Frankreichs Museen kommen einfach nicht zur Ruhe: Zu den zahlreichen Diebstählen, die sich in den vergangenen Jahren ereignet haben – u. a. Louvre (2025), Musée Lalique (2026), Musée Cognacq-Jay und Musée du Hiéron (beide 2024) – ist ein weiterer dazugekommen.
Gegen 6 Uhr morgens am 8. September drangen zwei maskierte Männer in das Musée Renoir in Cagnes-sur-Mer ein und nahmen vier der dort ausgestellten Gemälde an sich. Da die durch den ausgelösten Alarm gerufene Polizei jedoch bereits nach fünf Minuten am Tatort eintraf, flüchteten die Täter, wobei sie zwei Gemälde zurückließen: Portrait de Madame Stephen Pichon (um 1895) und Coco lisant (um 1905). Zur Beute wurden Portrait de Madame Colonna Romano (um 1910) sowie La Jeune Femme au puits (1886), ihr Wert wird auf 9 Millionen Euro geschätzt.
Das Musée Renoir befindet sich in jener Villa im südfranzösischen Cagnes-sur-Mer, die Pierre-Auguste Renoir von 1908 bis zu seinem Tod im Jahr 1919 mit seiner Frau Aline und den drei gemeinsamen Söhnen Pierre, Jean und Claude bewohnte. Anschließend ging das Anwesen in den Besitz von Claude über, der es 1960 der Stadt Cagnes-sur-Mer verkaufte, die dort das Musée Renoir einrichtete. Die Ausstellung zeigt vor allem Werke des berühmten Impressionisten sowie weiterer Künstler, darunter Pierre Bonnard, Aristide Maillol und Raoul Dufy.
Bei den beiden am 8. September gestohlenen Gemälden handelt es sich um Leihgaben des Musée d’Orsay, die sich seit 1995 im Musée Renoir befanden. Beide Gemälde sind in der Liste der staatlichen Organisation Musées Nationaux Récupération (MNR) eingetragen, die Kunstwerke umfasst, die während Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wiederrechtlich (als Raubkunst, Zwangsverkauf oder aus einer Enteignung) nach Deutschland gebracht wurden und nach dem Krieg zurückkehrten, wobei die genauen Besitzverhältnisse jedoch nicht ermittelt werden konnten.
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Portrait de Madame Colonna Romano zeigt die Schauspielerin Gabrielle Colonna-Romano, die mehrfach für Renoir Modell saß und eine Zeitlang eine Liebesbeziehung mit Pierre Renoir, dem ältesten Sohn des Malers, hatte. Das Gemälde wurde 1939 aus der Nachlassauktion Renoirs vom Kunsthändler Raphaël Gérard erworben, der es im September 1940, also nach Beginn der Besetzung, an die deutsche Botschaft in Paris verkaufte. Anschließend führt die Spur nach Deutschland, wo es nach dem Krieg beschlagnahmt und nach Frankreich zurückgebracht wurde. Das Porträt ist in der MNR-Liste mittlerweile als „Oeuvre assurément non spoliée“ („definitiv nicht geraubtes Kunstwerk“) aufgeführt.
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Das unvollendet gebliebene Gemälde La Jeune Femme au puits könnte hingegen während der Besetzung beschlagnahmt oder auf dem Schwarzmarkt erworben worden und auf diesem Weg nach Deutschland gelangt sein. Es tauchte 1949 in Bayern wieder auf und wurde im Jahr darauf nach Frankreich zurückgeführt, wobei nicht bekannt war, wem es vor dem Krieg gehört hatte. Mittlerweile haben jedoch die Erben der jüdischen Kunsthändlerin Jadwiga Zak, die 1943, nach der Zwangsauflösung ihrer Galerie, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden war, Ansprüche geltend gemacht.
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Der Einbruchsdiebstahl im Musée Renoir erscheint aufgrund der schnellen und gezielten Durchführung als geplante Tat, die nur durch die unerwartete Ankunft der Polizei gestört wurde. Die beiden zurückgelassenen Gemälde sind nun als wichtige Beweismittel Teil der Ermittlungen, das Museum bleibt vorübergehend geschlossen. Aufgrund der Bekanntheit der gestohlenen Gemälde, ist ein regulärer Verkauf ausgeschlossen. Sollte kein Auftraggeber im Hintergrund agieren, wäre nur ein Verkauf auf dem Schwarzmarkt möglich. Im Idealfall gelingt es den französischen Ermittlern, das Diebesgut wieder aufzuspüren, so wie es vor Kurzem ihren Kollegen in Italien nach einem ähnlich Fall geglückt ist.




