Um Block Y, ein Komplex von Regierungsbüros in Oslo, der 1969 von Erling Viksjø entworfen wurde, ist ein Streit zwischen der norwegischen Regierung und kulturellen Organisationen und Institutionen, einschließlich des MoMA, entbrannt. Das aufgrund seiner Form Block Y genannte Gebäude zieren Betonreliefs, die in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Künstler Carl Nesjar nach Zeichnungen von Pablo Picasso ausgeführt wurden. An einer der Außenfassaden befindet sich das Werk Les Pêcheurs, das drei Seeleute mit einem riesigen Fischernetz zeigt, während La Mouette in der Eingangshalle eine einen Fisch verschlingende Möwe zum Thema hat.
Das Gebäude hatte 2011 den Bombenanschlag des rechtsextremen Terroristen Anders Breivik, bei dem acht Menschen getötet worden waren, überstanden. Auch das Nebengebäude Block H, in dem sich ebenfalls Werke des Künstlers befinden, wurde damals beschädigt. Seit dem Anschlag steht Block Y leer, weshalb 2014 von der Regierung beschlossen wurde, das Gebäude aus wirtschaftlichen Gründen abzureißen.

Doch war von Seiten der Politik für den Erhalt der Wandbilder gesorgt worden. Die Bilder sollen abmontiert und an zwei neue Plätze im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt platziert werden. Doch die Idee ist umstritten. Mehrere kulturelle Organisationen haben ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass der Ab- und Aufbau die Werke instabil werden lassen oder sogar beschädigen könnte. Laut The Art Newspaper begannen die Arbeiten zum Abbau von Les Pêcheurs vor drei Wochen begonnen. "Baustellenarbeiter haben mit Bohrungen begonnen, was besorgniserregend ist, denn wenn sie anfangen, das Wandbild zu bewegen, wird es Risse bekommen", sagt Gro Nesjar Greve, Tochter des Künstlers Carl Nesjar. "Niemand hat das Vorgehen erklärt. Die Wand ist das Kunstwerk."
In einem Brief an Ministerpräsidentin Erna Solberg und die Umweltministerin Sveinung Rotevatn äußerte auch das New Yorker MoMA seine Besorgnis: "Der Abriss des Gebäudekomplexes würde nicht nur einen erheblichen Verlust des norwegischen Architekturerbes bedeuten, sondern würde auch jeden Versuch zur Wiederherstellung oder Erhaltung der Picasso-Fresken bedauerlich machen." Die Institution soll die Politiker ebenfalls darum gebeten haben, "die Genehmigung für die Abbruchgenehmigung zu überdenken".

Zu der Kontroverse um die Wandbilder gesellen sich Proteste der Einwohner von Oslo, die das Gebäude gerne erhalten möchten und dafür in den verlassenen Straßen rund um Block Y bereits demonstrierten. Für die Bevölkerung ist das Gebäude ein "Denkmal für den Wiederaufbau Norwegens nach dem Krieg" und ein Symbol für die Entwicklung seiner modernen Gesellschaft. "Block Y ist ein emblematisches Gebäude, das einen Terroranschlag überlebt hat und jetzt abgerissen werden soll, ohne dass jemand wirklich weiß, weshalb", sagt Tone Dalen, ein Sprecher der bürgerlichen Widerstandsgruppe. Die Regierung ließ verlautbaren, dass die Entscheidung zwar schwierig zu treffen gewesen war, aber dennoch von wesentlicher Bedeutung sei. Dazu sagte Nikolai Astrup, Minister für Modernisierung, dass der Abriss "die Sicherheit und Zugänglichkeit für Fußgänger und Radfahrer verbessern und zu offeneren und grüneren Plätzen und Büros führen [würde], die für künftige Ministerien angepasst sind."
Die drei Kunstwerke in Block H sind hingegen nicht bedroht und sollen gemeinsam mit dem Gebäude restauriert werden. Block Y und Block H wurden 1969 bzw. 1958 im Regierungsviertel von Oslo errichtet und sind Symbole der modernen norwegischen Architektur. Einen Monat vor dem Terroranschlag von 2011 standen die Gebäude kurz davor, als historische Denkmäler eingestuft zu werden.

1955, nach mehreren Jahren des Experimentierens, hatten der Architekt Erling Viksjø und der Ingenieur Sverre Jystad ihren "Naturbetong", eine Methode der Betonbearbeitung für spezielle Oberflächeneffekte, zum Patent anmelden können. Ihre Erfindung ermöglicht es, Kunstwerke in Fassaden zu schnitzen. Zusammen mit dem Künstler Carl Nesjar hatten sie so eine neue Kunstform hervorgebracht, die keine zusätzliche Dekoration eines Gebäudes erforderte, sondern mit der sich Kunst direkt in Fassaden eingravieren ließ.
Nesjar besuchte Pablo Picasso 1957 zum ersten Mal in Frankreich und zeigte ihm die Fotos seiner Arbeit mit Viksjø. Picasso war begeistert von den Möglichkeiten, die diese neue Technik bot. Er nahm regen Anteil an dem Projekt im Regierungsviertel von Oslo und führte alle Skizzen zum Nulltarif aus.
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