Am 4. Oktober 1982 wurden Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat bei einem Lunch in New York einander vom Kunsthändler Bruno Bischofberger offiziell vorgestellt, was der Beginn einer dauerhaften Freundschaft und künstlerischen Partnerschaft war. Der damals 54-jährige Warhol war der weltberühmte Patriarch der Pop Art, während sich der 21-jährige Basquiat als das aufstrebende Wunderkind der New Yorker Street-Art-Szene einen Namen machte.
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Nach dem Treffen schlug Bischofberger den beiden ein gemeinsames Kunstprojekt mit dem italienischen Künstler Francesco Clemente vor, bei sie unvollendete Leinwandarbeiten austauschen sollten, um jeweils einen eigenen Teil beizutragen. Später taten sich Basquiat und Warhol für eine Reihe von Werken exklusiv zusammen, die die Handschrift von beiden Künstlern trugen: Warhols Siebdrucke und Basquiats expressionistische Figuren und Texte. Die beiden vereinten ihre einzigartigen künstlerischen Stile in über 100 Gemälden – ein Œuvre, das auch heute noch fasziniert. Im vergangenen Jahr widmete die Fondation Louis Vuitton dieser Kollaboration die Retrospektive "Basquiat x Warhol: Painting Four Hands". Im Mai wird eines der Gemälde, das in der Ausstellung zu sehen war, bei Sotheby's in New York versteigert.
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Untitled von 1984 ist mit ca. 305 x 396 cm eines der größten Gemälde, die die beiden Künstler gemeinsam schufen. Warhol arbeitete als erster daran, indem er Bilder von Sportequipment wie Baseballhandschuhe, Tennisschläger, Turnschuhe und Logos platzierte. Basquiat fügte dann seine charakteristischen skizzenhaften Köpfe, Wörter und bunte Kringel hinzu. Basquiat über die Zusammenarbeit an den Werken: „Andy begann eines und brachte etwas sehr Wiedererkennbares auf oder ein Produktlogo, und dann würde es irgendwie verunstalten.“
Die Zusammenarbeit zwischen Warhol und Basquiat wurde erstmals 1985 bei einer Ausstellung in der Tony Shafrazi Gallery öffentlich bekannt gemacht und erhielt überwiegend negative Kritiken. Die beiden Künstler blieben befreundet, arbeiteten jedoch nicht mehr beruflich zusammen. Warhol starb nur zwei Jahre später im Jahr 1987 und Basquiat 1988.
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„Von allen Warhol-Basquiat-Werken aus diesem kurzen und fruchtbaren Moment sticht Untitled als eines der herausragenden Beispiele hervor, das die Bandbreite ihrer künstlerischen Kräfte voll zur Geltung bringt“, sagt Lucius Elliott, Leiter der Contemporary Marquee Auctions bei Sotheby's in New York. „Das Gemälde ist ein Meisterwerk der Gegenüberstellung und des Widerspruchs: die kühle, mechanische Zurückhaltung von Warhols Bildern, überlagert mit Basquiats anarchischer Energie und freier Technik. Im gesamten Gemälde führen Warhol und Basquiat ein Frage-und-Antwort-Spiel durch, indem sie die Arbeit des anderen durchmischen und improvisieren, um eine radikale, harmonische Symphonie aus Farbe, Bildsprache und Form zu schaffen.“

Das Gemälde ist eine einzigartige Verschmelzung der Visionen zweier der bekanntesten Künstler der Kunstgeschichte und vereint Warhols jahrzehntelange Formung der Pop Art und Basquiats aufkommenden neoexpressionistischen Stil. Untitled ist ein Beweis ihrer Freundschaft und gegenseitigen künstlerischen Bewunderung und schlägt eine Brücke zwischen ihren endgültigen Werken in einer Zeit intensiver Zusammenarbeit, die tragischerweise kurz vor dem Ende ihrer beider Leben stattfand.
„Fast 40 Jahre später gelten die gemeinsamen Werke nun zu Recht als Meilenstein und integraler Bestandteil des Gesamtwerks beider Künstler, da sie ihre gegensätzlichen Stile und Visionen mit völligem Ikonoklasmus vereinen“, sagt Grégoire Billault, Vorsitzender der Abteilung für zeitgenössische Kunst bei Sotheby's . „Die Serie zeigt nicht nur das unverwechselbare Genie zweier einzigartiger Künstler, sondern auch eine völlig neue künstlerische Stimme, die in einem kurzen Moment entstanden ist und nie wieder wiederholt werden kann.“
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Untitled wird im Mai im Rahmen der „Contemporary Evening Auction“ bei Sotheby’s versteigert, der Schätzpreis liegt bei rund 18 Millionen US-Dollar. Der aktuelle Rekord für ein Gemeinschaftswerk von Basquiat und Warhol wurde 2014 aufgestellt, als Zenith bei Phillips für ca. 11,4 Millionen Dollar einen neuen Besitzer fand.
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