Auch in diesem Frühjahr kann die Kunstmetropole London mit einer feinen Auswahl an Ausstellungen begeistern: Mit umfassenden Retrospektiven, immersive Installationen, themenbezogenen Shows und historischen Präsentationen ist wirklich für jeden Kunstliebhaber etwas dabei.
1. Yoko Ono: Music of the Mind

Yoko Ono: Music of the Mind in der Tate Modern (15. Februar - 1. September 2024) zollt der bedeutenden Künstlerin und Aktivistin Yoko Ono Tribut. Es ist die bisher umfangreichste Ausstellung im Vereinigten Königreich, die Onos Beitrag als konzeptuelle und partizipative Künstlerin, Musikerin und Anwältin des Friedens ehrt. Die Ausstellung zeigt mehr als 200 Exponate, die sieben Dekaden ihrer Karriere beleuchten. Die Anleitungen, Installationen, Filme, Musik und Fotografien gewähren einen Einblick in Onos radikalen Ansatz zu Sprache, Kunst und Partizipation.
Das Kernstück der Ausstellung bildet Onos Arbeit aus jenen fünf Jahren, die sie ab 1966 in London verbrachte, und in denen sie ihren zukünftigen Ehemann und Partner John Lennon kennenlernte. Die Besucher werden zudem Gelegenheit haben, mit Onos Kunst in einer Neuauflage ihrer partizipativen Installationen zu interagieren.
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Wenn Sie schon einmal da sind, sollten Sie auch die Ausstellung Capturing the Moment, die die Beziehung zwischen Fotografie und moderner Malerei untersucht, besuchen, die bis zum 28. April verlängert wurde. Gemeinsam präsentiert werden Arbeiten aus der YAEGO Foundation Collection mit jüngsten Erwerbungen der Sammlung der Tate, darunter Gemälde von Francis Bacon, Gerhard Richter und Peter Doig sowie Fotografien von Thomas Struth, Andreas Gursky und Hiroshi Sugimoto.
Am anderen Themseufer zeigt die Tate Britain noch bis zum 7. April Women in Revolt!, die die feministische Kunst, die zwischen 1970 und 1990 im Vereinigten Königreich geschaffen wurde, untersucht. Gezeigt werden Werke von mehr als 100 Künstlerinnen und Kollektiven, die von der ersten Konferenz des Women's liberation movements bis zum Ende der Ära Thatcher.
2. Barbara Kruger: Thinking of You. I Mean Me. I Mean You.

Barbara Kruger: Thinking of You. I Mean Me. I Mean You. in der Serpentine South (1. Februar - 17. März 2024) ist die erste institutionelle Einzelausstellung der visionären Amerikanerin Barbara Kruger in über 20 Jahren.
Kruger, die für ihre mutigen und provokanten Arbeiten bekannt ist, erforscht Themen der Macht, des Konsums und der Identität und lässt dabei Bilder mit Worten in ihrem charakteristischen Stil aus Schwarzweißfotografien und roten Textfeldern miteinander verschmelzen.
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Krugers Kunst kritisiert oft den Einfluss der Massenmedien und der Werbung und lädt das Publikum dazu ein, die Manipulation, die mit der Bildsprache einhergeht, prüfen. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstand, umfasst eine Auswahl an Installationen, Bildern und Geräuschkulissen, die in den vergangenen Jahren zu Videoarbeiten neu konfiguriert wurden.
3. DIVA

DIVA im V&A South Kensington (24. Juni 2023 – 7. April 2024) feiert eine Reihe ikonischer Künstler vom 19. Jahrhundert bis heute in einer Ausstellung, die über 250 Objekte aus den Sammlung des Victoria & Albert Museums sowie weiteren Institutionen aus aller Welt umfasst. Die Schau ist DIE Gelegenheit, spektakuläre Kostüme von "Diven" wie Maria Callas, Cher und Marilyn Monroe zusammen mit Fotografien, Memorabila, Musik und Live-Auftritten zu bewundern.
Doch ist die Ausstellung nicht nur eine Feier des Glamours, sie ist auch Diskussionsraum zu den unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes "Diva" in der Popkultur und zeigt, wie der Begriff seit den 1960er Jahren zurückgewonnen wurde.
4. Entangled Pasts, 1768–now

Entangled Pasts, 1768–now in der Royal Academy of Arts (3. Februar - 28. April 2024) ist ein ambitioniertes Projekt, das über 100 Werke aus 250 Jahren zusammenbringt, von der Gründung der Akademie im Jahr 1768 bis heute. Die Ausstellung, die in den Hauptgallerien der Akademie gezeigt wird, hat zum Ziel, die koloniale Vergangenheit der Institution aufzudecken. Entangled Pasts wurde 2021 angestoßen, nachdem es öffentliche Debatten über die Beziehung zwischen Kunst und imperialen Geschichten gegeben hatte, mit besonderem Fokus auf britische Künstler der afrikanischen, karibischen und indischen Diaspora. Arbeiten von führenden zeitgenössischen Künstler wie Lubaina Himid, Frank Bowling und Sonia Boyce stehen im Dialog mir historischen Werken von Joshua Reynolds, Thomas Gainsborough und J. M. W. Turner, die zu Themen wie dem Empire, Rassismus und Kolonialismus angeordnet sind.
Anlässlich der Ausstellung wurde im Innenhof eine neue Skulptur des von den Bahamas stammenden Konzeptkünstlers Tavares Strachan enthüllt. Inspiriert von Leonardo da Vincis Abendmahl, stellt Strachans The First Supper (Galaxy Black) ein neues Abendmahl-Szenario mit zwölf historischen Persönlichkeiten aus Afrika und dessen Diaspora vor, das Männer und Frauen mit einschließt, darunter Harriet Tubman und Marsha P. Johnson sowie Kaiser Selassie I. von Äthiopien, der hier den Platz von Jesus einnimmt. Die dreizehnte Figur, ein Selbstporträt Strachans, ist an die Stelle von Judas gerückt.
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Besuchern der Royal Academy bietet sich darüber hinaus noch bis zum 12. Januar 2025 die Gelegenheit, Lord Leightons Flaming June (siehe Titelbild), eines der berühmtesten Werke der viktorianischen Ära, ohne Eintritt bestaunen zu dürfen. Das Meisterwerk, das erstmals 1895 in der Royal Academy enthüllt worden war, wurde 1960 versteigert und vom Museo de Arte de Ponce in Puerto Rico erworben, welches es der Akademie aufgrund seiner renovierungsbedingten Schließung nun als Leihgabe überlassen hat.
5. Clockwork Treasures from China’s Forbidden City

Zimingzhong 凝时聚珍: Clockwork Treasures from China’s Forbidden City im Science Museum (1. Februar - 2. Juni 2024) vereint 23 fantastische Schätze der Uhrmacherkunst, die einst von chinesischen Kaisern gesammelt und geliebt wurden und nun als Leihgabe des Palastmuseums Peking nach London gekommen sind. Zum ersten Mal im Vereinigten Königreich ausgestellt, kombinieren die "zimingzhong" genannten mechanischen Uhren des 18. Jahrhunderts Ästhetik, Zeitmessung und Musik in höchster Handwerkskunst.
Die meisten dieser Uhren wurden in England hergestellt und wurden den chinesischen Kaisern und Würdenträgern als Geschenke überreicht, was sie zu wichtigen Zeugnissen einer blühenden Periode des internationalen Handels zwischen China und Europa macht.
6. Zineb Sedira: Dreams Have No Titles

Zineb Sedira: Dreams Have No Titles in der Whitechapel Gallery (15. Februar - 12. Mai 2024) ist das britische Debüt der von der Kritik gefeierten Ausstellung Dreams Have No Titles der französisch-algerischen Künstlerin Zineb Sedira. Ursprünglich entwickelt für den französischen Pavillon der 59. Biennale von Venedig, lädt Sediras Multimedia-Installation den Besucher zu einer immersiven Erfahrung ein, bei der die Linien zwischen Fiktion und Dokumentation, zwischen persönlicher und kollektiver Erfahrung verschwimmen.
Durch akribisch konstruierte Filmsets, die auf ikonische Filme und die Herkunft der Künstlerin Bezug nehmen, erforscht Dreams Have No Titles die transformative Macht des Filmemachens während der kulturell reichen und politischen 1960er und 1970er Jahre in Frankreich, Italien und Algerien. Inspiriert von filmischen Meisterwerken wie Schlacht um Algier und Der Fremde, tauchen Sediras Installationen in Themen wie Dekolonisation, Solidarität und Belastbarkeit ein und offeriert eine scharfe Reflexion der Komplexitäten der Geschichte.
7. Unravel: The Power and Politics of Textiles in Art

Unravel: The Power and Politics of Textiles in Art im Barbican (13. Februar - 26. Mai 2024) zeigt Werke von Künstlern von den 1960er Jahren bis heute, die das transformative Potenzial von Textilien genutzt haben, um Vorstellungen von Macht und Autorität in Frage zu stellen und neu zu denken. Mit über 100 Arbeiten von 50 internationalen Künstlern zeigt die Ausstellung eine abwechslungsreiche Bandbreite, die intime Handarbeiten und großformatige Installationen gleichermaßen umfasst. Die Ausstellung ist in sechs Themenbereiche unterteilt: "Subversive Stitch", "Fabric of Everyday Life", "Borderlands", "Bearing Witness", "Wound and Repair", und "Ancestral Threads".
Zu den vertretenen Künstlern gehören Feliciano Centurión, dessen bestickte Decken seine HIV-Diagnose von 1993 reflektieren, T. Vinoja, deren handgestickte Luftlandschaften Motive von Verlust und Vertreibung untersuchen, inspiriert vom Bürgerkrieg Sri Lankas, Yinka Shonibare CBE RA und seine figurative Skulptur Boy On a Globe, die durch die Verwendung von niederländischen Wachsstoffen Rasse, Klasse und Imperialismus thematisiert, sowie Cecilia Vicuña, deren Installation Quipu Austral die Geschichte der Textilien mit kultureller Unterdrückung und Umweltzerstörung verknüpft.
8. Frank Auerbach: The Charcoal Heads

Frank Auerbach: The Charcoal Heads in der Courtauld Gallery (9. Februar - 27. Mai 2024) zeigt eine Gruppe von 17 großformatigen Kohleporträts, die als frühe Meisterwerke des deutsch-britischen Künstlers Frank Auerbach gelten. Entstanden während seiner prägenden Jahre im Nachkriegs-London der 1950er und 1960er Jahre, zeugen die monumentalen Porträts von Auerbachs innovativer Annäherung an die Zeichnung, indem er die Grenzen des Zeichnens mit Kohle verschiebt. Jedes der Werke, deren Entstehung sich über Monate hinzog und intensive Sitzungen mit ihm nahestehenden Personen mit sich brachte, beleuchtet Auerbachs rigorosen Prozess. Das Ergebnis sind oft Zyklen des Zeichnens, Löschens und vollständigen Überarbeitens der Porträts, manchmal sogar das Durchbrechen des Papiers. Das Ergebnis sind Porträts, die reich an Texturen und Schichten und gleichzeitig dunkel und lebendig sind.
Auerbach, der diese Zeichnungen als gleichwertig mit seinen Gemälden betrachtete, hielt die einzigartigen Erfahrungen seiner Motive fest und gewährte einen Einblick in die Atmosphäre des Nachkriegs-London, als das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde.
9. Soulscapes

Soulscapes in der Dulwich Picture Gallery (14. Februar - 2. Juni 2024) ist eine Ausstellung über Landschaftskunst, die das Genre anhand der Perspektiven von Künstlern aus der afrikanischen Diaspora neu definiert. Die von Lisa Anderson, Geschäftsführerin des Black Cultural Archives und Gründerin von Black British Art, kuratierte Ausstellung zeigt über 30 zeitgenössische Werke aus verschiedenen Medien wie Malerei, Fotografie, Film und Wandteppich.
Die Schau reflektiert Themen wie Zugehörigkeit, Erinnerung, Freude und Transformation und erkundet unsere Verbindung mit der natürlichen Welt aus der Sicht führender Künstler wie Hurvin Anderson, Phoebe Boswell, Njideka Akunyili Crosby, Kimathi Donkor, Isaac Julien, Marcia Michael, Mónica de Miranda und Alberta Whittle sowie wichtiger aufstrebender zeitgenössischer Künstler.
10. Legion: Life in the Roman army

Legion: Life in the Roman Army im British Museum (1. Februar - 23. Juni 2024) befasst sich mit den Alltagserfahrungen einer der beeindruckendsten Streitkräfte der Geschichte. Vom Schutz einer Supermacht bis hin zum häuslichen Alltag in Militärgemeinden im riesigen Römischen Reich bietet Legion Einblicke in die unterschiedlichen Hintergründe und Motivationen römischer Legionäre. Mit über 200 Exponaten, darunter Objekte von 28 Leihgebern aus aller Welt, zeigt die Ausstellung ikonische römische Militärartefakte neben Zeugnissen realer Personen, hinterfragt Wahrnehmungen und unterstreicht die Rolle der Armee als Katalysator für gesellschaftlichen Wandel.
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Zu den bemerkenswerten Highlights zählen der weltweit einzige intakte Legionärsschild und kürzlich entdeckte römische Rüstungsteile sowie die in Herculaneum gefundenen Überreste eines Soldaten, der zum ersten Mal außerhalb Italiens mit seinem Gürtel und seiner Ausrüstung wieder vereint wird.
Für welche Ausstellung Sie sich auch entscheiden mögen, Barnebys wünscht frohes Entdecken!




