls zu übernehmen. Als Erstes integrierte ich den Begriff "Design" in den Namen.

Die Messe COLOGNE FINE ART & DESIGN existiert in ihrer heutigen Form erst seit 2006. Gegründet wurde sie jedoch bereits 1970. Wie hat sie sich im Laufe der Jahre entwickelt und wie kam es zum aktuellen Namen?
Die Messe hat sich im Laufe der Jahre immer wieder dem Markt angepasst. Und das durchaus erfolgreich, schließlich findet sie in diesem Jahr zum 50. Mal statt! Die gesamte Geschichte über fünf Jahrzehnte kann man kaum in wenigen Sätzen schildern.

Vielleicht nur so viel: Neben Alter Kunst, Antiquitäten und Kunsthandwerk hat sich die Messe nach und nach auch einen sehr guten Ruf für außereuropäische Kunst erworben. Dies ist ja in den letzten Jahren zu einem wichtigen, auch für jüngere Sammler attraktiven Sammelgebiet geworden. Gleichzeitig hat sich ausgewählte Kunst des 20. Jahrhunderts auf der Messe etabliert. Mit dem neuen Namen COLOGNE FINE ART & DESIGN wollen wir ab 2019 ganz gezielt den Design-Aspekt stärker betonen. Design ist gerade auch für jüngere Zielgruppen ein reizvolles Thema und ergänzt das Ausstellungsspektrum der Messe ganz hervorragend.

Aus welchen Kategorien, Stilen und Epochen setzt sich die COLOGNE FINE ART & DESIGN zusammen? Was gibt es alles zu entdecken?
Kunst, Antiquitäten und Kunsthandwerk sind sozusagen die DNA der COLOGNE FINE ART & DESIGN. Hier kommen ganz hervorragende Galerien und Händler nach Köln, so z. B. Sebastian Jacobi (D), Mischo van Kollenburg (NL), Elmar Robert (D), Herwig Simons (BE), Viebahn Fine Arts (D) und Floris van Wanroij (NL). Brenske Gallery (D), Oberacker - Frühes Porzellan (D), Dr. Tilman Roatzsch (D), Kunsthandel Dr. Thomas Schmitz-Avila (D) und von Zezschwitz/Weller (D).

Außereuropäische Kunst und Design bildet ein starkes Feld auf der Messe. Hans Martin Schmitz (D), Martin Doustar (BE), Patrick & Odine Mestdagh (BE), David Serra - Fine Tribal Art (ES) sowie die Galerien Kommoss (D) und Ruetz & Kotobuki (D) sind hier beispielhaft zu erwähnen.

Das stärkere Engagement von Händlern mit Design des 20. Jahrhunderts schließt eine wichtige Lücke auf der Messe. Ulrich Fiedler (D), der sich auf Bauhaus-Design spezialisiert hat, sowie die Galerie Vivid (NL), deren Schwerpunkt auf der De Stijl-Bewegung liegt, sind hier zu nennen. Mid-Century-Design Händler sind ebenfalls vertreten, die ED Gallery (I), Galerie formformsuche (D), Martin Glanz Mobiliar (D).

Klassische Moderne und Nachkriegskunst sind ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt. Wir freuen uns speziell über die Neu- bzw. Wiederaussteller Galerie Berinson (D), Galeria Cortina (Spain), Derda Berlin (D) und Galerie Schlichtenmaier (D). Sie reihen sich in die Liste bedeutender Händler der letzten Jahre ein, zu denen u. a. Klaus Benden (D), Dierking - Galerie am Paradeplatz (CH), Galerie Française (D), Gilden's Art (GB), Galerie Ludorff (D), Galerie Maulberger (D), Thole Rotermund (D), Samuelis Baumgarte (D), Galerie Schwarzer (D), Stern Pissarro (GB), The Trinity House (GB), Galerie Utermann (D), von Vertes (CH) und die Willow Gallery (GB) zählen.

Ausgewählte zeitgenössische Kunst gibt es ebenfalls zu entdecken, z. B. bei Brutto Gusto (D), Choi &Lager (D), Kaune Contemporary (D), Andre Kirbach (D), Kunst & Denker (D) sowie Mühlfeld & Stohrer (D).
Die COLOGNE FINE ART & DESIGN findet 2019 also bereits zum 50. Mal statt. Gibt es anlässlich dieses Jubiläums besondere Events?
Natürlich werden wir feiern. Am Vorabend der Messe gibt es traditionell ein Dinner für Galeristen und Freunde der Messe. Dieses Dinner wird in diesem Jahr dem 50jährigen Jubiläum gewidmet. Es findet in der Kölner Flora statt, einer besonders stilvollen Lokation, die sich hervorragend für eine solche Gelegenheit eignet. Der Abend soll aber nicht nur der Rückschau dienen, sondern auch für einen guten Messeauftakt und eine gute Grundstimmung sorgen.

Nicht nur die COLOGNE FINE ART & DESIGN feiert in diesem Jahr ein Jubiläum, sondern bekanntermaßen auch das Bauhaus. Wird dies im Zuge der Messe thematisiert?
Mit der Sonderschau “bauhaus original” bieten wir unseren Besuchern eine ganz besondere Begegnung mit dem Bauhaus und seinen Künstlern. Die drei Berliner Galerien Fiedler, Berinson und Derda steuern dazu Originalmöbel und Gebrauchsgegenstände sowie Fotos und Graphiken bei.

Alle Exponate werden in einer Standarchitektur präsentiert, zu der sich Ausstellungsdesigner Meyer Voggenreiter von Herbert Bayers farbenfrohen Kiosk-Entwürfen inspirieren ließ. In dieser Sonderschau werden ausschließlich Originale aus der Zeit des Bauhauses gezeigt. Das hat durchaus Museumsniveau.
Als renommierte Messe auf internationalem Niveau sind Plätze auf COLOGNE FINE ART & DESIGN bei Kunsthändlern und Galerien natürlich sehr begehrt. Nach welchen Kriterien werden die Aussteller ausgesucht und wer macht das?
Die Aussteller werden von einem fachkundigen Komitee ausgewählt. Außerdem werden alle ausgestellten Werke und Objekte von einer Jury aus Museumsfachleuten eingehend geprüft. Dies stellt die hohe Qualität der Exponate sicher.

Werden auch neue Galerien und Händler präsentiert?
Allerdings: Eine ganze Reihe von Galerien und Händlern kommt erstmals oder auch nach längerer Abwesenheit wieder zur COLOGNE FIE ART & DESIGN. Darunter sind z. B. Elmar Robert mit seinen hervorragenden mittelalterlichen Plastiken, Sebastian Jacobi mit neo-klassizistischen Möbeln des 19. Jahrhunderts oder auch Floris van Wanroji mit alten Meistern. Mischo van Kollenburg wird feinste Antiquitäten präsentieren, Galerie Vivid zeigt u. a. den Rot-Blau-Stuhl von Gerrit Rietveld. Das Niveau ist wirklich sehr hoch nach dem Motto: Gut passt zu gut!

Seit 1996 wird der Preis der COLOGNE FINE ART & DESIGN vergeben, mit dem im Laufe der Jahre bekannte Namen wie Sigmar Polke, Günther Uecker, Candida Höfer, Tony Cragg oder zuletzt Horst Antes ausgezeichnet wurden. Dieses Jahr ist das Konzept der Preisvergabe ein anderes. Wie sieht es aus?
Ab diesem Jahr würdigt der COLOGNE FINE ART & DESIGN-Preis das beste Standdesign. Damit wollen wir ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die Aussteller und ihr Engagement lenken. Mit ihren Ständen und Exponaten verstehen sie es immer wieder, besondere Kunstwerke zu inszenieren, ihre Einzigartigkeit und Kostbarkeit hervorzuheben und damit zu zeigen, wie wundervoll Kunst und Kunsthandwerk unser Leben bereichern. Ich finde, das muss unbedingt gewürdigt werden.

Was wird außer herausragender Kunst und Design den Besuchern der Messe geboten?
Außer der Sonderschau „bauhaus original“ gibt es noch zwei weitere Sonderschauen. Zum einen unter der Überschrift „Utopie der Form“ eine Begegnung mit den Designnachfolgern des Bauhauses. Ein Beispiel: Donald Judd und Max Bill haben mit ihren Entwürfen einen klaren Bezug zu Marcel Breuer und finden doch ihre eigene moderne Formensprache. Kuratiert wird die Sonderschau von P.C. Neumann.

Erneut wird es den „Young Collectors Room” geben. Hier wird es Exponate aus den Beständen der Aussteller geben, die unter 5.000 Euro kosten. Diese schon in den Vorjahren sehr erfolgreiche Präsentationsfläche soll vor allem jungen Interessenten Lust auf Kunst und aufs Sammeln machen. Hier wird es auch sogenannte Art Lunches geben, bei denen Branchenexperten Einblicke in bestimmte Themenbereiche geben. Der Sammler Sven Kielgass wird hier sprechen, aber auch Sebastian Jacobi und auch P.C. Neumann.
Am ersten Messetag gibt es darüber hinaus eine hochinteressante Podiumsdiskussion zur Entwicklung des Marktes für Alte Kunst. Auch hier ist das Podium hochkarätig besetzt, z. a. mit dem Kunstmarktjournalisten Stefan Kobel, den Galeristen Thole Rotermund, Maria Galen und Martin Schmitz sowie – als Moderatorin – der Kunsthistorikerin Jun.-Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck vom Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln.

Auf großes Interesse stößt auch das Angebot, sich geführten Rundgängen über die Messe anzuschließen, den FineArt Tours, die Einblicke zu Kunstwerken und in die Arbeit der Galerien und Händler geben.
Gibt es einen oder mehrere Aussteller, auf den oder die Sie sich persönlich ganz besonders freuen?
Ich freue mich auf Martin Schmitz, der seit 50 Jahren ohne Unterbrechung auf der Messe ausgestellt hat. Und zwar mit außergewöhnlichen Stücken und einem großartigen Gespür für die Wünsche der Sammler. Seine Kostbarkeiten sind ausgesuchte Stücke, die er an einem schönen Stand zeigt und damit zum Betrachten einlädt. Natürlich freue ich mich auch auf die Bauhaus-Ausstellung, zu dieser Kunst- und Designperiode habe ich eine ganz besondere, persönliche Beziehung. Aber um ehrlich zu sein: die ganze Messe wird toll und jeder, der Kunst und Design liebt, findet hier Ideen und Inspiration.
Wir danken Herrn Daniel Hug für die Beantwortung unserer Fragen und freuen uns auf die die Jubiläumsausgabe der COLOGNE FINE ART & DESIGN, die vom 21.-24. November in den Hallen der Koelnmesse, Köln-Deutz stattfinden wird. Alle Informationen zur COLOGNE FINE ART & DESIGN finden Sie hier.



