Als Sotheby’s Anfang März seine Auktionen der Londoner Marquee Week abhielt, waren es vier Werke von Vertretern der School of London, die als Headliner der „Modern & Contemporary Evening Auction“ zum Aufruf kamen: Francis Bacons Self-Portrait (1972) erzielte mit 16.035.000 GBP das höchste Ergebnis des Abends, während Lucian Freuds Blond Girl on a Bed (1987) und A Young Painter (1957-58) für 7.410.000 GBP bzw. 7.166.000 GBP einen neuen Besitzer fanden. Der Dritte im Bunde war Leon Kossoff, dessen Hauptwerk Children’s Swimming Pool, 11 o’clock Saturday Morning, August (1969) mit den erzielten 5.214.000 GBP einen neuen Auktionsrekord für seinen Schöpfer aufstellte.
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Alle vier Gemälde entstammten der Lewis Collection, einer bemerkenswerten Kunstsammlung, die über Jahrzehnte vom britischen Unternehmer Joe Lewis und dessen Tochter Vivienne zusammengetragen wurde. Diesen Monat setzt Sotheby’s die Versteigerung von Werken der Sammlung fort und widmet ihnen am 24. Juni mit „Masterpieces from the Lewis Collection“ eine eigene Auktion. Zum aktuellen Zeitpunkt wurden bereits 11 Werke enthüllt, die zum Aufruf kommen werden, zuletzt das gleichermaßen hochbedeutende als auch hochformatige Gemälde Sleeping by the Lion Carpet, das Lucian Freud 1995-96 ausführte. Es ist das erste Mal überhaupt, dass das Werk die Auktionsbühne betritt, sein Wert wird auf 25-35 Millionen GBP geschätzt.

Sleeping by the Lion Carpet ist das vierte und letzte Bild, für das Sue Tilley, eine Londoner Sozialarbeiterin, die Freud über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt hatte, Modell saß. Dass Tilley auf allen zwischen 1993 und 1996 entstandenen Porträts in schlafendem Zustand abgebildet ist, kam nicht von ungefähr, waren die Sitzungen in Freuds Atelier doch stets sehr langwierig – die Arbeit an Sleeping by the Lion Carpet vollzog sich über neun Monate. Die Ruhe seines Modells ermöglichte es Freud jedoch, den Körper in allen Einzelheiten zu studieren und wiederzugeben, um ihn als etwas Monumentales erscheinen zu lassen, das zugleich skulptural, als auch zutiefst menschlich ist. Von allen vier Porträts Sue Tilleys gilt das vorliegende als das vollkommenste – nicht zuletzt durch die geschickte Verwendung der Farbe Blau am oberen Bildrand.
Dazu Tom Eddison, Head of Contemporary Art, London: „Dieses gewaltige, neunmonatige Unterfangen ist der ehrgeizigste und vollkommenste Ausdruck von Lucian Freuds Vision – ein Werk, in dem Verletzlichkeit und Monumentalität aufeinanderprallen. Es ist zweifellos sein Magnum Opus. In Sleeping by the Lion Carpet modelliert Freud den menschlichen Leib mit einer skulpturalen Intensität, die ebenso schonungslos wie zutiefst menschlich ist; er konfrontiert uns mit der nackten Wahrheit des menschlichen Körpers – erfüllt von einer außergewöhnlichen Präsenz. Selten bietet sich uns auf dem Kunstmarkt die Gelegenheit, Zeuge eines Gemäldes von solch außergewöhnlicher Kraft und tiefgreifender Bedeutung zu werden.“

Alle vier Werke der Reihe befinden sich in Privatbesitz. Das erste, Evening in the Studio (1993), wurde nie auf dem Auktionsmarkt gehandelt; das zweite, Benefits Supervisor Resting (1994), wurde 2015 bei Christie’s New York für 56,2 Millionen US-Dollar versteigert, was damals einen neuen Rekord für Freud bedeutete. Das dritte Werk, Benefits Supervisor Sleeping (1995), erzielte 2008 ebenfalls bei Christie’s New Work 33,6 Millionen US-Dollar – damals der bislang höchste Preis für das Werk eines lebenden Künstlers.
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Weitere Highlights der Auktion, die Sotheby’s bereits bekannt gegeben hat, sind Gustav Klimts Bildnis Gertrud Loew (Gertha Felsőványi) (1902; Schätzpreis 20-30 Millionen GBP), Edgar Degas’ Petite danseuse de quatorze ans (1879-81/1922; Schätzpreis 18-20 Millionen GBP), Egon Schieles Danaë (1909; Schätzpreis 12-18 Millionen GBP), Amedeo Modiglianis Homme à la pipe (Le Notaire de Nice) (1918; Schätzpreis 12-18 Millionen GBP), Francis Bacons Two Studies for Self-Portrait (1977; Schätzpreis 8-12 Millionen GBP), Gustave Caillebottes Portrait de Paul Hugot (1879; Schätzpreis 3,5-4,5 Millionen GBP), Lucian Freuds Woman in a Grey Sweater (1987-88; Schätzpreis 3-4 Millionen GBP), Chaïm Soutines Portrait de garçon en bleu (ca. 1928; Schätzpreis 1,8-2,5 Millionen GBP) sowie Henri Matisse’ Lydia (Étude pour 'Portrait au manteau bleu’) (1935: Schätzpreis 1,5-2 Millionen GBP).
Noch mehr Kunst aus der Lewis Collection wird am 25. Juni im Rahmen der „Modern Day Auction“ angeboten, darunter Pablo Picassos Portrait de Dora Maar (1936; Schätzpreis 600.000-800.000 GBP).
Insgesamt werden für die Meisterwerke aus der Lewis Collection rund 150 Millionen GBP erwartet. Sollte das Ergebnis dieser Prognose entsprechen, wäre die Sammlung die teuerste Single-Owner-Collection, die jemals in London versteigert wurde. Der dahingehende aktuelle Rekord ist noch relativ jung und wurde erst im vergangenen September aufgestellt, als die Sammlung von Pauline Karpidas für insgesamt 101 Millionen GBP versteigert wurde.
Update vom 8. Juni: Am vergangenen Wochenende enthüllte Sotheby's die übrigen Werke der Lewis Collection, die am 24. Juni zum Aufruf kommen werden: Als weiteres Top-Los ist Amedeo Modiglianis Nu assis au collier (1917-18; Schätzpreis im Bereich von 45 Millionen GBP) zu nennen. Hinzu kommen Pablo Picassos Buste de femme (1938; 12-18 Millionen GBP), René Magrittes La Belle promenade (1965; 3-4 Millionen GBP), Max Beckmanns Stillleben mit Grammophon und Schwertlilien (1924; 3-4 Millionen GBP), Francis Bacons Study for Portrait (1976; 3-4 Millionen GBP) sowie Picassos Tête de femme (1921; 2-3 Millionen GBP) und Angel Fernández de Soto (ca. 1899; 1,5-2 Millionen GBP). Insgesamt wird die Auktion 25 Meisterwerke umfassen.
Auch die „Modern Day Auction“ wurde mit weiteren Arbeiten aus der Lewis Collection aufgestockt, die u.a. von Edgar Degas, Henri de Toulouse-Lautrec, Frank Auerbach und Vincent van Gogh stammen.
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