Ein "Dachboden-Rubens" für 1,3 Millionen Euro versteigert

Lange galt sie als verschollen, doch dann entdeckten Hausbesitzer aus dem französischen Lille die seltene Studie von Peter Paul Rubens auf ihrem Dachboden.

Ein "Dachboden-Rubens" für 1,3 Millionen Euro versteigert

Am 31. März wurde die wiederentdeckte Skizze von des flämischen Barockmeisters Peter Paul Rubens (1577-1640) bei Lille Mercier für 1,3 Millionen Euro verkauft. Auktionator Patrick Deguines: "Diese Studie diente als Vorlage für eines der monumentalen Deckengemälde in der Antwerpener Jesuitenkirche." Die Kirche trägt seit den 1770er Jahren den Namen Sint-Carolus Borromeuskerk.

Peter Paul Rubens, Studie der Heiligen Margarete, Öl/Eichenholzplatte, 1620
Peter Paul Rubens, Studie der Heiligen Margarete, Öl/Eichenholzplatte, 1620

Die 1620 in Öl auf Holz ausgeführte Studie stellt die Heilige Margarete in einem rot-weißen Kleid dar. In einer Hand hält sie ein langes Kreuz, in der anderen eine Feder. Begleitet wird sie von einem Drachen, den sie an der Leine führt, und einem Lamm. Die 33 x 45,7 cm messende Studie diente Rubens als Vorlage für eines der 39 Gemälde, die er für die Jesuitenkirche anfertigen sollte. Die Kirche war eine der größten ihrer Art in Flandern und galt als "die Speerspitze der katholischen Kirchen in ihrem Kampf gegen den Protestantismus", erklärt das Auktionshaus.

Die Ausführung der 39 großformatigen Gemälde erforderte die Mitarbeit von Rubens gesamter Werkstatt, der zu jener Zeit auch Anthony van Dyck angehörte. Die vorbereitenden Ölstudien tragen jedoch ausschließlich die Signatur des Meisters, der sie nicht verkaufte, sondern wie eine Art Archiv seiner Arbeit aufbewahrte. 1718 gingen alle Deckengemälde des Kirchenschiffs bei einem Feuer verloren. Zuvor hatten zwei Künstler Zeichnungen der Gemälde angefertigt, die nun als Vergleichsobjekte für die wiederentdeckte Studie dienten.

Zeichnung Nr. 28 nach Peter Paul Rubens Deckengemälde der Heiligen Margarete in der Antwerpener Jesuitenkirche | Foto: ©The Trustees of the British Museum
Zeichnung Nr. 28 nach Peter Paul Rubens Deckengemälde der Heiligen Margarete in der Antwerpener Jesuitenkirche | Foto: ©The Trustees of the British Museum

Fachleuten waren bislang 33 der 39 Ölskizzen bekannt, von denen sich die meisten in Museumsbesitz befinden. Die anderen sechs verschwanden im Laufe der Jahrhunderte, darunter auch die Skizze mit der Heiligen Margarete. Diese befand sich jahrzehntelang unwissentlich im Besitz einer Familie aus Lille, die sie kürzlich auf ihrem Dachboden wiederentdeckte.

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Seit 20 Jahren wurde kein derartig bedeutendes Werk von Rubens auf dem französischen Auktionsmarkt angeboten. Aufgerufen mit einem vorsichtigen Schätzpreis von 200.000 Euro, regnete es schon bald Gebote, sowohl am Telefon als auch im Auktionssaal von Lille Mercier. Schließlich konnte sich ein anonymer Bieter aus Belgien mit dem Gebot von 1,3 Millionen Euro durchsetzen.

Die Studie der Heiligen Margarete bei Lille Mercier | Foto: ©MAXPPP
Die Studie der Heiligen Margarete bei Lille Mercier | Foto: ©MAXPPP

Erst im Januar 2019 war eine Studie von Peter Paul Rubens versteigert worden, die sich 200 Jahre lang im Besitz des niederländischen Königshauses befand. Der bei Sotheby's in New York erzielte Preis betrug 7,2 Millionen Euro.

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