Die Rätsel der Isleworth Mona Lisa

Die Panama Papers, ein Banktresor in der Schweiz und ein ominöses Besitzerkonsortium - all das spielt eine Rolle im Fall der "Isleworth Mona Lisa". Darüber schwebt aber vor allem die Frage, ob es sich tatsächlich um ein echtes Werk Leonardo da Vincis handelt.

Die Rätsel der Isleworth Mona Lisa

Vom 10. Juni bis 30. Juli 2019 wurde im Palazzo Bastogi in Florenz ein Damenportrait ausgestellt, das unter dem Namen Isleworth Mona Lisa bekannt ist. Tatsächlich könnte es sich um eine frühere Version von Leonardo da Vincis berühmtesten Werk handeln, das jährlich Millionen Besucher in den Pariser Louvre lockt. Die Expertenmeinungen gehen jedoch weit auseinander. Nun ist auch das ominöse Besitzerkonsortium, dem das Gemälde anteilig gehört, in den Fokus gerückt, da die Erben eines früheren Besitzers gerne weitere Informationen hätten. Doch der Reihe nach.

Leonardo da Vincis Mona Lisa lockt jedes Jahr viele Besucher in den Louvre in Paris | Foto via Wikipedia
Leonardo da Vincis Mona Lisa lockt jedes Jahr viele Besucher in den Louvre in Paris | Foto via Wikipedia

1913 kaufte der englische Kunstsammler und Mäzen Hugh Blaker dem in der Grafschaft Somerset residierenden Earl Brownlow ein Gemälde ab, das von dessen Familie zuvor in Italien als originales Werk Leonardo da Vincis erworben worden war. Blaker nahm das Gemälde mit zu sich nach Hause in den Londoner Stadtteil Isleworth, wodurch der Name Isleworth Mona Lisa entstand.

Blakers Stiefvater John Eyre veröffentlichte kurz darauf seine These, dass es sich um eine frühere Version von Leonardos Mona Lisa handele, wobei er sich auf Passagen aus Giorgio Vasaris Leonardo-Biographie stützte, in der dieser von einem 1503 gemalten, aber unvollendet gelassenen Portrait der Mona Lisa sprach.

Könnte es sich bei der Isleworth Mona Lisa um ein originales Werk Leonardo da Vincis handeln? | Foto via Wikipedia
Könnte es sich bei der Isleworth Mona Lisa um ein originales Werk Leonardo da Vincis handeln? | Foto via Wikipedia

Anschließend wurde die Isleworth Mona Lisa vom Kunsthistoriker Henry F. Pulitzer gekauft, der sie in seinem 1966 erschienen Buch erstmals umfassend der Öffentlichkeit vorstellte. Pulitzer verkaufte 25% der Anteile am Gemälde an den portugiesischen Porzellanhersteller Leland Gilbert, die übrigen 75% gingen an Pulitzers Partnerin Elizabeth Meyer. Nach Meyers Tod im Jahre 2008 gingen ihre Anteile an ein internationales Konsortium über, das in der Schweiz die Mona Lisa Foundation gründete, deren einzige Aufgabe es ist, die Echtheit der Isleworth Mona Lisa als Werk Leonardo da Vincis zu bestätigen. Zu jenem Zeitpunkt war das Gemälde bereits seit mehr als 30 Jahre aus der Öffentlichkeit verschwunden - weggeschlossen in einen Schweizer Banktresor.

2012 veröffentlichte die Mona Lisa Foundation die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, die die Authentizität des Gemäldes bestätigten, was sogleich von einigen Experten angezweifelt wurde, unter anderem von der Leonardo-Koryphäe Martin Kemp von der Universität Oxford.

Beide Mona Lisas wurden in der Sfumato-Technik gemalt, die von Leonardo perfektioniert worden war | Fotos via Wikipedia
Beide Mona Lisas wurden in der Sfumato-Technik gemalt, die von Leonardo perfektioniert worden war | Fotos via Wikipedia

Die Isleworth Mona Lisa blieb also weiterhin ein Rätsel. Ebenso die Identität der Personen, aus denen sich das Besitzerkonsortium zusammensetzt. Die Erben der 25% Prozent von Leland Gilbert wollten dann jedoch gerne mehr darüber erfahren, ebenso wo sich das Gemälde überhaupt genau befindet. Der Anwalt der Erben, die anonym bleiben möchten, Giovanni Protti, gab gegenüber artnet News an, dass er sich an die Foundation wandte, deren Sprecher jedoch angaben, weder etwas über den Verbleib des Gemäldes , noch über die Identität der Besitzer etwas zu wissen.

Licht ins Dunkel brachten die 2016 an die Öffentlichkeit durchgesickerten Panama Papers, die unter dem Deckmantel von Offshore-Unternehmen, als Besitzer einige bekannte Namen der Kunstsammlerszene enthüllten. Diese Namen werden jedoch erst in Kürze vor Gericht verlautbart werden, denn die 25%-Erben wollen Informationen und Besitzansprüche nun einklagen. Die Gelegenheit dazu lieferte ihnen eben jene Ausstellung des Gemäldes in Florenz, durch die ein Gerichtsverfahren in Italien überhaupt erst möglich wurde. Ebenso wollen die Erben verhindern, dass die Isleworth Mona Lisa wieder in seinem Schweizer Banktresor eingeschlossen wird. "Sollte es wieder in Schweizer Gewölben verschwinden, wären die italienischen Behörden machtlos", gab Giovanni Protti gegenüber The Art Newspaper an.

Die erste Anhörung in dem Besitzerstreit findet am 9. September vor einem Zivilgericht in Florenz statt.

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