Seit 65 Jahren führt das Auktionshaus Neumeister in München Versteigerungen von Kunst, Schmuck und Kunsthandwerk durch, seit 15 Jahren unter der Leitung von Katrin Stoll, einer der drei Töchter des 2017 verstorbenen Unternehmensgründers Rudolf Neumeister.
Dieses Doppeljubiläum feiert die im Münchener Pinakothekenviertel ansässige Institution diesen Monat mit einer zweitägigen Auktion, die viele diesem besonderen Anlass angemessene Highlights zu bieten hat, von denen wir Ihnen im Folgenden sechs näher vorstellen möchten.
Den Auftakt bildet am 20. September um 14 Uhr die Versteigerung von Kunsthandwerk und Antiquitäten. Hier muss neben einigen frühen Stücken der Porzellanmanufaktur Meissen und einer wunderbaren Kommode im Transitionsstil des Pariser Ebenisten Pierre Roussel auf diese Arbeit des Edelsteinkünstlers Manfred Wild, der auch schon als „Fabergé des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet wurde, hingewiesen werden.

Das ganz in der Tradition Fabergés gearbeitete Schmuck-Ei hat den Widder zum Thema, dessen Haupt sowohl den Nodus aus Sterlingsilber bildet, als auch als Kopf einer Anstecknadel im Inneren des aufklappbaren und mit hellgrünem Transluzidemaille verzierten Eis zu finden ist. Die Schmuckeier von Manfred Wild sind weltweit begehrt und auch Queen Elizabeth II. durfte eine dieser faszinierenden Kreationen ihr Eigen nennen.

Unter den Skulpturen der Offerte darf diese Mondsichelmadonna nicht unerwähnt bleiben, die um 1490 von einem bayerischen Bildschnitzer ausgeführt wurde. Die rückseitig gehöhlte Darstellung der Gottesmutter mit dem Christusknaben aus Lindenholz weist noch deutliche Reste ihrer polychromen Bemalung auf. Die auch hier vorhandene Ausführung der Mondsichel mit einem Gesicht war eine häufige Variante dieses Madonnentypus’ im 15. Jahrhundert.
Den Abschluss des ersten Auktionstages bildet um ca. 17 Uhr eine Schmuckauktion, deren Top-Los ein herrliches Rivièrecollier aus Weißgold mit 88 exquisiten Brillanten von zusammen 37,05 ct ist.
Am 21. September kehren wir um 14 Uhr mit der Versteigerung von Grafik und Gemälden des 15. bis 20. Jahrhunderts zunächst in die Zeit der Spätgotik zurück, in der um 1520 ein vermutlich flämischer Künstler dieses Triptychon mit der Kreuzigung Christi und weiteren Szenen bemalte.

Der Altar ist ein wunderbares Beispiel für jene Epoche, in der die private, nicht mehr ausschließlich von der Kirche gesteuerte Frömmigkeit immer mehr an Bedeutung gewann. So wurden in Altar- und Andachtsbildern nicht mehr ausschließlich die Heiligenfiguren abgebildet, auch die Auftraggeber solcher Kunstwerke, die Stifter, verlangten nach einem Platz, der ihre Nähe zu Gott jedem vor Augen führen sollte.

Ein ganz außergewöhnliches Werk von Lucas Cranach dem Älteren, das einst Teil der königlichen Gemäldesammlung in Dresden war, ist ein weiteres Highlight der Offerte, dessen Entstehungsgeschichte ein wenig rätselhaft ist. So zeigt Der verliebte Alte, ein Thema, dem sich Cranach, wie auch dem verwandten Motiv Das ungleiche Paar, wiederholt widmete, einen älteren Mann, der selig lächelnd einem wesentlich jüngeren Fräulein an die Brust greift, während sie sich an seinem Geldbeutel zu schaffen macht. Die Tat der jungen Frau ist jedoch auf dem vorliegenden Werk nicht zu sehen, vielmehr sind die Körper und die Kleider der Personen vollständig von einem Mosaik aus Perlmuttplättchen ersetzt worden, deren Anordnung zum Teil die Position der Arme aufgreift. Wann und warum dies geschah, ist nicht bekannt.

Noch spannender liest sich die Geschichte der Bergpredigt des flämischen Barockmalers Frans Francken der Jüngere, deren 15-jährige Odyssee mit der jetzigen Versteigerung zu einem Abschluss gebracht wird. 2008 war das Gemälde in der Fernsehsendung Kunst & Krempel vorgestellt worden, wo es einem Kunsthistoriker auffiel, der es als eines jener Kunstwerke identifizierte, die in der Nacht zum 30. April 1945 aus dem „Führerbau“ der NSDAP in München gestohlen wurden und von denen viele noch immer verschwunden sind. Die unwissende Einlieferin übergab das Gemälde an das Bayerische Landeskriminalamt und anschließende Recherchen führten zum einen nach Frankreich, zum anderen nach Wien, wo der Verdacht der Raubkunst bestand. Die ganze Geschichte dieses komplexen Falls können Sie hier nachlesen.
Den Abschluss der Jubiläumsauktion bildet um ca. 17 Uhr die Versteigerung von moderner und zeitgenössischer Kunst, in der auf Werke von Künstlern wie Emil Nolde, Otto Dix, Mario Marini und August Sander mitgeboten werden darf.

Hervorzuheben ist in jedem Fall auch diese auf den ersten Blick unscheinbare Kugelschreiberzeichnung, die jedoch ein Zeugnis von Andy Warhols zweimonatiger Reise durch Europa und Asien im Jahr 1956 darstellt. Zwei Wochen davon hielt Warhol sich in Kyoto auf, deren traditionelle Ästhetik ihn beeindruckte und beeinflusste. Auf dem vorliegenden Blatt hielt er mit wenigen Strichen eine Geisha im gestreiften Kimono fest, die mit hochgesteckten Haaren und einem Fächer in der Hand auf hölzernen Geta über die Straßen der ehemaligen Hauptstadt Japans trippelt.
Die Jubiläumsauktion findet am 20. und 21. September im Auktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 14. bis 18. September möglich.
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