Alvar Aalto, Paavo Tynell, Märta Blomstedt und Eliel Saarinen treffen erneut in einem Auktionssaal aufeinander, dieses Mal jedoch in Paris. Anlass dafür ist die gemeinsam von Annmaris und PIASA veranstaltete Auktion „FINNISH DESIGN - PIASA X ANNMARIS, PARIS“. Die beiden Auktionshäuser haben sich zusammengetan, um am 15. September die erste finnischem Design gewidmete Auktion außerhalb Finnlands durchzuführen.
Mehr als 250 fantastische Objekte werden in der 118 Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris zum Aufruf kommen, darunter seltene Stücke, die als finnisches Kulturgut betrachtet werden. Sieben Highlights haben wir für Sie einmal zusammengestellt.

Natürlich umfasst der Katalog auch die von der Natur inspirieren Messingleuchten von Paavo Tynell. Mit mehr als siebzig Losen ist der finnische Designstar in der Auktion vertreten, ein Favorit davon ist diese farbenfrohe Deckenleuchte, die er in den späten 1950er Jahren entworfen hat.
Seine ersten Erfahrungen in der Verarbeitung von Metall sammelte er als Teenager, als er bei einem Schmied in der Lehre war. Durch sein angeborenes Talent hatte er das Material schon bald meisterhaft im Griff. Durch die voranschreitende Elektrifizierung Finnlands in den 1930er Jahren, begann Tynell für seine eigene Firma Taito Oy Leuchter für Privathaushalte und öffentliche Gebäude zu entwerfen. Tynells Leuchter erhellen alle möglichen Ort auf der ganzen Welt, darunter das UN-Gebäude in New York und das Parlamentsgebäude in Helsinki. Vielleicht könnte eine seiner Kreationen bei Ihnen einziehen?

Antti Nurmesniemi war ein finnischer Innendesigner, der alles entwarf: von Möbeln und Küchenutensilien bis hin zu Telefonen und Zügen. Verheiratet war er mit der Textilkünstlerin Vuokko Eskolin, eine der führenden Designerinnen bei Marimekko und Schöpferin des beliebten Piccolo-Musters. 1956 gründete Nurmesniemi seine eigene Design-Agentur, Studio Nurmesniemi. Er entwarf die Interieurs von mehreren Kirchen, Banken, Hotels und anderen öffentlichen Gebäuden, darunter die finnische Botschaft in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Nurmesniemi stattete die Residenz des Botschafters aus und war für die maßgeschneiderte Möblierung der Botschaft verantwortlich. Dazu gehörte auch die Beleuchtung, darunter diese Tischlampe.

Auch Keramik ist Teil des Katalogs. Unter den vielen Künstlern stechen besonders Birger Kaipiainen, Annikki Hovisaari und Liisa Hallamaa hervor, die mit einem guten Dutzend farbenfroher Arbeiten vertreten sind. Darunter Kaipianinen mit diesem unikalen Teller aus den 1970er Jahren. Birger Kaipiainens Œuvre ist durch fantastische und surrealistische Motive gekennzeichnet. Ab den 1960er Jahren begann er, sich verstärkt auf die Oberfläche seiner Werke zu fokussieren, die großer und ornamentaler wurden. So begann er sie mit Keramikperlen zu dekorieren, wie es auch bei dem vorliegenden Teller der Fall ist.

Birger Carlstedt war ein Pionier der abstrakten Kunst und ein vielseitiger Schöpfer, der nicht nur malte, sondern sich auch mit Innendesign beschäftigte. 1926 bis 1928 studierte er an verschiedenen Kunsthochschulen in Helsinki und setzte seine Ausbildung anschließend in Paris fort. Carlstedt gehörte zu jenen Künstlern, die offen für neue Einflüsse waren und danach strebten, mit neuen Formen und Ausdrucksformen zu experimentieren. Schon früh wurde Carlstedt Teil der europäischen Avantgarde und ließ sich sowohl vom Kubismus, als auch vom Surrealismus inspirieren.

1929 betraute seine Mutter ihn mit der Aufgabe, ihr Café Le Chat Doré in Helsinki neu zu dekorieren. Carlstedt orientierte sich dafür an dem berühmten Café Aubette in Straßburg, das in den späten 1920er Jahren von Theo van Doesburg, Jean Arp und Sophie Taeuber-Arp gestaltet worden war. Das Ergebnis war eine supermoderner Ort, der von geometrischen Formen und Funktionalismus geprägt war. Leider kam diese Designsprache beim finnischen Publikum nicht gut an und als Carlstedts Mutter ihr Mietverhältnis 1933 beendete, wurde die gesamte Einrichtung zerstört.
Von Oktober 2019 bis Januar 2020 hatte im Amos Rex Art Museum in Helsinki eine große Retrospektive stattgefunden. Die Ausstellung „Birger Carlstedt: Le Chat Doré“ war eine Rekonstruktion des legendären Cafés und zeigte zudem das Œuvre des Künstlers und Designers. Auch dieses Kabinett von ca. 1930 war dort ausgestellt worden.

Olof Ottilien machte seinen Designabschluss im Jahr 1946. Zwei Jahre später erhielt er eine Anstellung als Möbeldesigner bei der Warenhauskette Stockmann, wo er später zum Leiter der Möbelabteilung und künstlerischem Direktor des Abteilung für Innendesign aufstieg. Ottelin wurde bekannt für seine soliden Holzmöbel und Stühle, die schlicht und dennoch komfortabel waren. Diese Sessel der Auktion wurden in den frühen 1950er Jahren entworfen und tragen den Namen Jumbo.

Pauli Blomstedt war ein finnischer Architekt und verheiratet mit Märta Blomstedt, von der ebenfalls einige Kreationen im Katalog vertreten sind. Pauli Blomstedt spielte bei der Einführung des Funktionalismus in Finnland eine bedeutende Rolle und schuf, neben seiner Arbeit als Architekt, auch einfache und stylische Stahlrohrmöbel.

Im etwa 40 Kilometer südwestlich von Paris gelegenen Bazoches-sur-Guyonnes steht eines von Alvar Aaltos bedeutendsten Privathäusern: Maison Louis Carré. Carré war ein französischer Kunsthändler und seine Frau Olga beauftragte Aalto 1956 mit dem Entwurf eines neuen Wohnhauses. Carré interessierte sich sehr für Architektur und wollte ein Haus haben, in dem er viele Gäste empfangen konnte, gleichzeitig aber einen privaten Bereich hatte. Drei Jahre später konnte das Paar einziehen.
Alvar Aalto brachte dem Projekt und der damit einhergehenden Erfahrung viel Empathie entgegen. Die Materialien, die er für das Maison Louis Carré verwenden wollten, suchte er mit großer Sorgfalt aus. Für die Außenfassade nutzte er Sandstein und finnisches Kiefernholz. Wie bei vielen anderen seiner Schöpfungen kreierte er auch hier ein Werk, das Architektur und Design miteinander verband. Ein Großteil der Möbel und Einbauten wurden extra für das Haus angefertigt. Dieser Tisch war beispielsweise der Prototyp eines Tisches, den Aalto für das legendäre Haus entwarf.
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