Heinrich VIII. und seine sechs Königinnen – ein Kapitel der englischen Geschichte, das immer wieder gern aufgeschlagen wird und das jede Menge Stoff für zahlreiche Romane, Dokumentationen und Filme liefert, denn die besten Geschichten schreibt meist das Leben selbst.
2019 konnte diesem Kapitel ein weiterer Absatz hinzugefügt werden, als ein Hobbyschatzsucher auf einem Feld in Warwickshire einen unerwarteten Fund der besonderen Art zutage förderte: einen herzförmigen Medaillonanhänger aus 24-karätigem Gold an einer ebenfalls goldenen Gliederkette. Wie die Experten des British Museum herausfanden, handelt es sich um ein seltenes Zeugnis der ersten Ehe Heinrichs VIII. mit Katharina von Aragon, worauf die eingravierten Buchstaben H und K sowie die Symbole der beiden, Tudor-Rose für Heinrich und Granatapfel für Katharina, hindeuten.
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Bei Fundstücken dieser Art greift in England, Wales und Nordirland der Treasure Act 1996, wobei zunächst festgestellt werden muss, ob es sich tatsächlich um einen Schatz handelt. Auf die Medaillonkette trifft dies zu, erfüllt sie doch das Kriterium älter als 300 Jahre zu sein und mindestens aus 10% Gold oder Silber zu bestehen. Nach der Einordnung als Schatz ist der Finder verpflichtet, seinen Fund einem Museum zum Kauf anzubieten. Der Preis wird vom Treasure Valuation Committee bestimmt; in diesem Fall belief sich der geschätzte Wert und damit die zu zahlende Summe auf 3,5 Millionen GBP. Sind weder Interesse und/oder genügend Geld vorhanden, darf der Finder seinen Schatz behalten und anderweitig veräußern.
Das British Museum, das den Anhänger bis zur Entscheidungsfindung ausstellen durfte, war sehr interessiert, doch fehlte tatsächlich ein Großteil der nötigen Mittel, um das besondere Stück englischer Geschichte dauerhaft für die Sammlung und damit für die Öffentlichkeit sichern zu können. Daher wurde von der Institution im Oktober vergangenen Jahres eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die zum Ziel hatte, die Summe bis April 2026 zusammenzutragen. Unterstützt wurde die Kampagne von Schauspieler Damian Lewis, der Heinrich VIII. 2015 in der Serie Wölfe (Originaltitel: Wolf Hall) verkörpert hatte.
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Die öffentliche Resonanz war enorm: 380.000 GBP kamen durch 45.000 private Einzelspender zusammen. Hinzu kamen 500.000 GBP durch den Julia Rausing Trust, 400.000 GBP durch Art Fund (zusammen mit Rought Fund) sowie 300.000 GBP durch die American Friends of the British Museum. Durch die 1,75 Millionen GBP, die vom National Heritage Memorial Fund gespendet wurden, war es dem British Museum möglich, den erfolgreichen Abschluss der Aktion bereits in der vergangenen Woche verkünden zu können.
Dazu Dr. Nicholas Cullinan OBE, Direktor des British Museum: „Ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die unsere Kampagne unterstützt haben, und beim National Heritage Memorial Fund für die großzügige Spende von 1,75 Millionen Pfund. Der Erfolg der Kampagne zeigt, welche Kraft die Geschichte hat, die Fantasie anzuregen, und warum Objekte wie das Tudor-Herz in ein Museum gehören. Dieses wunderschöne, erhaltene Stück englischer Geschichte erzählt uns von einem Kapitel, das nur wenige von uns kannten, an dem wir aber nun alle teilhaben können. Ich freue mich darauf, bald mehr über unsere Pläne für eine zukünftige Tournee durch Großbritannien berichten zu können.“




