Renaissancemaler Albrecht Dürer gehörte zu den ersten Künstlern, der den Druck für sich entdeckte und als Ausdrucks- und wirtschaftliches Mittel zu nutzen wusste. Und der diese neue Kunstform meisterhaft beherrschte, sowohl den Holzschnitt, als auch den Kupferstich. Unter den letztgenannten werden drei 1513/14 entstandene Stiche als die Meisterstiche Dürers bezeichnet: Ritter, Tod und Teufel, Der heilige Hieronymus im Gehäus und Melencolia I. Während die Aussage des Ritter- und des Heiligenbildes relativ eindeutig sind, gibt Melencolia I bis heute Rätsel auf.

Darstellt ist ein geflügeltes weibliches Wesen, das seinen mit einem Kranz geschmückten Kopf schwermütig auf die Hand aufstützt. Umgeben ist dieser "Engel" von unterschiedlichen künstlerischen und wissenschaftlichen Geräten sowie einem Jagdhund und einem Putto, die sich von der traurigen Stimmung scheinbar haben anstecken lassen. Eine geläufige Deutung der Szene ist, dass es sich um eine "Allegorie der künstlerischen Melancholie" und vielleicht ein Selbstportrait Dürers, der häufig mit seinem Dasein als Künstler haderte, handeln könnte.

Melencolia I ist Teil der Kategorie "Druckgraphik des 15.-19. Jahrhunderts", die am 27. November ab 10 Uhr die Herbst-Auktion in der Galerie Bassenge eröffnet. Ein weiteres Highlight dieser Offerte ist Le Antichità Romane des italienischen Kupferstechers und Altertumsforschers Giovanni Battista Piranesi. Das Monumentalwerk mit rund 270 Radierungen in vier Bänden von 1756 zeigt detailliert die Ruinen der antiken Grabanlagen in Rom und Umgebung. Ergänzt wird die Auktion durch den Katalog A Passion for Prints - Eine Sammlung klassischer Druckgraphik, dessen Lose um 12 Uhr zum Aufruf kommen.
Am 28. November geht es ab 11 Uhr weiter mit der Versteigerung von Gemälden Alter und Neuerer Meister sowie Rahmen. In diesem Katalog sticht unter anderem das Portrait einer berühmten Frau hervor: Königin Luise von Preußen, um 1800 gemalt von Johann Heinrich Schröder. Wie meistens ist die Monarchin in schlichter Kleidung dargestellt, was in den unruhigen Zeiten, in denen sich Preußen damals befand, als volksnah und bescheiden gepriesen wurde.

Mit Königin Luise und ihrer als harmonisch geltenden Ehe mit Friedrich Wilhelm III., der neun Kinder entsprangen, begann in Preußen ein Zeitalter der Bürgerlichkeit, die den Gegenpol zum bedrohlichen französischen Expansionsdrang unter Napoleon I. bildete. Es folgte das Zeitalter des Biedermeier, das den Rückzug ins Private bevorzugte. Die Familie stand im Mittelpunkt und wurde gerne vorgezeigt. Passend dazu wird das um 1830 von Gustav Adolph Henning gemalte Gruppenbild Die Kinder von Eduard von Nostiz und Jänckendorf angeboten. Wer noch tiefer in diese Epoche eintauchen möchte ist mit dem Katalog Primavera - Aquarelle des Biedermeier von Franz Blaschek, der im Anschluss versteigert wird, gut beraten.

Auch unter den Miniaturen, die um 16:30 Uhr versteigert werden, ist so manche interessante Persönlichkeit zu entdecken. Eine davon ist Fürstin Katharina Pawlowna Bagration, eine Großnichte der Zarin Katharina II., die als Geliebte des österreichischen Staatsmannes Fürst Metternich, russische Spionin im napoleonischen Paris und als strahlender Mittelpunkt des Wiener Kongresses von sich reden machte. Ausgeführt wurde die Miniatur von Ferdinand Georg Waldmüller.

Die Versteigerungen des 29. November beginnen um 11 Uhr mit Zeichnungen des 16.-19. Jahrhunderts. Zu den Highlights zählen hier die Arbeiten von drei französischen Meistern. Von François Boucher kommt die Rötelzeichnung Studie einer nach rechts oben blickenden Sitzenden auf Wolken zum Aufruf, von seinem Zeitgenossen Jean-Baptiste Greuze Stehendes junges Mädchen mit Steinkrug, das als Vorstudie zu dem Gemälde La cruche cassée ("Der zerbrochene Krug") diente.
Eine Reise nach Marokko wurde 1832 zu einem erleuchtenden Erlebnis für Eugène Delacroix. auf dem Weg dorthin bereiste er Spanien und machte im Mai auch in einem Karthäuserkloster in Sevilla halt, wo die vorliegende Zeichnung eines Mönchs entstand.

Die Auktion mit Moderner Kunst verteilt sich auf zwei Sitzungen am 29. November (15 Uhr) und 30. November (14 Uhr). Auch hier reihen sich viele bekannte Namen aneinander. Einer von ihnen ist Hermann Max Pechstein, der mit der seltenen Kreidezeichnung Schreibende vertreten ist. Pechstein führte die Arbeit um 1911 aus, als die Künstlergruppe "Brücke" an ihrem Höhepunkt war.

Während eines Aufenthaltes in Cassis-sur-Mer an der Französischen Riviera 1927 fertigte George Grosz das vorliegende Aquarell Der Ganove und sein Schatten an. An einer anderen Küste holte sich Ernst Ludwig Kirchner die Inspiration für den vorliegenden, sehr seltenen Holzschnitt Segelboote bei Fehmarn. Er entstand 1914 während des letzten Sommeraufenthaltes Kirchners auf der Ostseeinsel.

Ein weiteres interessantes Los der Offerte ist die Porträtskizze eines Afrikaners des Impressionisten Max Slevogt. Das Bildnis entstand vermutlich in München, wo Slevogt von 1890 bis 1897 lebte und wo in jenem Zeitraum ein Afrikaner als Modell verschiedener Künstler in Erscheinung trat.
Ergänzt wird das Herbst-Angebot von Bassenge durch den Online-Katalog Discoveries, dessen Lose am 29. November ab 12:30 Uhr versteigert werden. Am 4. Dezember beschließt das Auktionshaus die Versteigerungen um 15 Uhr mit einer Fotografie-Auktion. Insgesamt umfassen die Kataloge rund 3500 Lose, die Sie hier entdecken können.
Alle Auktion und die Vorbesichtigung Alte Kunst finden in der Erdener Straße 5a in Berlin-Grunewald statt. Die Lose mit Moderner Kunst und Fotografie werden in der Rankestr. 24 ausgestellt.



