Berthe Morisot kam am 14. Januar 1841 als drittes von vier Kindern eines großbürgerlichen Ehepaares in Bourges, eine Stadt im Herzen Frankreichs, zur Welt. Ihr Vater, Edme Tiburce Morisot, war Präfekt des französischen Departements Cher, ihre Mutter, Marie-Joséphine-Cornélie Thomas, war eine Großnichte des Malers Jean-Honoré Fragonard. Als Berthe 10 Jahre alt war, zog die Familie nach Paris. Bereits in jungen Jahren erhielten Berthe und ihre ältere Schwester Edma privaten Zeichenunterricht bei Geoffrey-Alphonse Chocarne, dessen klassizistischer Stil die Schwestern doch schon bald zu langweilen begann. Weitere Lehrer waren Joseph Guichard, der Landschaftsmaler Achille Oudinot und schließlich Jean-Baptiste Corot, der oft Gast im Hause Morisot war, in dem die Hausherrin einen Salon führte, der besonders Künstlern offen stand. Weitere Gäste, die bei diesen Abendgesellschaften häufig zugegen waren, waren die ebenfalls der Bourgeoisie angehörenden Manets mit ihren Söhnen Édouard und Eugène. Ein weiterer Treffpunkt des Kreises war das Haus der Eltern von Edgar Degas, wo man auf Persönlichkeiten wie Charles Baudelaire, Emmanuel Chabrier, Charles Cros und Pierre Puvis de Chavannes traf.

1863 durfte Corot, dessen Einfluss auf Berthes von Licht durchfluteter Palette ein sehr nachhaltiger werden sollte, eines seiner Werke im Pariser Salon ausstellen, wo nur von der Akademie genehmigte Künstler zugelassen waren. Angesichts der großen Anzahl abgelehnter Künstler, beschloss Napoleon III. in jenem Jahr erstmals einen "Salon des Refusés" zu veranstalten, wo eben diese ihre Werke zeigen konnten. Auch Berthe Morisot gehörte dazu.

1864 war es schließlich soweit: Berthe und Edma durften ihre Arbeiten ebenfalls im großen Salon ausstellen. Vor allem die Landschaften von Berthe, die am Ufer des Flusses Oise und rund um das Landhaus der Familie in der Normandie entstanden waren, stießen auf positive Kritiken. In den folgenden Jahren stellte Berthe wiederholt im Salon aus, wurde in anderen Jahren jedoch auch abgelehnt. Einen Einschnitt in ihre Aktivitäten als Malerin bedeutete Edmas Hochzeit mit einem Marineoffizier, mit dem sie in die Bretagne zog. Hatten die malenden Schwestern zuvor gemeinsame Ausflüge zu inspirierenden Orten oder den Louvre unternommen, blieben Berthe solche Dinge nun verwehrt, da sich Ausflüge ohne angemessene Begleitung für eine Tochter aus gutem Hause nicht gehörten.
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Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, sahen sich Berthe Morisots männliche Kollegen endgültig gezwungen, von ihrem so offensichtlichen Talent Notiz zu nehmen, allen voran Edgar Degas und Édouard Manet, dessen Bruder Eugène sie 1874 heiratete. Hatte Édouard Manet Berthe schon seit Beginn ihrer Bekanntschaft wiederholt portraitiert, malten Schwager und Schwägerin nun häufig gemeinsam und der Einfluss Manets in Berthes Œuvre wird spürbar, aber auch der ihre auf seine Werke.

1873 gründete Berthe zusammen mit Monet, Degas, Pissarro, Sisley und weiteren Künstlern die Société Anonyme des Artistes, Peintres, Sculpteurs et Graveurs (Anonymer Verband der Künstler, Maler, Bildhauer und Graveure), als Antwort auf die wiederholte Ablehnung ihrer Werke durch den Pariser Salon und um den Salon des Refusés wiederzubeleben. Vom 15. April bis 15. Mai 1874 fand der inoffizielle Salon schließlich statt, von den rund 30 teilnehmenden Künstlern war Berthe Morisot das einzige weibliche Exemplar. Eines der von ihr ausgestellten Werke war Die Wiege, das heute Teil der Sammlung des Musée d'Orsay ist. Mehr als 3500 Besucher zog dieser revolutionäre Salon an und selbst die Kritiker äußerten sich positiv. Claude Monets Impression, Sonnenaufgang wurde vom Journalisten Louis Leroy besonders ausgezeichnet und gab der Bewegung der Impressionisten ihren Namen.

Die Hochzeit mit Eugène Manet hatte keinen einschränkenden Einfluss auf die Arbeit Berthe Morisots, auch nicht die Geburt der gemeinsamen Tochter Julie im Jahr 1878. Mit Unterstützung ihrer Familie überstand Berthe alle Hindernisse, die ihr aufgrund ihres Geschlechts in den Weg gelegt wurden. Sie hörte nicht auf, in jenem Stil der verblassenden Konturen und wechselnden Farben weiterzuarbeiten, den sie mitbegründet hatte. Wie Degas, Monet und Pissarro zögerte sie auch nicht, ein Thema anzupacken, das weit von ihrem eigenen sozialen Status entfernt waren: die Arbeit der einfachen Leute, wie etwa in ihrem Werk Percher de blanchisseuses von 1875.

Ab Mitte der 1880er Jahre entwickelte Berthe eine Leidenschaft für weitere Kunstgattungen, namentlich Bildhauerei und Radierungen, hörte mit dem Malen in ihrem unverwechselbaren Stil aber natürlich nicht auf. Sie wagte sich nun an ein wirklich heikles Thema für eine Künstlerin jener Epoche: den Akt.

Es folgte eine erfolgreiche Ausstellung in Brüssel und alles hätte so schön sein können, wäre es zu jener Zeit mit der Gesundheit Eugènes nicht rapide bergab gegangen. Am 13. April 1892 starb er schließlich in Paris. Berthe folgte ihm drei Jahre später, am 2. März 1895. Zuvor hatte sie noch den Dichter Stéphane Mallarmé zum Vormund ihrer 17-jährigen Tochter Julie bestimmt.

Erst 90 Jahre nach ihrem Tod wurde Berthe Morisot endlich der Platz in der Kunstgeschichte eingeräumt, der ihr zusteht. Die Initialzündung dazu war 1983 eine große Retrospektive in der National Gallery of Art in Washington, D.C. 2013 wurde mit Après le déjeuner von 1881 der bislang höchste Preis für ein Werk der Künstlerin erzielt (ca. 8,2 Millionen Euro).
Natürlich darf Berthe Morisot in unserer Liste der teuersten Künstlerinnen der Welt nicht fehlen.



