Am 11. April kehrte die Besatzung der Artemis II-Mission auf die Erde zurück – inklusive der Armbanduhren, die sie begleitet hatten. Diese Uhren reihen sich in eine lange Tradition von Zeitmessern ein, die mit der Weltraumforschung verbunden sind. Beim ersten bemannten Mondvorbeiflug der NASA seit 1972 trugen alle vier Astronauten Omega Speedmaster X-33 Gen 2-Uhren, die außen an ihren Raumanzügen befestigt waren.
Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen wurden vor dem Einstieg ins Raumschiff mit den in der Schweiz hergestellten Uhren fotografiert. Die X-33 , die 1998 vorgestellt wurde, entwickelte sich schnell zu einem bewährten Instrument für das US-Raumfahrtprogramm. Nicht mehr kommerziell hergestellt, wird sie vermutlich speziell an die Astronauten der NASA vergegeben.

Während die NASA die analog-digitale X-33 für die Artemis II-Mission wählte, wurden frühere Astronautengenerationen hingegen mit der mechanischen Omega Speedmaster Professional in Verbindung gebracht Als erste von der NASA für den Flugbetrieb zugelassene Uhr wurde sie von Neil Armstrong und Buzz Aldrin bei der Mondlandung 1969 getragen. Die „Moonwatch“, wie sie allgemein genannt wird, ist bis heute eines der prägendsten Symbole der Weltraumforschung.
Lesen Sie auch: Omega: Richtungsweisende Präzision für das Handgelenk
Die Geschichte der Omega Speedmaster im Weltraum reicht jedoch noch weiter zurück. Ed White war 1965 im Rahmen der Gemini-4-Mission der erste Amerikaner, der einen Weltraumspaziergang unternahm. Er trug zwei Speedmaster-Uhren: eine, die auf die Missionszeit im Weltraum eingestellt war, und eine andere, die auf die Houston-Zeit auf der Erde eingestellt war.

Gemini 4 und die nachfolgenden Apollo-Missionen trugen maßgeblich dazu bei, die Bedeutung der Speedmaster für das US-amerikanische Raumfahrtprogramm zu festigen. Die Sowjets hingegen verließen sich für den Wettlauf ins All weitgehend auf ihre eigenen Instrumente.
Lesen Sie auch: 10 Logos berühmter Uhrenmarken und was sie bedeuten
Alexei Leonow trug bei seinem ersten bemannten Weltraumspaziergang eine sowjetische Poljot Strela. Die Uhr stammte aus der Ersten Moskauer Uhrenfabrik, die im Zuge von Stalins Industrialisierungsbestrebungen in der Sowjetunion gegründet worden war. Da es der Regierung zwar an Ausrüstung, aber nicht an Ambitionen mangelte, hatte sie als Basis dafür die angeschlagene Dueber-Hampden Watch Company aus Ohio aufgekauft, um die heimische Uhrenindustrie zu stärken.
1961 wurde der Hündin Tschernuschka an Bord von Sputnik 9 eine Pobeda 34-K umgeschnallt – vermutlich die erste Uhr im Weltraum. Später im selben Jahr trug Juri Gagarin eine Sturmanskie – hergestellt von der Ersten Moskauer Uhrenfabrik –, als er als erster Mensch ins All flog. Liebhaber finden auch heute noch robuste, funktionale Uhren aus dieser Zeit auf dem Markt.

Vor der Omega Speedmaster zählte die Bulova Accutron Astronaut zu den bevorzugten Uhren der NASA. Das Modell ist seit Langem mit der US Air Force und der CIA verbunden und wurde während der Mercury-Missionen eingesetzt. Ihr in der Schweiz gefertigtes Kaliber 214HN spiegelte zudem den wachsenden Einfluss der Schweizer Präzisionsuhrmacherei im amerikanischen Raumfahrtprogramm wider.
Lesen Sie auch: Die 10 besten Taucheruhren für Sammler
Für Sammler geht die Wertschätzung für technische Raffinesse oft mit sentimentalem Wert einher. Im Weltraum kann Zuverlässigkeit jedoch über Leben und Tod entscheiden. Während der Apollo-13-Mission explodierte ein Sauerstofftank an Bord des Raumschiffs. „Houston, wir haben ein Problem“, meldeten die Astronauten, nachdem die Explosion die Besatzung vom Kurs abgebracht hatte. Um sicher zur Erde zurückzukehren, mussten sie eine exakte 14-sekündige Treibstoffzündung durchführen. Da die digitale Bordzeitmessung ausgefallen war, nutzte Command Module Pilot Jack Swigert bekanntermaßen seine Speedmaster, um das Manöver zu timen und die Besatzung sicher zur Erde zurückzuleiten.

Obwohl vor allem die Speedmaster mit der Apollo-13-Mission in Verbindung gebracht wird, vermuten einige, dass Jack Swigert bei dem Manöver stattdessen eine Rolex GMT-Master getragen haben könnte. Die GMT-Master Referenz 1675, die zwischen 1959 und 1980 produziert wurde, war eine beliebte, inoffizielle Wahl unter Astronauten, denen es erlaubt war, neben der von der NASA gestellten Ausrüstung auch private Uhren mitzuführen. Es wird angenommen, dass dieses Modell auch bei späteren Apollo-Missionen zum Mond mitgeflogen ist.
Lesen Sie auch: Von Pepsi bis Kermit: Die bunte Welt der Rolex-Spitznamen
Das Tragen mehrerer Uhren scheint unter NASA-Astronauten zu einer Art Tradition geworden zu sein. Beobachter der Artemis-II-Mission bemerkten neben der Speedmaster möglicherweise auch eine Breitling Cosmonaute Navitimer. Deren Ursprünge reichen zurück bis zur Mercury-Atlas-7-Mission im Jahr 1962, als Astronaut Scott Carpenter eine modifizierte 24-Stunden-Version der Breitling Navitimer trug – und damit die erste Schweizer Armbanduhr im Weltraum. Die spezielle Zifferblattgestaltung entwickelte sich später zur Cosmonaute-Linie.

Auch japanische Uhren blicken auf eine lange Geschichte in der Raumfahrt zurück. Die Seiko 6139 „Pogue“, benannt nach dem Astronauten William Pogue, war 1973 während der Skylab-4-Mission der erste automatische Chronograph im Weltraum. Manche vermuten, dass Pogue sie zur Zeitmessung nutzte, nachdem sich das Glas seiner Speedmaster gelöst hatte.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
In den folgenden Jahrzehnten wurden japanische Digitalchronographen auf Weltraummissionen immer häufiger eingesetzt. Die Seiko A829 Rotocall, auch bekannt als „Astronaut“, wurde nach ihrer Markteinführung Anfang der 1980er-Jahre über 150 Mal im Weltraum verwendet. Die Casio G-Shock DW-5600 erwies sich mit geschätzt über 200 Einsätzen sogar als noch beliebter.

Von sowjetischen Fabrikuhren bis hin zu modernen digitalen Chronographen erzählen diese Zeitmesser die Geschichte der kühnsten Expeditionen der Menschheit. Sammler können viele dieser Uhren heute in unterschiedlichsten Ausführungen entdecken – von originalen Vintage-Uhren bis hin zu Hightech-Neuinterpretationen.



