Ursprünglich für Ende März geplant, führt das Münchener Auktionshaus Neumeister seine nächste Auktion mit 382 Losen aus dem Bereich "Alte Kunst" nun am 6. Mai durch. Als herausragendstes Objekt kommt ein Gemälde von Carl Spitzweg zum Aufruf, das, sowohl was seine Thematik als auch seine Provenienz betrifft, hochbrisant ist.
Carl Spitzweg, der hauptsächlich für seine humorvollen Biedermeierwerke bekannt ist, hat mit dem vorliegenden Das Auge des Gesetzes (Justitia) 1857 sein wohl politischstes Werk geschaffen, mit dem er das von Unterdrückung geprägte politische Klima, das seit dem Wiener Kongress in Deutschland und Österreich mit der Metternichschen Restauration an der Tagesordnung und seit der gescheiterten Märzrevolution von 1848 noch verschärft war, kritisierte. Über die Herrschaft des jungen österreichischen Kaisers Franz Josef I. sagte man damals hinter vorgehaltener Hand, dass sie "auf einem stehenden Heer von Soldaten, einem sitzenden Heer von Beamten, einem knienden Heer von Priestern und einem schleichenden Heer von Denunzianten" beruhe.

Dieses politische Klima thematisierte der Münchener Maler Carl Spitzweg 1857 in dem vorliegenden Werk. Auf den ersten Blick sieht man eine in helles Sonnenlicht getauchte klassische Statue der Justitia mit ihren typischen Attributen (Waage, Schwert und Augenbinde). Auf den zweiten Blick erkennt man, dass die Waage zerbrochen, die Augenbinde verschoben ist, wodurch der Göttin der Gerechtigkeit ihre Parteilosigkeit genommen wurde. Auf den dritten Blick stellt man als Betrachter fest, dass man selbst betrachtet wird - oder vielmehr argwöhnisch beäugt. Und zwar von einem Soldaten der Bürgerwehr, der im Schatten lauert und so die Bespitzelung durch den Polizeistaat versinnbildlicht.

Das Gemälde war von den Erben Spitzwegs 1906 an den Freiherrn Adalbert von Lanna in Prag verkauft worden. Später befand es sich im Besitz des jüdischen Kaufmanns Leo Bendel in Berlin, der es 1937 zwangsveräußern musste. Nach dem Krieg, Bendel war 1940 im KZ Buchenwald gestorben, wurde das Werk nicht restituiert, sondern ging in den Besitz des Bundespräsidialamtes über, wo es bis 2019 verblieb, bevor es endlich an die Erben Leo Bendels zurückgegeben wurde. Eine ausführliche Besprechung von Spitzwegs Das Auge des Gesetzes (Justitia) finden Sie hier. Neben Das Auge des Gesetzes (Justitia) kommen noch sieben weitere Werke von Carl Spitzweg in der Auktion zum Aufruf.

Ebenfalls zu den Highlights der Offerte gehört das Ölgemälde Arabische Reiter zur Fantasia aufbrechend des dem Orientalismus zugewandten Malers Adolf Schreyer, der für seine Studien Algerien und den Nahen Osten bereiste. In dem vorliegenden Bild hat er den Aufbruch zu einer vor allem in Marokko beliebten Art des Pferderennens dargestellt, deren europäische Bezeichnung "Fantasia" lautet.

Aus dem Frühwerk Julius Exters kommt das Ölgemälde Sommer zum Aufruf, das die Verbundenheit des jungen Künstlers mit dem Symbolismus und dem französischen Japonismus widerspiegelt.

Unter den Skulpturen der Auktion sind besonders eine von Augustin Henckel aus Lindenholz geschnitzte Darstellung der Heiligen Agnes sowie eine um 1430 in Salzburg ausgeführte Thronende Maria mit Kind hervorzuheben.

Beim Kunsthandwerk begeistert ein Wappen-Teller aus jenem Service, das die Meissener Manufaktur zwischen 1735 und 1738 für den sächsisch-polnischen Minister Alexander Joseph von Sulkowski ausführte. Das den Tellerrand umgebene korbähnliche Reliefdekor wurde nach Sulkowski benannt. Jüngeren Datums, nämlich von 1901, ist ein von Bruno Paul entworfener und von den Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk ausgeführter 13-flammiger Leuchter aus gegossenem Messing.

Musikalisch wird es schließlich auch noch mit einem eigenhändigen Notenmanuskript zur Oper Daphne (Uraufführung 1938) von Richard Strauss.
Die Auktion mit Alter Kunst findet am 6. Mai um 14 Uhr im Auktionshaus Neumeister in der Barer Straße 37 in München statt. Die insgesamt acht Arbeiten von Carl Spitzweg werden ab 18 Uhr aufgerufen. Bereits am 5. Mai darf dort ab 16 Uhr auf die 199 Lose einer Schmuck-Auktion mitgeboten werden.

Auch diese Offerte hat so manches Highlight zu bieten, darunter eine gelbgoldene Brosche mit Altschliffbrillant, die der Pariser Juwelier Alphonse Fouquet um 1880/90 in Form einer Chimäre ausgeführt hat. Sehr bezaubernd ist auch ein Collier aus Messing, Kupfer und blauem Glas und Emaille, die dem Glaskünstler René Lalique zugeschrieben wird. Der Anhänger zeigt im Relief eine "Frau inmitten von Blumen".

Aus heutiger Zeit stammen die weißgoldene und mit Brillanten verzierte Damenarmbanduhr Tank Divan von Cartier sowie ein gelbgoldener Soliärring mit champagnerfarbenem Diamant im Ovalschliff von ca. 7,03 ct.
Alle aktuellen Hinweise zur Durchführung der Auktion und die Sonderregelungen aufgrund der Corona-Krise finden Sie auf der Neumeister-Website.



