Die New Yorker Auktionssaison im Mai zeichnete ein komplexes Porträt eines Marktes im Wandel. In sieben bedeutenden Abendauktionen testeten Sotheby's und Christie's vom 12. bis 15. Mai die Nachfrage einer zunehmend wählerischen Käuferschaft. Die Ergebnisse spiegelten eine Nachfrage wider, die verhaltener war als erwartet.
Erfahren Sie im Folgenden, was bei den Marquee-Auktionen in diesem Frühjahr geschehen ist (alle Ergebnisse sind inklusive Aufgeld, sofern nicht anders angegeben; Schätzungen verstehen sich ohne Gebühren).
12. Mai: Mondrian verfehlt Rekord
Christie's eröffnete die Woche mit dem mit Spannung erwarteten Verkauf der Leonard and Louise Riggio Collection, auf den die 20th Century Evening Auction folgte. Zusammen erzielten die beiden Auktion knapp 490 Millionen US-Dollar (inkl. Aufgeld), was auf dem Papier erstmal gut aussieht, bei genauerer Betrachtung jedoch etwas verliert.
Die Riggio-Auktion, die 39 vom verstorbenen Barnes & Nobles-Gründer und dessen Ehefrau zusammengetragene Kunstwerke umfasste, erzielte 272 Millionen US-Dollar, was, wenn man die Gebühren abzieht, weniger ist als die Schätzung in Höhe von 252 Millionen US-Dollar. Das Top-Los war Piet Mondrians Composition with Large Red Plane, Bluish Gray, Yellow, Black and Blue (1922), das für 47,6 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte, und damit sowohl unter den erwarteten 50+ Millionen US-Dollar und dem Auktionsrekord des Künstlers lag. Das Gemälde ging an einen einsamen Telefonbieter, vermutlich den Garantiegeber, ohne ersichtliche Konkurrenz.
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Die Sammlung war durch Garantien und nicht rückziehbare Gebote bereits vorab weitgehend verkauft, was dramatische Bieterkriege am Abend verhinderte. Insidern zufolge hatte Christie's in den Tagen vor der Auktion alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Risiko abzuschwächen, und sich an Dritte gewandt, um Werke von Picasso, Giacometti und anderen zu decken. Ein prominentes Opfer der Marktnervosität war Warhols Big Electric Chair, das für 30 Millionen US-Dollar verkauft werden sollte, aber im letzten Moment nach Gerüchten über geringes Interesse zurückgezogen wurde.
Der anschließend stattfindende 20th Century Evening Sale konnte eine lebhaftere Teilnahme von Telefonbietern verbuchen. Insgesamt wurden 217 Millionen US-Dollar erzielt, gegenüber der Schätzung von 194 Millionen US-Dollar. Angeführt wurde der Abend mit Monets Peupliers au Bord de l’Epte, Crépuscule (1891), das nach einem 5-minütigen Bietergefecht für 43 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte. Dennoch blieben die Ermüdungserscheinungen des Marktes spürbar: ein zuletzt 2017 versteigertes Werk von Lucio Fontana kehrte auf die Auktionsbühne zurück und erzielte lediglich 7,5 Millionen US-Dollar – weniger als die Hälfte der Summe von vor acht Jahren.
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13. Mai: Giacometti bleibt unverkauft
Die Erwartungen waren hoch an Sotheby's Modern Evening Sale, angeführt von Giacomettis Grande Tête Mince – geschätzt auf über 70 Millionen US-Dollar. Doch der Misserfolg dieses Star-Loses sorgte für Aufregung und bremste die Auktion letztlich aus.
Trotz anfänglicher positiver Ergebnisse für Jean Arp, Robert Delaunay und ein neu auf den Markt gekommenes Werk von František Kupka blieb der Preis für die Giacometti-Büste – eine bemalte Bronze von Diego, dem Bruder des Künstlers – bei 64 Millionen US-Dollar stehen, woraufhin die Büste zurückgestellt wurde. Erstaunlich ist, dass das Werk sowohl mit einem aggressiven Schätzpreis (ein unbemalter Guss war 2013 inklusive Gebühren für knapp über 50 Millionen US-Dollar verkauft worden) als auch ohne Garantie auf den Markt kam. Der Einlieferer, die Soloviev Foundation, wollte den Erlös maximieren, indem sie auf einen vereinbarten Mindestpreis verzichtete. Diese Entscheidung erwies sich als kostspielig.
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Die Büste hatte fast 30% des Gesamtschätzwerts ausgemacht. Sotheby's erzielte zwar mit Gebühren noch 186,4 Millionen US-Dollar, lag damit aber deutlich unter dem oberen Schätzwert von 248 Millionen US-Dollar. Von 65 Losen wurden neun nicht verkauft und fünf vor dem Verkauf zurückgezogen – darunter Werke von Winslow Homer, Kandinsky und Renoir. Ein Lichtblick: Eine Lampe von Frank Lloyd Wright stieg nach einem elfminütigen Bieterkrieg auf fast 7,5 Millionen US-Dollar. Damit stellte sie einen neuen Rekord für den Architekten auf und vervierfachte beinahe ihr Auktionsergebnis von 2002.
14. Mai: Dumas erzielt neuen Rekord
Christie's 21st Century Evening Sale am Mittwochabend erzielte einen Gesamterlös von 96,5 Millionen US-Dollar, ein Plus im Vergleich zu den 80,3 Millionen US-Dollarn im Vorjahr. Für ein Feuerwerk sorgte der historischste Moment der Woche, als ein neuer Auktionsrekord für eine lebende Künstlerin aufgestellt werden konnte.
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Marlene Dumas’ Miss January (1997) wurde für 13,6 Millionen US-Dollar verkauft, was ihren bisherigen Rekord von 6,3 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelte und den von Jenny Saville 2018 erzielten Rekordpreis übertraf. Das Gemälde war von den Sammlern Don und Mera Rubell aus Miami eingeliefert und von einem Telefonbieter via Christie's Sara Friedlander erworben worden. Die Gebote waren insgesamt relativ verhalten, viele Lose waren mit Garantien versehen, und einige wurden vor dem Verkauf zurückgezogen, doch das Dumas-Ergebnis stach hervor, sowohl als Zeichen einer starken Nachfrage nach hochkarätigen Werken von Frauen als auch als Teil eines allgemeinen Preisanstiegs für Künstlerinnen (auch für Dorothea Tanning, Remedios Varo, Grace Hartigan, Kiki Kogelnik und Simone Leigh wurden im Laufe der Woche neue Rekorde aufgestellt).
15. Mai: Zwei White-Glove-Auktionen
Sotheby’s krönte die Woche mit einem dreiteiligen Evening Sale, bei dem 68 Lose einen Gesamterlös von 186,1 Millionen US-Dollar einbrachten.
Der Abend begann mit zwei sorgfältig kuratierten, hochkarätigen Auktionen: eine umfasste 12 Werke aus dem Nachlass der verstorbenen Galeristin Barbara Gladstone und die andere 15 Werke der Kunsthändlerin Daniella Luxembourg. Die beiden Verkäufe waren eher künstlerisch als auf Blockbuster ausgerichtet und spiegelten den raffinierten, konzeptionell strengen Geschmack ihrer Besitzerinnen wider. Der Gladstone-Schatz brachte 18,5 Millionen US-Dollar ein und übertraf damit knapp seinen oberen Schätzwert, mit guten Ergebnissen für Richard Prince, Thomas Schütte und Andy Warhol. Die Sammlung Luxembourg, angeführt von Lucio Fontana und Michelangelo Pistoletto, erzielte 40,4 Millionen US-Dollar und übertraf ebenfalls die Erwartungen.

Diese Dynamik setzte sich mit der "The Now and Contemporary Evening Auction" fort, die auch ultra-zeitgenössische Kunst umfasste. Obwohl die Gebote oft spärlich ausfielen, zählte ein Basquiat von 1981 zu den herausragenden Ergebnissen. Von mehreren Bietern intensiv umworben, lautete das Ergebnis schließlich 16,4 Millionen US-Dollar.
Ein Markt, der noch immer versucht, Fuß zu fassen
Die New Yorker Auktionen dieses Frühjahrs bestätigten, was viele vermutet hatten: Garantien prägen die Ergebnisse stärker als die Nachfrage des freien Marktes, und aggressive Schätzungen schlagen auf einem Markt, der zunehmend vor Überzahlungen zurückschreckt, fehl. Kein einziges Werk wurde für über 50 Millionen US-Dollar verkauft – ein bemerkenswerter Unterschied zu vor wenigen Jahren, als diese Grenze noch als Maßstab für eine erfolgreiche Saison galt. Heute gelten Verkaufsquoten im Bereich von 80 bis 90%, die oft durch Garantien und private Deals erzielt werden, als neuer Maßstab für Erfolg.
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Die Auktionshäuser schienen hinter den Kulissen mehr zu tun als im Saal. Die Vielzahl zurückgezogener Lose und Garantien Dritter deutet darauf hin, dass Sammler und die Häuser selbst Finanzierungstechniken einsetzen, um einer öffentlichen Pleite zuvorzukommen, auch wenn einige, wie der Giacometti, noch immer durchs Raster fallen. In diesem Umfeld ist es schwierig, Einlieferer zu finden, und die Auktionshäuser sind zunehmend auf Garantien angewiesen, um sich Spitzenwerke zu sichern. Das Ausbleiben vieler asiatischer Käufer, einst eine wichtige Kraft, verstärkte die ohnehin fragilen Verfahren zusätzlich.
Dennoch gab es auch Lichtblicke. Künstlerinnen, sowohl historische als auch zeitgenössische, erzielten herausragende Ergebnisse. Skeptiker merkten jedoch an, dass die hohen Gebote teilweise auf die im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen relativ moderaten Preise zurückzuführen sein könnten. Der Kunstmarkt wird, wie die Gesamtwirtschaft, von Unsicherheiten auf die Probe gestellt. Doch das Spiel geht weiter – nur gemäßigter und mit Sicherheitsnetzen.
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