Mit Sotheby’s London Sales am 24./25. Juni befindet sich die nächste bedeutende Auktionsreihe der Saison bereits in den Startlöchern. Den Auftakt bildet die Auktion „Masterpieces from the Lewis Collection“, die Werke von Meistern wie Lucian Freud, Amedeo Modigliani, Gustav Klimt, Edgar Degas und Egon Schiele umfasst.
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Doch auch die anschließende „Modern & Contemporary Evening Auction“ kann mit bedeutender Kunst aufwarten. Angeführt wird diese Offerte von Nymphéas, einem herausragenden Beispiel für Claude Monets ikonische Seerosebilder aus dem Jahr 1907. Die Seerosenbilder zeigen Monet auf der Höhe seines Schaffens, in der er die Landschaftsmalerei revolutionierte. Räumlichkeit spielte keine Rolle mehr, die Horizontlinie fiel weg zugunsten enger Bildausschnitte, in denen er sich ganz auf das Spiel von Licht, Schatten und Reflexion auf der Wasseroberfläche konzentrierten konnte. Eigens für diese Bilder hatte Monet im Garten seines Landhauses in Giverny, das er ab 1883 bewohnte (zunächst als Mieter, 1890 kaufte er es) einen Seerosenteich anlegen lassen, der ihn in den letzten dreißig Jahren seines Lebens beschäftigte.
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Diese Freiheit, die ihm in späteren Jahren vergönnt war, hatte Monet vor allem Paul Durand-Ruel zu verdanken, jenem Pariser Kunsthändler, der fest an den Impressionismus glaubte und Monet ab den 1880er Jahren erfolgreich zu vermarkten wusste. Auch das vorliegende Werk erwarb er 1909 für seine Galerie. Von dort gelangte es nacheinander in verschiedene amerikanische Privatsammlungen, unter anderem jene von Anne H. Bass, in der es fast vierzig Jahre verblieb. Nun wird das bedeutende Werk erstmals bei einer Auktion in Europa angeboten – und das mit dem höchsten Schätzpreis, der bislang für ein Gemälde Monets auf dem europäischen Auktionsmarkt vergeben wurde: 30-40 Millionen GBP (ca. 34,6-46,2 Millionen Euro).
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Aus derselben beutenden Sammlung wie Nymphéas wurde ein weiteres Meisterwerk Monets in den Auktionskatalog aufgenommen, das im Gegensatz zu dem Seerosenbild jedoch aus der Anfangszeit der mehr als sechzig Jahre umspannenden Karriere des Künstlers stammt. Camille assise sur la plage à Trouville (1870) zeigt Monets geliebte erste Ehefrau Camille am Strand an der Küste der Normandie. Die Ausführung wirkt intim und spontan und verweist klar auf Monets Weg hin zum Impressionismus. Camille war eine wichtige Muse für ihren Ehemann, doch nur wenige Bilder von ihr haben bislang den Weg in eine Auktion gefunden. Das vorliegende Werk kommt nun mit einem Schätzpreis von 7-10 Millionen GBP (ca. 8,1-11,5 Millionen Euro) zum Aufruf.
Dazu Helena Newman, Sotheby’s Chairman, Europe & Chairman, Impressionist & Modern Art Worldwide: „Direkt nebeneinander betrachtet, vereint diese außergewöhnliche ‚Wiederbegegnung‘ zwei wegweisende Werke von Claude Monet. Das 1870 entstandene Porträt von Camille wirkt fast wie ein Manifest seines bahnbrechenden Plein-Air-Ansatzes und besticht durch Frische, Spontaneität und Unmittelbarkeit der Wahrnehmung. Im Kontrast zu den Seerosen – wohl Monets prägendstem und bekanntestem Werkkomplex –, die fast ein halbes Jahrhundert später entstanden, lässt sich der außergewöhnliche Bogen seiner künstlerischen Entwicklung nachvollziehen. In vielerlei Hinsicht offenbart das Gemälde von Camille die Ursprünge dessen, was folgte; es legt visuell den Grundstein für jene revolutionäre Bildsprache, die Monet später entwickelte und die schließlich den Lauf der modernen Kunst verändern sollte.“
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Camille Monet erlebte den Garten von Giverny nicht mehr, sie starb bereits 1879 an den Komplikationen einer Schwangerschaft. Doch möglicherweise war sie zumindest indirekt an den Seerosenbildern beteiligt. Camilles Tod traf Claude Monet schwer. Er malte das bewegende Gemälde Camille Monet auf dem Totenbett (1879) und gab später an, wie er sich bei seiner Totenwacht dabei ertappte, die Veränderungen von Licht und Farben auf ihrem Gesicht zu beobachten. Genau diese atmosphärischen Veränderungen spielten auch bei der Schaffung der Seerosengemälde eine wichtige Rolle und vielleicht hat Monet in ihnen seiner geliebten Camille ein liebevolles Denkmal gesetzt.
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