Das Historische Wertpapierhaus meldet sich diesen Monat zurück und präsentiert am 18. und 19. September eine gewohnt spannende Offerte voller Highlights für langjährige Sammler und Neueinsteiger.

Unser erstes Highlight führt uns an das Ufer der Newa in Sankt Petersburg. Dort wurde auf der Wassiljewski-Insel im frühen 19. Jahrhundert ein Gebäude im klassizistischen Stil errichtet: die Börse. Die ersten Aktien, die dort gehandelt wurden waren jene der Gesellschaft der Anstalt für künstliches Mineralwasser in St. Petersburg. Für dieses Projekt wurde ein Brunnen inmitten der Zarenstadt gebohrt und das daraus gewonnen Wasser mit Salz und Mineralien in „Heilwasser“ verwandelt. Aufgrund des Erfolgs wurde die über dem Brunnen errichtete Kurhalle zu einer Art Erlebnispark mit beheizten Bädern, Theatern und Lokalen erweitert. Die vorliegende Namensaktie von 1834 ist auf den Hofbankier Baron Ludwig Stieglitz ausgestellt.

Nicht die Börse von Sankt Petersburg, sondern die Börse von Shanghai ist auf der Rundvignette dieser Aktie der Shanghai Securities and Commodities Exchange Company Limited von 1925 abgebildet. Diese war vier Jahre zuvor gegründet worden und fusionierte 1929 mit der Shanghai Chinese Merchant Exchange und der Shanghai Stock Exchange, der ersten Börse Chinas. Diese Aktie gehört in jede China-Sammlung!

Spannendes gibt es auch auf dem Gebiet des Seehandels zu entdecken. Durch das stetige Entfernen von weißen Flecken auf den Landkarten, taten sich viele neue Handelsmöglichkeiten in Übersee auf. Doch die Ausstattung eines großen Handelsschiffes war kostspielig, sodass man im 17. Jahrhundert dazu überging, Anteile an Schiffen oder Handelsreisen zu verkaufen. Der vorliegende Anteilsschein an dem englischen Schiff Providence von 1647 ist der älteste bekannte Anteilsschein an einem Schiff.

Um den Handel mit Fernost so gewinnbringend wie möglich zu gestalten, wurden im 17. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern Ostindien-Kompanien gegründet. Die berühmtesten waren die niederländische und die britische. Auch in Schweden gab es eine, die hautsächlich Tee aus China importierte.

Eine weitere Unternehmensgründung des 17. Jahrhunderts war die Königliche Textilmanufaktur von Abbeville in Frankreich. 190 Jahre später wurde sie in ein Aktienunternehmen verwandelt. Die als Holzstich ausgeführte Gründeraktie zeigt in den beiden oberen Ecken König Ludwig XIV. und dessen Finanzminister Colbert, die die Manufaktur 1665 ins Leben gerufen hatten.

Für den Handel mit Spaniens mittel- und südamerikanischen Kolonien wurde 1747 mit der Real Compania de San Fernando de Sevilla die zweitgrößte Spanische Handelsgesellschaft gegründet, in der jedoch schon bald Korruption um sich griff. Das vorliegende Exemplar stammt aus einem Jahr, in den (vermutlich) noch alles in Ordnung war.

Nicht nur wurden Handelswaren nach Spanien importiert, das Königreich auf der Iberischen Halbinsel exportierte auch. 1810 waren es u.a. sieben weibliche und ein männliches Merino-Schaf, die nach Irland verschifft wurden, um den Grundstock der Merino Factory zu bilden.

Im Herzogtum Nassau sehnte man sich 1857 hingegen nach einer Verbesserung der heimischen Rinderherden. Schnell wurde ein Gesellschaft gegründet, die ausgezeichnete Zuchttiere im Ausland kaufte und obendrein einen Züchterverband bildete.

Nur drei Exemplare sind bekannt von dieser bei der Bank von Florenz einlösbaren Anleihe vom August 1800. Dass man bei dem Namen Florenz heute sowohl an Kunst als auch an Geld denkt, ist gleichermaßen der Familie Medici zu verdanken, die nicht nur ein modernes Bankwesen begründeten, sondern mit ihrem Reichtum auch die in ihrer Stadt tätigen Künstler der Renaissance förderten. Im Jahr 1800 waren die Medici jedoch bereits ausgestorben und Florenz und die Toskana wurden von den Hamburgern regiert.

Sogar nur ein Exemplar ist von dieser Aktie bekannt, die ohnehin nur in einer Auflage von 48 Stück herausgegeben worden war. Anlass für diese Gründung einer Aktiengesellschaft war 1835 die Finanzierung des erst drei Jahre zuvor neu eröffneten Stadttheaters von Nürnberg. Die vorliegende Namensaktie ist auf den damaligen Leiter des Theater, der österreichische Schauspieler Joseph Lutz, ausgestellt.

Wenn Sie das nächste Mal auf der B12 bzw. A94 zwischen Neuötting und Marktl unterwegs sind, können Sie ihre Mitfahrer mit dem Wissen beeindrucken, dass die ursprünglich dort verlaufende Straße auch als „Aktienstraße“ bekannt war. Für den Ausbau der Strecke hatten Bürger aus Neuötting 1843 nämlich eine Aktiengesellschaft gegründet, die 1870 jedoch bereits wieder aufgelöst wurde, da die Straße aufgrund von Hochwassern und der Eisenbahn an Bedeutung verloren hatte.

Als Teilstück der Bahnstrecke die Berlin mit dem Rhein verbinden sollte, wurde ab 1843 die Eisenbahnlinie von Minden nach Köln gebaut. Umgesetzt wurde das Vorhaben von der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft. Eigentlich wollte die Rhein-Weser-Eisenbahn-Gesellschaft das übernehmen, die 1837 gegründet wurde, sich jedoch 1838 bereits wieder aufgelöst hatte.
Die aktuellen Versteigerungen des Historischen Wertpapierhauses finden am 18. September als Präsenzauktion im Auktionshaus, Ingelsberg 17b, in Zorneding sowie als am 19. September als Onlineauktion statt.
Alle Lose der beiden Kataloge können Sie gleich hier entdecken.



