1868 lernte Berthe Morisot (1841-1895), die im Louvre die großen Meister kopierte, dort ihren Malerkollegen Édouard Manet (1832-1883) kennen. Morisot stammte aus einer wohlhabenden bürgerlichen Familie, in der die künstlerische Ausbildung der Töchter – drei an der Zahl – obligatorisch war. Schon früh waren Berthe, ihre Schwestern und der jüngere Bruder mit der Pariser Künstler- und Literaturszene in Verbindung gekommen, denn ihre Mutter öffnete jeden Dienstag die Türen der Pariser Wohnung, um ein entsprechendes Publikum willkommen zu heißen.
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Auch Madame Manet, die neben Édouard noch zwei weiteren Söhnen das Leben geschenkt hatte, veranstaltete solche Abendgesellschaften. Da man derselben gesellschaftlichen Schicht angehörte, pflegten die Morisots, dort nun ebenfalls zu erscheinen. Und mit Edgar Degas (1834-1917) lernte man bei einer solchen Gelegenheit einen weiteren einflussreichen Künstler kennen, der, wie sein Freund Édouard Manet, der Berthe wiederholt malte, das große Talent von Mademoiselle Morisot erkannte und förderte.
Während sich zwischen Berthe und Édouard eine auf gegenseitiger künstlerischer Bewunderung basierende Freundschaft entwickelte, entstand zwischen Berthe und dem mittleren der drei Manet-Brüder, Eugène (1833-1892), etwas Romantischeres. Auch Eugène versuchte sich als Maler, war damit jedoch weniger erfolgreich als sein älterer Bruder und verbrachte seine Zeit damit (abgesichert durch das umfangreiche Erbe des 1862 verstorbenen Vaters hatte er viel davon) für ihn und andere Maler des Freundeskreises Modell zu stehen.

1873 scheint sich Eugènes Beziehung zu Berthe Morisot während eines Ferienaufenthaltes an der normannischen Küste vertieft zu haben. Im Jahr darauf, am 22. Dezember 1874, heiratete das Paar. Anlässlich der Hochzeit schenkte Edgar Degas dem Brautpaar ein Porträt von Eugène, das er früher im Jahr gemalt hatte. Es zeigt den Vierzigjährigen scheinbar bei einer Rast am Wegesrand während einer ländlichen Wanderung. Doch der Schein trügt. Tatsächlich entstand das Porträt Eugènes in der Wohnung der Morisots, während die Landschaft im Hintergrund gänzlich Degas’ Vorstellungskraft entsprang.
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Kommenden Dezember wird dieses persönliche Werk Edgar Degas' versteigert (Schätzpreis 4-6 Millionen GBP), und zwar als eines der Top-Lose der Sammlung des 2021 verstorbenen Geschäftsmanns, Philanthropen und Sammlers Sir Joseph Hotung aus Hongkong. Die Auktion wird von Sotheby’s präsentiert und findet in zwei Teilen Anfang Oktober in Hongkong und Anfang Dezember in London statt. Zum Aufruf kommen mehr als 400 erlesene Objekte, die vor allem Stücke aus Sir Josephs ausgezeichnete Sammlung von chinesischer Kunst umfassen, aber auch englische Möbel, Silber, Alte Meister und Werke des Impressionismus.
Über Degas’ Porträt von Eugène Manet sagt Thomas Boyd-Bowman, Head of Impressionist & Modern Art Evening Sales bei Sotheby’s London, in einer Pressmitteilung des Auktionshauses: „Diese außergewöhnliche Werkgruppe von Degas offenbart Sir Joseph Hotungs konzentrierten Ansatz zum Sammeln und seine Fähigkeit, bestimmte Aspekte der Werke der Künstler, die er bewunderte, zu verfeinern. Porträts waren für Degas von großer Bedeutung, und oft schätzte er sie unter seinen Werke am meisten – er malte sie zu seinem eigenen Vergnügen und verschenkte sie oft, wie auch das hervorragende Porträt von Eugène Manet – das an dessen Hochzeit mit Berthe Morisot am angemessensten erinnert.“
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Update: Das Gemälde wurde für 5,3 Millionen GBP verkauft

