Mit dieser Aktie wurde Industriegeschichte geschrieben: 1777 wurde die "Company for Building a Bridge across the River Severn" gegründet, mit der der Bau der ersten Eisenbrücke der Welt, die Iron Bridge, finanziert werden sollte. 64 Aktien à 50 GBP wurden ausgegeben: 15 zeichnete der Erbauer der Brücke und Eisenfabrikant Abraham Darby III, 12 der ortsansässige Unternehmer John Wilkinson und 10 Edward Harries, dem das Grundstück mit dem Zufahrtsweg zur Brücke gehörte. Zwei weitere Aktien erwarb Wilkinsons Schwager Edward Blakeway. Eine davon wird 12. September im Historischen Wertpapierhaus (HWPH) angeboten.

Das Aktie wurde auf Tierhaut gedruckt und von Abraham Darby III, John Wilkinson und Edward Harries unterzeichnet. Von den 64 Aktien, die 1777 ausgegeben wurden, sind heute nur noch vier auf dem Sammlermarkt bekannt. Eine einmalige Gelegenheit, ein bedeutendes Stück Industriegeschichte zu ersteigern!

Passend dazu sei auf das erste Wertpapier hingewiesen, das den Bau einer Eisenbahn erwähnt: Das Share Ticket wurde 1799 von der Monmouthshire Canal Navigation in Newport ausgestellt und stellt ebenfalls eine Rarität dar.

Viel bekannter als jener Kanal im walisischen Monmouthshire ist natürlich der Panama-Kanal, der den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean verbindet. Nachdem sich im 19. Jahrhundert zwei französische Gesellschaften an der Finanzierung und Durchführung des Baus versucht hatten, wurde das Projekt 1902 an die USA verkauft. Der vorliegende 3%-Bond über 1.000 USD von 1930 ist eine bisher unbekannte Rarität.

Die kommende Auktion von HWPH beinhaltet jedoch nicht nur die erste Aktie der Industriegeschichte, sondern auch die älteste Versicherungsaktie Welt. Die 1756 ausgestellte Aktie über 1.000 Florins der Compagnie Impériale et Royale d’Assurance d’Anvers ("Kaiserlich-königliche Versicherungsgesellschaft von Antwerpen"), die vor allem auf Versuchungen im Seehandel spezialisiert war, trägt die Unterschrift von James Dorner, Kaufmann und Gründer der Gesellschaft.

Als Ostfriesland 1744 an Preußen fiel, war das für Preußen die perfekte Gelegenheit, wie so viele andere europäische Staaten, ebenfalls in den Seehandel mit Asien einzusteigen. Von der Hafenstadt Emden aus, die in jenem Jahr zum Freihafen erklärt worden war, unternahm die Preußisch-Bengalischen Compagnie 1754 ihre erste Expedition. 1759 folgte die zweite und letzte, da sich der Handel als nicht lukrativ genug erwies. Mit einem Anteilschein der Preußisch-Bengalischen Compagnie für deren zweite Expedition über 200 Gulden liegt nicht die älteste, aber immerhin die zweitälteste deutsche Aktie vor.

Wie schnell die Träume vom großen Geld durch den Seehandel den Bach runtergehen können, bewies die "Südseeblase" rund um die Anteile an der 1711 gegründeten South Sea Company. Bis 1720 schoss der Wert dieser Aktien in die Höhe, obwohl noch gar kein Gewinn erzielt worden war. Die erste Auszahlung sollte am 1. August 1720 stattfinden. Der vorliegende Anteilsschein ist vom 13. Juni 1720, also vom Höhepunkt des Schwindels, als die Blase kurz vorm Platzen war.
Öl, Steinkohle, Stahl – damit wurden im industrialisierten 19. Jahrhundert diesseits und jenseits des Atlantiks die großen Vermögen gemacht. Zu jedem dieser mächtigen Industriezweige hat die Auktion des Historischen Wertpapierhauses Hochinteressantes im Angebot.

Eine Aktie des einst größten Erdölraffinerie-Unternehmens, die Standard Oil Company, darf in einer ernsthaften Sammlung natürlich nicht fehlen. In der Auktion kommt ein 1877 in Cleveland, Ohio ausgestelltes Wertpapier über 100 Shares à 100 USD zum Aufruf, das die Unterschriften von Unternehmensgründer John D. Rockefeller, seines Partners Henry M. Flagler sowie von John D. Archbold, Rockefellers Nachfolger an der Spitze des Trusts, trägt.

Nicht weniger klangvoll als der Name Rockefeller ist der Name Thyssen. Die Unterschrift von August Thyssen, Gründer der Thyssen-Werke, die sich zu einem der größten europäischen Montankonzerne entwickeln sollten, trägt ein Kux-Schein, also der Anteilsschein an einer bergrechtlichen Gesellschaft, der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Lippermulde von 1923.

Ebenfalls hervorzuheben ist Aktie aus der Gründungsemission der Société Anonyme pour l'exploitation des Etablissements de John Cockerill à Seraing & à Liège von 1846. Der belgische Mischkonzern mit Stahlwerk und Maschinenfabrik, hatte zuvor bereits als erstes Unternehmen auf dem europäischen Festland Dampflokomotiven hergestellt. Später ging aus dem Konzern nach mehreren Fusionen Cockerill-Sambre hervor.

Auch aus dem Bereich der "Unterhaltungsindustrie" hat die Auktion Interessantes zu bieten, darunter eine 100-Guldenschein der Actiengesellschaft Komische Oper, die 1872 zur Finanzierung der neuen Komischen Oper in Wien gegründet worden war. Ein prominenter (und musikalischer) Aktionär war "Walzerkönig" Johann Strauß junior.

So richtig in Fahrt kam die Unterhaltungsindustrie mit der Erfindung des Films. Ein Zeugnis aus diesem Bereich ist ein Aktienzertifikat der 1915 gegründeten Fox Film Corporation, die einer der ersten Zusammenschlüsse eines Produzenten mit einem Verleiher in der amerikanischen Filmgeschichte war.

Zum Schluss sei noch auf eine weitere Rarität hingewiesen, die aus einer alten Sammlung stammt: Ein 3% Schuldschein über 50 Mark des Christlichen Vereins junger Männer in Leipzig von 1894. Die Young Men’s Christian Association (YMCA) war 50 Jahre zuvor in London gegründet worden, um jungen Männern der industriellen Gesellschaft der Großstadt eine von christlichen Werten geprägte Lebenshilfe zu bieten.
Die Auktion des Historischen Wertpapierhauses findet am 12. September in Zorneding statt. Die Teilnahme ist natürlich auch online möglich. Beachten Sie auch die reine Onlineauktion mit weiteren spannenden Losen am 13. September.



