Bildnis der Charlotte Cuhrt heißt das Gemälde, das seit dem 20. Februar in der National Gallery am Londoner Trafalgar Square ausgestellt wird. Es ist das erste Werk des Expressionisten Max Pechstein in der Sammlung des Museums, welches bestrebt ist, die deutsche Malerei des frühen 20. Jahrhunderts verstärkt zu präsentieren.
Das Porträt zeigt die damals, 1910, 15-jährige Tochter des wohlhabenden Berliner Magistratssekretärs Max Cuhrt, der einer von Pechsteins wichtigsten Förderern war und ihm sogar ein Atelier in seinem Wohnhaus am Kurfürstendamm einrichtete. Cuhrt selbst bewohnte mit seiner Familie die großzügigste Wohnung in dem Gebäude, das er vom Architekten Bruno Schneidereit hatte errichten lassen. Kennengelernt hatte sich Maler und Mäzen zwei Jahre zuvor, als Schneidereit Pechstein mit der Dekoration des Treppenhauses im Haus Cuhrt beauftragte.
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Nachdem Pechstein noch im Jahr 1908 Max Cuhrts Ehefrau porträtiert hatte, erhielt er 1910 den Auftrag, Tochter Charlotte zu malen. Das Ergebnis widerspiegelt Max Pechsteins Aufenthalt in Paris (1907/08), wo das Mitglied der expressionistischen Künstlervereinigung Die Brücke vor allem von den Fauvisten rund um Henri Matisse und Kees van Dongen beeinflusst wurde. Die von den Fauves entlehnte Verwendung der Farben widerspiegelt sich im Porträt der Charlotte Cuhrt, welches durch den von Bruno Schneidereit angefertigten Rahmen ein altarähnliches Aussehen erhält.
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„Eine brillante Farbgebung war seit den späten 1880er Jahren ein Fanfarenruf der zeitgenössischen Malerei in Frankreich. Hier erklärt Pechstein, ein früher Bewunderer von Van Gogh und kürzlich nach einem Aufenthalt in Paris, wo er einen anderen großen Koloristen, Matisse, entdeckte, wieder in Berlin, dass sie auch in der deutschen Avantgarde-Malerei eine Schlüsselrolle spielen wird“, erklärt Christopher Riopelle, Kurator für Gemälde nach 1800 in der National Gallery.
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Ersteigert hatte die National Gallery das Bildnis der Charlotte Cuhrt für 630.300 GBP (ca. 715.500 Euro) in der Auktion „Expressionism: Germany, Austria and Beyond“, die am 16. November 2022 bei Bonhams in London stattgefunden hatte. Den Erwerb möglich gemacht hatte der Nachlass der 2000 im Alter von 92 Jahren verstobenen ehemaligen Französischlehrerin Martha Doris Bailey aus Hutton Rudby in North Yorkshire, die der National Gallery den Erlös aus dem Verkauf eines Grundstücks vererbte – unter der Bedingung, dass das Geld – in Gedenken an ihren bereits zuvor verstorbenen Ehemann Richard Hillman Bailey – für Neuerwerbungen genutzt würde.
„Der außerordentlich großzügige Wunsch von Frau Bailey hat den Ankauf eines hervorragenden Gemäldes von Max Pechstein ermöglicht, einem Künstler, der bisher in keiner nationalen Sammlung vertreten war“, sagt Gabriele Finaldi, Direktorin der National Gallery, in einem Statement.
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Bereits im Jahr 2006 hatte die National Gallery mit Unterstützung durch das Erbe von Martha Doris Bailey ein Gemälde eines deutschen Künstlers erwerben können: Nachmittag im Tuileriengarten von Adolph von Menzel aus dem Jahr 1867, das ebenfalls nach einem Aufenthalt in Frankreich in Berlin entstanden war.
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