Barnebys: Herr Koch, Sie führen gemeinsam mit Ihrer Schwester Petra Koch die Galerie bereits in dritter Generation. Wie kam es 1955 zur Gründung?
Ole-Christian Koch: Mein Großvater, Bruno Koch, war ein leidenschaftlicher Sammler und Kaufmann aus Greifswald. Er hatte die Vision, in der Bundesrepublik eine Galerie zu eröffnen. Um das zu realisieren, verschickte er seine Sammlung auf mehrere Pakete verteilt zu einer Verwandten nach Westberlin, verließ Greifswald und bereiste verschiedene Städte auf der Suche nach geeigneten Galerieräumen. Am 2. Februar 1955, seinem Geburtstag, eröffnete er dann die Galerie in Hannover.

Welche Art von Kunst präsentiert die Galerie Koch?
Unser Schwerpunkt liegt sowohl auf dem Handel der Klassischen Moderne und der Nachkriegskunst als auch auf ausgewählten zeitgenössischen Künstlern. Dabei bewegen wir uns sowohl im Bereich der Ölbilder und Papierarbeiten als auch der Bildhauerei.

Was waren die Highlights der nunmehr 65-jährigen Geschichte der Galerie?
Zu den Highlights zählen ohne Frage Einzelausstellungen von Max Liebermann, Heinrich Zille, Ernst Ludwig Kirchner, Lyonel Feininger, aber auch Bildhauer wie Fritz Klimsch, Jacques Lipchitz und Ewald Mataré. Zum Teil wichtige Publikationen begleiteten die Ausstellungen.

65 Jahre sind kein klassisches Jubiläum. Warum feiern Sie es dennoch so umfangreich?
Das erläutern wir auch in unserem Vorwort des Kataloges: Es ist zwar kein Jubiläum, aber dennoch eine schöne Zahl. Seit 35 Jahren haben wir immer alle 5 Jahre den Firmengeburtstag mit einer Art Jubiläumsausstellung mit wichtigen Ausstellungskatalogen gefeiert. Wir stellen seit 1966 regelmäßig auf Kunstmessen in München und Köln aus. Viele unserer Kunden kennen unsere Galerieräume in Hannover nicht. Somit bieten diese Ausstellungskataloge eine hervorragende Möglichkeit, unsere Kunden über Neuerwerbungen auf dem Laufenden zu halten - was unsere Kunden glücklicherweise sehr zu schätzen wissen.
Wie setzt sich die Jubiläumsausstellung zusammen?
Wir stellen 45 Künstler aus: Es ist eine persönliche Zeitreise durch 100 Jahre Kunst. Hierbei liegen meiner Schwester und mir mehrere Aspekte am Herzen. Zum einen möchten wir eine repräsentative Auswahl unserer Zeitgenossen und Künstler-Nachlässe zeigen. Zum anderen bietet diese Plattform uns auch die Möglichkeit, unsere Kunden mit neuen künstlerischen Positionen zu testen.

Ugo Rondinone, Erwin Wurm und Jeppe Hein sind solche Beispiele. Es sind Künstler, deren Werk wir sehr mögen, von denen wir jedoch noch nie Kunstwerke in einer Ausstellung gezeigt haben. Wir sind daher sehr gespannt, ob wir damit das Interesse unserer Kunden wecken oder gar neue Kunden dadurch kennenlernen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ausstellung ist der Bestand der Klassischen Moderne und Nachkriegskunst, darunter Werke von Gotthard Graubner, Emil Nolde und Francis Picabia.

Haben Sie in der Ausstellung ein persönliches Lieblingsstück?
Ja sicher, der Sam Francis ist ein kleines Juwel aus der besten Schaffensphase des Künstlers.

Der Rudolf Jahns war einst ein Geschenk an Kurt Schwitters. Dass wir ihn fast 100 Jahre später hier in Hannover wieder unseren Kunden anbieten und zeigen können, ist eine kleine Sensation.

Eine so besondere Gruppenausstellung hat natürlich für „alte Hasen“ genauso viel zu bieten wie für Neulinge, die noch am Anfang einer Sammlung stehen. Was können Sie letzteren ans Herz legen? Worauf sollte man beim Anlegen einer Sammlung achten?
Der Kunde soll unbedingt seinem Herzen und Bauchgefühl folgen. In erster Linie ist der Genuss die Rendite. Der Kauf bei einer seriösen Galerie ist zu empfehlen. Ist die Galerie z.B. Mitglied im Bundesverband deutscher Galerien? Gerade bei jüngeren Künstlerpositionen ist es sehr empfehlenswert den Lebenslauf eines Künstlers kennen zu lernen. War der Künstler gar Meisterschüler bei einem guten Professor, hatte er bereits erste öffentliche Ausstellungen oder schon Publikationen? All diese Aspekte helfen bei der Auswahl, um eine gute Entscheidung zu fällen.

Wie steht die Galerie Koch ihren Kunden beim Kauf von Kunst zur Seite?
Wir stellen in erste Linie sicher, dass jedes unserer Kunstwerke sich in einem tadellosen konservatorischen Zustand befindet. Darüber hinaus beraten wir die Kunden selbstverständlich persönlich beim Aufbau einer Privatsammlung und auch der fachmännischen Rahmung und Hängung. Diese Zusammenarbeit währt im besten Fall bis hin zu mehreren Jahrzehnten.

Ein Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, die Vergangenheit einmal Revue passieren zu lassen. Dennoch vergisst man natürlich das Hier und Heute nicht. Mit welchen Herausforderungen sieht sich eine Galerie aktuell auf dem Kunstmarkt konfrontiert?
Unsere Regierung, speziell das Finanzministerium und unsere Kultusministerin Frau Dr. Monika Grütters allen voran, haben in den vergangenen Jahren dem deutschen Kunsthandel extrem geschadet (Mehrwertsteuererhöhung und die Verschärfung des Kulturgutschutzgesetzes). Unsere Verbände haben vergebens sehr viel Geld und Mühe investiert, die Politik daraus aufmerksam zu machen, dass die Gesetzesänderungen den Kunsthandel eher auf eine nationale Ebene reduzieren und sogar unsere Kollegen außerhalb der EU bevorteilen. Es ist ja kein Zufall, dass die amerikanischen Großgalerien ihre Filialen in London, Paris und Zürich aufmachen, aber keine davon nach Deutschland gegangen ist. Seit Anfang des Jahres hat die EU auch noch unsere gesamte Branche unter Generalverdacht gestellt und uns neue Regularien des Geldwäschegesetzes aufgezwungen.
Wird der Onlinemarkt Ihrer Meinung nach zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen?
Sicher wird er das. Die gesamte Branche des Kunstmarkts arbeitet daran, dass der Onlinemarkt immer wichtiger wird. Die großen Auktionshäuser verlagern ihre günstigen Waren bereits komplett in Onlineauktionen. Die Kunstmessen stellen dem Kunden nur noch Online-Kataloge zur Verfügung.

Die Galerie Koch investiert allerdings immer noch sehr viel Aufwand, Zeit und Geld, um für ihre Kunden Kataloge und Bücher zu den Ausstellungen zu publizieren. Die Kunden schätzen das sehr.
Wir haben jedoch gleichzeitig eine gut funktionierende Webseite, um dem Onlinebesucher die kompletten Informationen über unseren Warenbestand hinreichend anbieten zu können. So kann der Online-Kunde ein Kunstwerk sowohl in verschiedenen Ansichten betrachten als auch Detailfotos vergrößern, was ein großer Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Katalog ist.
Wir danken Herrn Ole-Christian Koch für das Gespräch und wünschen ihm und der Galerie Koch weiterhin viel Erfolg. Auf die nächsten 65 Jahre!
Die Jubiläumsausstellung ist noch bis zum 9. April 2020 geöffnet.
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