Seit hundert Jahren ist die britische Studiokeramik eine Quelle der Vitalität und der Konflikte. Einige der bekanntesten britischen Keramiker standen im ständigen Dialog mit den visuellen Traditionen der Bildhauerei, Malerei, Literatur und Architektur – und galten dennoch zeitweise nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Viele von ihnen kämpften dafür, dass sich dies änderte, während andere der Ansicht waren, das Keramik funktional und zugänglich bleiben müsse. Es wurden Debatten geführt und Dogmen aufgestellt. Für die absoluten Meister unter den Keramikern verkörperte ihre Arbeit ihren Lebensstil und ihre Philosophie. Entdecken Sie nun zehn große Namen, die die britische Studiokeramik geprägt haben!
1. Bernard Leach
Bernard Leach (1887-1979) war ein britischer Studiokeramiker und Kunstlehrer, der von vielen als der „Vater“ der britischen Studio-Töpferei angesehen wird. Er wurde in Hongkong geboren und lebte auch in Japan. 1920 wurde er von Frances Horne, die in St. Ives, Cornwall, eine Guild of Handicrafts gründete, gebeten, nach England zurückzukehren. Leach wurde der führende Töpfer der Gruppe und machte es sich zur Aufgabe, Keramik als eine Kombination aus westlicher und österlicher Kunst zu fördern. Er arbeitete mit einem traditionellen japanischen Ofen und mischte koreanische, japanische und chinesische Töpfertraditionen und -techniken mit solchen aus England und Deutschland.
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Leach wurde bekannt für seine einfachen und zweckmäßigen Linien, die der Ästhetik der Kunstkeramik gegenüberstand. Er glaubte an Töpferwaren als eine Kombination aus Kunst, Philosophie, Design und sogar Lebensstil. 1940 schloss er sich dem Baháʼí-Glauben an, der seine Philosophie und seine ästhetischen Prinzipien beeinflusste. Bis 1972 stellte er Töpferwaren her, 1977 widmete ihm das Victoria and Albert Museum eine Retrospektive. Leach Pottery, das von ihm gegründete Unternehmen, existiert noch heute.
2. Michael Cardew
Michael Cardew (1902-1983) wurde in Wimbledon geboren und arbeitete zwanzig Jahre in Westafrika. Cardew war der erste Lehrling bei Leach Pottery und teilte mit Bernard Leach die Leidenschaft für Engobe. Seine Keramiken wurden aus lokalem Ton hergestellt und in einem traditionellen Flaschenofen gebrannt. Sein Ziel war es, die Töpferwaren der englischen Engobe-Tradition des 17. Jahrhunderts funktional und für jedermann erschwinglich zu machen. Seine Entwürfe waren typischerweise mit Vögeln, Fischen und abstrakten Mustern verziert. Bernard Leach betrachtete Cardew als seinen besten Schüler, und er wurde als „einer der besten Töpfer des Jahrhunderts und einer der größten Engobe-Keramiker aller Zeiten“ bezeichnet.

3. William Staite Murray
William Staite Murray (1881–1962) wurde in Deptford, London, geboren und absolvierte von 1909 bis 1912 eine Töpferausbildung an der Camberwell School of Arts and Crafts. Neben seinem Flirt mit der Avantgarde-Kunst wurde er zunehmend von der frühen chinesischen Keramik beeinflusst.

Seine Kreationen wurden mit einem traditionellen Ölofen hergestellt. Murray lehnte die Funktionalität ab und wollte, dass seine Schöpfungen als eigenständige Kunstwerke betrachtet werden. Er war Mitglied von Seven and Five, einer Gruppe von Malern und Bildhauern, und stellte mit anderen britischen Künstlern wie Ben und Winifred Nicholson aus.
4. Lucie Rie
Die in Österreich geborene britische Studiokeramikerin Dame Lucie Rie (1902-1995) eröffnete 1925 ihr erstes Atelier in Wien. 1938 ließ sie sich auf der Flucht vor den Nazis in London nieder. Dort richtete sie in der Nähe des Hyde Park ihr Studio ein, wo sie 50 Jahre arbeitete. Rie war neben Bernard Leach und Hans Coper eine wegweisende Figur in der Entwicklung der britischen Studiokeramik.
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Rie entwarf hauptsächlich schlicht geformte Vasen, Flaschen und Tassen. Ihre Stücke zeichnen sich sowohl durch ihre Modernität als auch durch ihre Reinheit aus, mit antiken und sogar prähistorischen Einflüssen. Besonders beeindruckt war sie von ihren Besuchen der neolithischen und bronzezeitlichen Sammlungen im archäologischen Museum in Avebury, England, was sich in ihrer Arbeit widerspiegelt. Ihre Stücke haben strukturierte Oberflächen, die manchmal in hellen, sich vermischenden Farbtönen gefärbt sind, die die Techniken von Sgraffito und Nériage hervorheben. Die scheinbare Zerbrechlichkeit ihrer Kreationen kontrastiert mit der üblichen robusten und soliden Erscheinung von Steingut. Rie erhielt 1968 einen OBE, 1982 einen CBE und wurde 1991 zur Dame ernannt.
5. Hans Coper
Hans Coper (1920-1981) war ein einflussreicher in Deutschland geborener britischer Studiokeramiker, der Partner im Studio von Lucie Rie wurde. Coper zeichnete sich dadurch aus, dass er auf der Scheibe gedrehte Töpfe zu skulpturalen Gefäßen zusammenfügte. Seine Stücke waren abstrakt, aber immer funktional, und er bevorzugte monumentale Kreationen.
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Copers Arbeiten wurden und werden ausgiebig ausgestellt und gesammelt und sind in internationalen Sammlungen zu finden, unter anderem im Metropolitan Museum of Art, im Victoria and Albert Museum und im Museum de Fundatie im niederländischen Zwolle.
6. Ruth Duckworth
Ruth Duckworth (1919-2009) war eine modernistische Bildhauerin, die sich auf Keramik spezialisiert hatte. Sie wurde in Hamburg geboren, ging aber 1936 nach Liverpool, um dort am College of Art zu studieren. Später studierte sie an der Hammersmith School of Art und an der City and Guilds of London Art School. Dort erlernte sie die Steinbildhauerei und wollte sich zunächst der Gestaltung von Grabsteinen zuwenden.

Als sie sich jedoch 1956 während eines weiteren Studiums an der Central School of Arts and Crafts mit Keramik beschäftigte, löste dies ihre Leidenschaft für das Medium aus. Ihre frühen Arbeiten hatten traditionelle Formen. Bald begann Duckworth jedoch damit, abstraktere Stücke herzustellen. Ihre Herangehensweise an Keramik war die einer Bildhauerin, die es vorzog, statt der funktionalen Seite des Tons dessen ästhetische Qualitäten hervorzuheben. Von ihren zeitgenössischen Kollegen wie Bernard Leach abgelehnt, ging sie schließlich nach Chicago, um zu lehren, und ließ sich schließlich dauerhaft in den Vereinigten Staaten nieder.
7. John Ward
John Ward wurde 1938 in Islington geboren und besuchte von 1966 bis 1970 die Camberwell School of Arts & Crafts. In den 1970er Jahren hatte er zwei Werkstätten im Südosten Londons, eine in Anerley und die andere in Charlton, bevor er 1979 nach Dyfed in Wales zog. Wards handgefertigte Töpfe haben ihm einen Platz unter den größten Keramikern Großbritanniens eingebracht. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine sehr saubere und reine Ästhetik aus, die in seinen typischen wellenförmigen Gefäßen zum Ausdruck kommt.

Ward verändert seine Schöpfungen manchmal in der lederharten Phase, indem er sie auseinander schneidet und und wieder zusammenfügt, um Grate und Rillen zwischen gekrümmten Oberflächen zu erzeugen. Um ein mattes Finish zu erhalten, polierte Ward die Gefäße zunächst mit Kieseln. Schließlich verwendete er matte Glasuren, wobei die meisten seiner Töpfe zweimal in einem Elektroofen gebrannt werden. Unglasierte antike Keramik hat eindeutig einen starken Einfluss auf Ward, der sich von der alten Töpferkunst Chinas und Ägyptens sowie von der frühzypriotischen Keramik und frühen persischen Schalen inspirieren lässt.
8. Emmanuel Cooper
Der Keramikkünstler Emmanuel Cooper (1938-2012) hatte die Bedeutung von LGBT-Rechten in der britischen Kunstszene seit den 1970er Jahren hervorgehoben. In den frühen 70ern war er Mitbegründer des Kollektivs Gay Left. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er mehrere Studien zur LGBT-Kunst, darunter The Sexual Perspective und Fully Exposed: The Male Nude in Photography.

Coopers Arbeiten sind in einer vulkanischen Weise stark glasiert, was ihnen eine abwechslungsreiche und ungleichmäßige Textur verleiht, die von Lucie Ries Arbeit beeinflusst wurde. Seine anderen Werke sind mit ihren Pink-, Gelb-, Rot- und Blautönen extrem lebendig. Für diese Arbeiten verwendete er oft eine eigelbe Glasur mit Goldsprenkeln. Im Jahr 2002 wurde Cooper, dessen Arbeiten im Victoria & Albert Museum zu finden, ein OBE für seine Verdienste um die Kunst verliehen.
9. Magdalene Odundo
Dame Magdalene Odundo wurde 1950 in Kenia geboren und kam 1971 nach Großbritannien, wo sie sich als eine der einflussreichsten Keramikerinnen unserer Zeit etablierte. Mit Keramik befasste sich Odundo erstmals während ihres Studiums an der Cambridge School of Art.
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Für Odundo steht, wie bei den Skulpturen von Henry Moore und Barbara Hepworth (die sie ebenfalls kurz nach ihrer Ankunft in England kennenlernte), die manuelle Methode im Mittelpunkt des Prozesses, und diktiert somit die endgültige Form der Werke. Ihre bekanntesten Keramiken fertigt sie von Hand mit einer Wickeltechnik an. Jedes Stück wird dann zweimal poliert und oxidiert und dann erneut gebrannt. Neben allgemeinen Bezügen zum weiblichen Körper (Fuß, Körper, Hals, Lippe, Mund) gibt Odundo ihren Werken konkrete Bezüge, etwa zum Körper einer schwangeren Frau oder zum durch rituelle und kulturelle Traditionen modifizierten weiblichen Körper, darunter Anklänge an die Profile von Mangbetu-Frauen aus der Demokratischen Republik Kongo, deren Schädel von Kindesbeinen an verlängert wurden.
10. Jennifer Lee
Jennifer Lee ist eine weitere prominente britische Bildhauerin, die noch immer aktiv ist. Sie wurde 1956 in Aberdeenshire, Schottland, geboren und studierte von 1975 bis 1979 Keramik und Tapisserie am Edinburgh College of Art. Anschließend verbrachte sie acht Monate mit einem Reisestipendium in den USA, wo sie die prähistorische Keramik des Südwestens erforschte und zeitgenössische Töpfer an der Westküste besuchte. Lees Keramiken werden mit traditionellen Pinch-and-Coil-Methoden von Hand gefertigt. Die Formen sind scheinbar einfach, jedoch mit gekniffenen Basen kombiniert, um eine ausgewogene Asymmetrie zu erzeugen. Lee wird zugeschrieben, eine Methode zum Färben der Töpfe entwickelt zu haben, für die Metalloxide in den Ton gemischt werden.
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Lee ist zu einem Markenzeichen der britischen Studiokeramik geworden. Ihre Arbeiten sind in bedeutenden Sammlungen weltweit vertreten, darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, das Philadelphia Museum of Art und das Victoria and Albert Museum.









