Kunsthändlerin Hélène Greiner wurde 1990 Teil der Pariser Kunstszene, als sie in ein Ladenlokal am Boulevard Raspail einzog und dort, ihre Leidenschaft für Künstlerschmuck beiseite schiebend, Möbel aus den 1940er Jahren präsentierte. Schon bald kam ein Interesse an Nachkriegsmalerei und -plastik hinzu und machte sich schnell damit einen Namen, andere Entscheidungen als ihre Kollegen zu treffen und sich von den finanziellen Eventualitäten löste, die mit den Preisen der Künstler verbunden waren.

Mehr als drei Jahrzehnte lang stellte sie ihr erfahrenes Auge und ihren von Emotionen geleiteten Geschmack in den Dienst vergessener Künstler, die kaum repräsentiert wurden, oder deren Ruhm noch auf sich warten ließ. Es ist Hélène Greiner zu verdanken, dass Maler und Bildhauer von großer Kreativität wie Parvine Curie, Robert Couturier, Irène Zack, Félix Labisse und Sylva Bernt von der Öffentlichkeit entdeckt wurden.
Im Bereich der dekorativen Kunst entwickelten sich ihre Interessen in Richtung Möbelskulptur und umfasste Werke von Künstlern wie Federico Brook, Ado Chale, Armand Jonckers, Marc d'Haenens und Yann Dessauvages.

Am 10. März wird das französische Auktionshaus Tajan nun unter dem Titel "Hélène Greiner, un parcours artistique" ("Hélène Greiner, eine künstlerische Reise") die Sammlung der Kunsthändlerin versteigern, die 426 außergewöhnliche Werke umfasst. Dominiert von Skulpturen, umfasst die Offerte auch zweidimensionale Kunst und zeitgenössische Möbel.
Der Reichtum des Universums von Greiner wird in erster Linie von einem breiten Angebot an Skulpturen charakterisiert, die von totemistischen Arbeiten von François Stahly über die massives Werke von Parvine Curie bis zu den monumentalen weiblichen Figuren von Robert Couturier reichen.

Lange unter dem Einfluss von Aristide Maillol, den er 1928 im Alter von 23 Jahren traf, war der französische Bildhauer Robert Couturier ein Meister in der Kunst des weiblichen Aktes. Er befreites sich von den klassischen Formen und wurde zu Beginn der 1950er Jahre, zusammen mit Alberto Giacometti und Germaine Richier, zu einem der Repräsentanten einer neuen figurativen Plastik.
Seine ersten grazilen Frauen mit gestreckten Körpern zeigte er 1937 auf der Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne – ein erstes Zeichen seiner Abkehr von harmonischen Formen zugunsten von hageren Körpern. Couturier ist in der Auktion von Tajan mit zwei Arbeiten vertreten, darunter La Pensée, ein Bronze-Proof von 1948 von zwei Metern Höhe, der zu jener Zeit entstand, als Couturier begann, sich von Konventionen zu befreien.

Parvine Curie, von der sechs Arbeiten zum Aufruf kommen, ist eine Künstlerin, die ihr Publikum mit ihrer Fähigkeit, mit Holz, Bronze, Zement und Aluminium gleichermaßen gut umgehen zu können, überrascht. Als Schöpferin maßvoller Figuren, zurechtgestutzter Formen und jäh abfallender Linien hat sich Curie der Erforschung des Themas der Tür verschrieben, die sie als ein Symbol des "Mysteriösen, als einen Ort des Übergangs zwischen zwei Welten oder als Weckruf zu einer Reise in eine jenseitige Welt" beschreibt. Ihr Werk Mère procession, ein großer Bronze-Proof von 1972, gehört zu den Top-Losen der Auktion.

Unter den Gemälden müssen vom französischen Surrealisten Félix Labisse Hommage à Charles Baudelaire (1967) und Theodora (1964) hervorgehoben werden – zwei Leinwandarbeiten, die eines seiner liebsten Motive zeigen, das 1964 erstmals auftauchte: die blaue Frau. An dieser Stelle erwähnt werden müssen auch die Maler Léon Zack und Leopoldo Torres-Aguëro, zwei Meister der lyrischen Abstraktion.

Unikale Möbelstücke, die charakteristisch für Hélène Greiners aussagekräftigen Geschmack sind, vervollständigen die Auktion. Erwähnenswert sind hier vor allem ein Couchtisch des in Brüssel lebenden Yann Dessauvages, ein Autodidakt, der sich bei seiner Arbeit ganz auf seinen Instinkt verlässt und die Materialien verwendet, die ihm in seiner Werkstatt zur Verfügung stehen. Seine Arbeit mit organischen Formen ist die Frucht seiner Vorstellungskraft, die sich zwischen Funktionalität und Kunst, Objekt und Subjekt, Tradition und Innovation hin und her bewegt.

Das Werk von Federico Brook, der in der Auktion durch die erstaunliche Konsole Piano Spazziale repräsentiert wird, ist von einer konstanten Suche nach Raum gekennzeichnet, was zunächst in kinetischen Stücken und dann in großformatigen Skulpturen im Zusammenspiel mit deren natürlicher Umgebung zum Tragen kam. Die vorliegende Arbeit ist ein Möbelstück von ca. 1973, dessen Basis kinetische Elemente beinhaltet.
Angetrieben von ihrer Suche nach einem Eklektizismus für weite Horizonte, hat Hélène Greiner es Enthusiasten ermöglicht, Werke zu entdeckten, zu verstehen und zu erwerben, die gleichermaßen auffällig wie auch überraschend sind. Ihre Teilnahmen an renommierten Salons und Messen wurden bemerkt, wobei sich Malerei, Skulptur und dekorative Kunst vermischten und ergänzten.
Die Versteigerung des Universums von Hélène Greiner, das die Arbeit eines ganzen Lebens verkörpert, findet am 10. März bei Tajan statt. Aufgrund der aktuellen gesundheitlichen Situation, laden wir sie dazu ein, die Website des Auktionshauses zu besuchen.



