Ai Weiwei vs. Volkswagen

Die Werbung eines Volkswagen-Händlers veranlasste Künstler Ai Weiwei zu einer Klage wegen der nicht genehmigten Verwendung eines seiner Kunstwerke.

Ai Weiwei, Soleil Levant (Detail), 2017. Für das Werk wurden 3.500 Rettungswesten an der Fassade der Kunsthal Charlottenborg installiert | Foto: © Ritzau Scanpix / Ida Marie Odgaard
Ai Weiwei, Soleil Levant (Detail), 2017. Für das Werk wurden 3.500 Rettungswesten an der Fassade der Kunsthal Charlottenborg installiert | Foto: © Ritzau Scanpix / Ida Marie Odgaard

Die unerlaubte Verwendung von Kunstwerken zu Werbezwecken führt meist zu nichts Gutem. Diese Erfahrung musste nun auch ein dänischer Volkswagen-Händler machen, der Soleil Levant, eine Installation von Ai Weiwei in Kopenhagen, 2017 in einer Werbung mit einbezogen hatte, ohne sich vorher die nötige Genehmigung vom Künstler zu holen. Die Werbung erschien im Magazin des Vertriebsunternehmens sowie auf deren Website und zog vor allem die Aufmerksamkeit und den Zorn des Künstlers und Aktivisten auf sich, der das Werk zur Unterstützung der Flüchtlinge, die 2015 und 2016 auf der griechischen Insel Lesbos ankamen, geschaffen hat.

Nachdem Ai Weiwei zwei Jahre lang erfolglos versucht hatte zu verhandeln, beschloss er eine Klage gegen den Automobilgiganten Skandinavistik Motor einzureichen, der Volkswagen Dänemark das Werk zur Verfügung gestellt hatte. Ihm zufolge sei die Werbung eine Verletzung seiner Rechte und, noch schwerwiegender, eine Verletzung seines Ansehens, da die Werbung suggeriere, er habe der Verwendung seiner Installation zugestimmt. Der Künstler forderte 3 Millionen DKK (400.000 Euro) als Entschädigung.

Die Werbung mit der unerlaubten Verwendung von "Soleil Levant" | Foto via motormagasinet.dk
Die Werbung mit der unerlaubten Verwendung von "Soleil Levant" | Foto via motormagasinet.dk

Das zuständige Gericht stimmte Ai Weiwei zu, dass die Werbung für den VW Polo im Widerspruch zur Botschaft von Soleil Levant stehe. Die Installation an der Frontseite der Kunsthal Charlottenborg besteht auch Tausenden Rettungswesten von Migranten, die die gefährliche Überfahrt von der Türkei zur Insel Lesbos unternommen hatten. Nachdem Ai Weiwei 2015 seinen Pass zurückbekommen und seine Heimat China verlassen hatte, dokumentierte er das Schicksal dieser Geflüchteten.

Als das Urteil verkündet worden war, sagte ein Sprecher von Scandinavian Motor: "Ich bin sehr überrascht." Dem Unternehmen sei nicht bewusst gewesen, dass es sich bei der Kunsthal Charlottenborg um eine Kunstinstitution handle, noch dass die Fassade Teil eines Kunstwerks sei. Diese Aussage brachte Ai Weiwei zum Lachen und zur Veröffentlichung seines Sieges in den sozialen Medien. Er erhielt 200.000 Euro wegen der Urheberrechtsverletzung und 30.000 Euro für den weiterhin verursachten Schaden zugesprochen.

Ai Weiwei, Soleil Levant, 2017, Blick auf die Installation an der Kunsthal Charlottenborg, 2017 | Foto: © Courtesy of the artist via David Stjernholm
Ai Weiwei, Soleil Levant, 2017, Blick auf die Installation an der Kunsthal Charlottenborg, 2017 | Foto: © Courtesy of the artist via David Stjernholm

"Die Unternehmen handeln heutzutage oft ungestraft und reagieren nur auf ihre Investoren", sagt Ai Weiwei. "Das Verhalten von Volkswagen meiner Arbeit gegenüber ist nur ein winziger Teil des Mangels an Respekt gegenüber den Menschenrechten weltweit."

Der Direktor der Kunsthal Charlottenborg, Micheal Thouber, sagte gegenüber Artnet News, dass "das Urheberrecht eines Künstlers geschützt werden muss, sei es in einer Galerie oder im öffentlichen Raum".

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