Franz Carl Spitzweg wurde am 5. Februar 1808 als mittlerer von drei Söhnen des Kaufmanns Simon Spitzweg und dessen Ehefrau Franziska in München geboren. Obwohl sich sein künstlerisches Talent schon früh zeigte, hatte sein strenger Vater andere Pläne für ihn. Während der älteste Sohn Simon das Familienunternehmen übernehmen und der Jüngste, Eduard, Arzt werden sollte, schwebte ihm für Carl die Zukunft als Apotheker vor. Carl fügte sich und absolvierte eine Lehre zum Apotheker, die er 1829 beendete und im Anschluss Pharmazie, Botanik und Chemie an der Universität seiner Heimatstadt studierte. Neben Pflichtgefühl (sein Vater war bereits 1828 verstorben) muss auch ein ersthaftes Interesse eine Rolle gespielt haben, denn er schloss sein Studium 1832 mit Auszeichnung ab.
Doch nur ein Jahr später beschloss Carl Spitzweg, seine Apothekerkarriere abzubrechen und doch Maler zu werden. Erleichtert wurde ihm diese Entscheidung durch den Umstand, dass ihm sein Erbteil ausgezahlt wurde, was ihm ein unabhängiges Leben ermöglichte und er auf erfolgreiche Verkäufe nicht angewiesen war (Spitzweg schuf etwa 1.500 Gemälde und Zeichnungen, von denen er zu Lebzeiten rund 400 verkaufen konnte). Abgesehen von einigen Unterrichtsstunden beim Maler Christian Heinrich Hanson, der zwischen 1833 und 1845 in München lebte und arbeitete, brachte sich Carl Spitzweg das Malen selber bei. Ebenso das Abmischen seiner Farben, wobei ihm sein Studium der Chemie und die Arbeit als Apotheker geholfen hat. Gleich zu Beginn seiner Karriere, 1835, wurde er Mitglied des Münchner Kunstvereins.

Carl Spitzweg gilt heute als der Inbegriff des Biedermeiermalers, also jener Epoche in der Geschichte des deutschen Bürgertums, in der selbiges es bevorzugte, sich ins Private zurückzuziehen. Spitzweg malte vor allem dieses Großbürgertum, dem er selbst entstammte, doch sind seine Gemälde nicht die von schrulligen Charakteren bevölkerten Idyllen, für die man sie auf den ersten Blick hält. Vielmehr nutzte Spitzweg seine hervorragende Beobachtungsgabe, mit der er nicht nur die Eigentümlichkeiten seiner Mitmenschen entlarvte, sondern auch die politischen Umstände seiner Zeit durchschaute – einer Zeit, die von staatlicher Überwachung geprägt war, was schließlich durch den parallel zum Biedermeier verlaufenden Vormärz in den revolutionären Ausbrüchen von 1848 gipfelte. Seine treffenden Karikaturen wurden auch in der ab 1844 erscheinenden humoristischen Wochenzeitung Fliegende Blätter veröffentlicht, die übrigens auch den Begriff "Biedermeier" hervorgebracht hatte.
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Ein wiederholtes Motiv in Spitzwegs Œuvre ist das des Soldaten, der eigentlich nichts zu tun hat, der auf seinem Posten herzhaft gähnt oder sogar strickt – eine Anspielung auf die für nötig erachtete, aber eigentlich überflüssige hohe militärische Präsenz jener Friedenszeit. Oft versteckte Spitzweg seine politische Meinung in seinen Werken. So wirkt sein um 1850 entstandenes Gemälde Zeitungsleser im Hausgärtchen wie ein harmloses Genrestück. Wenn man sich jedoch vor Augen hält, dass die Revolution von 1848 eine Verschärfung der Zensur zur Folge hatte, kann man davon ausgehen, das der Dargestellte heimlich eine verbotene Zeitung in seinem schattigen Garten liest. Konkreter wurde Spitzwegs politische Anklage im Werk Justitia von 1857, in dem das Symbol der Gerechtigkeit eine beschädigte Waage hält, während ein Denunziant den Betrachter aus dem Halbschatten argwöhnisch anblickt.
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Die bekanntesten Werke Carl Spitzwegs sind seine Darstellungen kauziger Charaktere, doch auch sie sind voller Anspielungen. Die ihren privaten Liebhabereien nachgehenden Großbürger wirken oftmals etwas kurzsichtig – bisweilen spiegeln ihre Brillengläser, was sie gänzlich blind (gegenüber der politischen Wirklichkeit?) wirken lässt.

Auch Spitzwegs berühmtestes Werk, Der arme Poet (1839) zeigt einen Mann, der gänzlich entrückt von der Realität zu sein scheint, der sein bedauerliches Schicksal gar nicht wahrzunehmen scheint, zu sehr ist er vertieft in seine Dichtkunst, die keinen interessiert, wodurch er zu einem Dasein in einer kalten Dachkammer verdammt ist.
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Ein weiteres wiederkehrendes Motiv Spitzwegs ist die Liebe. Sie tritt mal offensichtlich wie in Der abgefangene Liebesbrief (um 1855), oder auch ganz subtil auf, symbolisiert durch einen roten Sonnenschirm. Dieser Schirm entlehnte er der realen Figur des Hochzeitsladers, der im deutschen Sprachraum der Organisator einer Hochzeitsfeier im ländlichen Bereich war und mit einem Stab oder eben Schirm (im Schwäbischen) ausgestattet war. Dieser Schirm taucht auch in Gemälden auf, die eigenbrötlerische Liebhabereien darstellen, wie etwa in Der Kaktusliebhaber (siehe oben). Allgemein wird der Schirm bei Spitzweg zu einem Machtsymbol, mit dem das Großbürgertum dem Adel nacheifert, auch wenn er meist zur Groteske wird, wie etwa in Der Sonntagsspaziergang, wo die Damen den Ausflug kaum genießen können, müssen sie sich doch mit Hauben und Schirmen vor Wind und Sonne schützen.

Carl Spitzweg selbst war nie verheiratet. Eine von ihm in Erwägung gezogene Ehe mit der verheirateten Clara Raab, geb. Lechner scheiterte, da Clara starb, bevor sie sich scheiden lassen konnte. Dennoch war Spitzweg weit davon entfernt, amourösen Abenteuern aus dem Weg zu gehen – die meisten seiner Zeitgenossen hingegen schon, oder zumindest taten sie so, um den moralischen Ansprüchen, die allgemein galten, gerecht zu werden. Die Doppelmoral der damaligen Gesellschaft war Spitzweg ein Dorn im Auge, ging sie doch mit einer anderen Art der Überwachung einher: die der Bürger selbst. Kaum ein hoffnungsvoller Liebender kann in Spitzwegs Werken seinem Begehren Ausdruck verleihen, ohne sich dabei den Blicken neugieriger Nachbarn auszusetzen. Der an einem Faden herabgelassene Liebesbrief wird nicht von der Adressatin bemerkt, sondern von deren Anstandsdame, und der Mönch am Wegesrand beäugt lieber die schöne Sennerin anstatt in religiöser Andacht in sich zu gehen.
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Neben seinen Mitmenschen und den politischen Gegebenheiten interessierte sich Carl Spitzweg auch stark für die wissenschaftlichen und industriellen Fortschritte seiner Zeit – Themen, die viele seiner Zeitgenossen überforderten. Eines der außergewöhnlichsten Bilder Spitzwegs ist Gnom, Eisenbahn betrachtend (um 1848), eine Gegenüberstellung des Fortschritts und der vielerorts verbreiteten Träume von der Vergangenheit – es war schließlich die Zeit der Romantik, in der die Brüder Grimm ihre Märchensammlung veröffentlichten und Fürsten ihre Schlösser im neogotischen Stil ausstatten ließen.
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Carl Spitzweg ließ sich nicht nur daheim von seinen Mitmenschen und politischen Umständen sowie der Lektüre wissenschaftlicher Werke inspirieren – es war schließlich auch die Zeit der Entdeckungen von Alexander von Humboldt und Charles Darwin – sondern begab sich auch häufig auf Reisen. Wiederholt nach Italien sowie 1851 zur ersten Weltausstellung nach London und nach Frankreich, wo ihn die Schule von Barbizon inspirierte, einen gelösteren Stil anzustreben. Begleitet wurde er auf dieser Reise vom Landschaftsmaler Eduard Schleich, wodurch er sich auch zunehmend mit dessen bevorzugtem Genre auseinandersetzte. Gerade auf Reisen und Ausflügen dienten Spitzweg häufig die Deckel hölzerner Zigarrenkisten als Bildunterlage.
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Ab 1863 zog sich Carl Spitzweg zunehmend zurück, jedoch nicht von seinem künstlerischen Schaffen, das er bis zu seinem Tod infolge eines Schlaganfalls am 23. September 1885 fortführte. Carl Spitzweg zählt heute zu den populärsten deutschen Malern, dessen humorvolle Werke, die er stets mit seiner markanten Rautensignatur versah, ihren Betrachtern ein Lächeln ins Gesicht zaubern und in vielen bedeutenden Museen ausgestellt werden. Die umfangreichste Spitzweg-Sammlung der Welt beherbergt das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt. Der aktuelle Auktionsrekord für ein Werk von Carl Spitzweg wurde 2020 bei Christie’s in New York erzielt, als das außergewöhnliche Gemälde Der Hexenmeister (ca. 1875-80) für 1,23 Millionen US-Dollar (ca. 1,05 Millionen Euro) einen neuen Besitzer fand. Im selben Jahr konnte das Auktionshaus Neumeister in Spitzwegs Heimatstadt München Justitia (siehe oben) für 698.500 Euro verkaufen.
Carl Spitzweg malte stets mit Hirn, aber vor allem auch mit Herz, sodass er auch dem tollpatschigsten seiner Protagonisten noch Würde angedeihen ließ. Es ist diese Mischung aus Ironie und Empathie, die ihn und sein Werk bis heute beliebt machen.
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