Ein bedeutendes Familienarchiv bei der Hermann Historica

Die Kataloge der Märzauktionen des Münchener Spezialauktionshauses Hermann Historica sind gespickt mit feinster Büchsenmacherkunst, höfischen Erinnerungsstücken und historischen Objekten aus einem hochinteressanten Familienarchiv.

Ein bedeutendes Familienarchiv bei der Hermann Historica

Seit mehr als 50 Jahren führt das Auktionshaus Hermann Historica exklusive Spezialauktionen mit historischen und militärhistorischen Objekten durch, die regelmäßig auf internationales Interesse stoßen. 

Auch die 78. Auktion des Hauses, die am 14. und 15. März in München stattfinden wird, fügt sich in diese Reihe ein und präsentiert in drei Katalogen Schusswaffen aus fünf Jahrhunderten, Stücke aus dem Familienarchiv der Freiherrn von Leonrod sowie ausgewählte Sammlungsstücke aus königlichem und kaiserlichem Besitz in insgesamt 832 Losen.

Bedeutender Steinschloss-Doppelwender, Cornelius Clett, Salzburg, um 1660 | Abb.: ©Hermann Historica
Bedeutender Steinschloss-Doppelwender, Cornelius Clett, Salzburg, um 1660 | Abb.: ©Hermann Historica

Am 14. März beginnen die Versteigerungen um 10 Uhr mit Schusswaffen aus fünf Jahrhunderten, bei denen sowohl historische als auch moderne Waffen vertreten sind. Zu den Highlights gehört hier ein Steinschloss-Doppelwender aus dem 17. Jahrhundert des Salzburger Büchsenmachers Cornelius Clett. Als Wender bezeichnet man Pistolen mit zwei untereinander angeordneten Läufen, die nacheinander abgefeuert werden können.

Bedeutende Ganzmetall-Steinschlossflinte, Johann Glett, Passau, um 1680/90 | Abb.: ©Hermann Historica
Bedeutende Ganzmetall-Steinschlossflinte, Johann Glett, Passau, um 1680/90 | Abb.: ©Hermann Historica

Ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt eine Steinschlossflinte, die vollständig aus Metall hergestellt wurde. Die Signatur gibt den Passauer Büchsenmacher Johann Glett als Hersteller an. Ein Jahrhundert älter ist hingegen der Radschlosspuffer des Dresdner Büchsenmachers Zacharias Herold. Nachdem Herold bereits 1588 und 1590 Aufträge für die Dresdner Rüstkammer und das Zeughaus ausgeführt hatte, war er von 1603 bis 1610 Hofbüchsenmacher des kursächsischen Hofes.

Radschlosspuffer für Offiziere der kursächsischen Leibtrabanten, Zacharias Herold, Dresden, datiert 1587 | Abb.: ©Hermann Historica
Radschlosspuffer für Offiziere der kursächsischen Leibtrabanten, Zacharias Herold, Dresden, datiert 1587 | Abb.: ©Hermann Historica

Auch unter den modernen Systemen, die in der Auktion zum Aufruf kommen werden, gibt es so manches Highlight  zu entdecken.

Mauserpistole Nickl Prototyp | Abb.: ©Hermann Historica
Mauserpistole Nickl Prototyp | Abb.: ©Hermann Historica

Besonders zu erwähnen ist hier ein Prototyp der Mauserpistole Nickl aus dem Jahr 1921. Das Modell wurde bei Mauser nicht weiter verfolgt, weshalb es sich um ein singuläres Stück handelt, dessen Nichtbeschuss bescheinigt ist.

Borchardt C 93, Loewe Berlin, mit Brett, um 1895 | Abb.: ©Hermann Historica
Borchardt C 93, Loewe Berlin, mit Brett, um 1895 | Abb.: ©Hermann Historica

Ebenfalls um seltene Sammlerstücke handelt es sich bei zwei Modellen aus dem späten 19. Jahrhundert: Zum einen eine Borchardt C 93 von Loewe Berlin, zum anderen eine Schwarzlose Modell 1898.

Schwarzlose Mod. 1898 | Abb.: ©Hermann Historica
Schwarzlose Mod. 1898 | Abb.: ©Hermann Historica

Fortsetzt wird die Auktion am 15. März um 13 Uhr mit dem Katalog „Die Freiherrn von Leonrod - K.B. Kammerherrn, Obersthofmeister, Widerstandskämpfer“ mit vielen hochinteressanten Stücken aus dem Familienarchiv des fränkisch-schwäbischen Adelsgeschlechts.

Wilhelm Freiherr von Leonrod - Großkreuzsatz mit Schwertern am Ring und in Brillanten des Bulgarischen St. Alexander-Ordens im Verleihungsetui mit Überkarton | Abb.: ©Hermann Historica
Wilhelm Freiherr von Leonrod - Großkreuzsatz mit Schwertern am Ring und in Brillanten des Bulgarischen St. Alexander-Ordens im Verleihungsetui mit Überkarton | Abb.: ©Hermann Historica

Die Leonrods waren vor allem im 19. Jahrhundert eng mit der Geschichte Bayerns und dem Hause Wittelsbach verbunden und bekleideten eine Reihe von Hof- bzw. Staatsämtern: Leopold Freiherr von Leonrod (1829-1905) war von 1887 bis 1902 bayerischer Justizminister, seine Schwägerin Sybilla Freifrau von Leonrod geb. Meilhaus (1814-1881) war die Erzieherin des späteren „Märchenkönigs“ Ludwig II. Eines der letzten Mitglieder der 1951 erloschenen Geschlechts war der Widerstandskämpfer Ludwig Freiherr von Leonrod (1906-1944), dessen Beteiligung am Attentat vom 20. Juli 1944 ihn das Leben kostete.

Wilhelm Freiherr von Leonrod - Großkreuzsatz des Bayerischen Verdienstordens vom Heiligen Michael im Verleihungsetui | Abb.: ©Hermann Historica
Wilhelm Freiherr von Leonrod - Großkreuzsatz des Bayerischen Verdienstordens vom Heiligen Michael im Verleihungsetui | Abb.: ©Hermann Historica

Bei der Hermann Historica werden 179 Objekte aus dem Besitz der Familie versteigert, darunter Orden, Uniformen, Dokumente und persönliche Fotografien.

Prinz Heinrich von Preußen - prachtvolles, in Silber gefertigtes Modell seines Flaggschiffes "SMS Kaiser Friedrich III.", als Chef des I. Geschwaders, 1900-03 | Abb.: ©Hermann Historica
Prinz Heinrich von Preußen - prachtvolles, in Silber gefertigtes Modell seines Flaggschiffes "SMS Kaiser Friedrich III.", als Chef des I. Geschwaders, 1900-03 | Abb.: ©Hermann Historica

Den Abschluss der Märzauktionen bildet um 15:30 Uhr die Versteigerung von ausgewählten Sammlungsstücken aus königlichem und kaiserlichem Besitz. Als äußerst detailreiches Highlight kommt hier das silberne Modell der SMS Kaiser Friedrich III. zum Aufruf, das Prinz Heinrich von Preußen (1862-1929) bei seinem Ausscheiden als Kommandant des I. Geschwaders 1903 von seinen Offizieren und Beamten überreicht bekam.

König Friedrich II. von Preußen - Teller aus dem Geschenkservice der Kgl. Preußischen Asiatischen Compagnie, China, Ch'ien Lung-Zeit, 1754/55 | Abb.: ©Hermann Historica
König Friedrich II. von Preußen - Teller aus dem Geschenkservice der Kgl. Preußischen Asiatischen Compagnie, China, Ch'ien Lung-Zeit, 1754/55 | Abb.: ©Hermann Historica

Ein weiteres Objekt des Kataloges war ebenfalls als Geschenk gedacht gewesen, das Heinrichs Urururgroßonkel König Friedrich II. von Preußen (1712-1786) überreicht werden sollte. Es handelt sich um einen Teller aus dem Geschenkservice, das die 1751 gegründete Königlich Preußische Asiatische Compagnie in Emden nach Canton und China in China bestellt hatte und ihrem Souverän 1755 überreichen wollte. Kurz vor dem Ziel gingen bei stürmischer See die meisten Geschirrteile jedoch zu Bruch, weshalb die wenigen erhaltenen nur selten auf dem Auktionsmarkt anzutreffen sind.

Kaiser Ferdinand III. - silber- und perlmutteingelegte Prunk-Radschlossbüchse, "Meister der Tierkopfranke", Wien, um 1650 | Abb.: ©Hermann Historica
Kaiser Ferdinand III. - silber- und perlmutteingelegte Prunk-Radschlossbüchse, "Meister der Tierkopfranke", Wien, um 1650 | Abb.: ©Hermann Historica

Auch Zeugnisse royaler Begeisterung für Feuerwaffen sind in der Auktion vertreten. Zu den älteren zählt eine Radschlossbüchse des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand III. (1608-1657) aus dem 17. Jahrhundert, zu den jüngeren ein Paar Luxus-Perkussionspistolen, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Corburg und Gotha (1818-1893), Schwager von Queen Victoria, befanden.

Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha - ein Paar Luxus-Perkussionspistolen im Kasten, Ulbrich, Dresden, um 1840/50 | Abb.: ©Hermann Historica
Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha - ein Paar Luxus-Perkussionspistolen im Kasten, Ulbrich, Dresden, um 1840/50 | Abb.: ©Hermann Historica

Die Auktionen finden am 14. und 15. März bei der Hermann Historica in der Linprunstraße 16 in München statt.

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