Seit 1878 findet das Konklave, also die Wahl eines neuen Papstes, in der Sixtinischen Kapelle statt, ein Gebäude, das darüber hinaus auch aus kunsthistorischer Sicht hochinteressant ist, beherbergt es doch einige der berühmtesten Fresken der Welt. Wir haben uns die Wände und die Decke der Kapelle einmal genauer angeschaut.
Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte der Vatikan weitreichende bauliche Veränderungen, die dem Amtssitz der Päpste jenes Aussehen verliehen, das heute weltbekannt ist. Das zentrale Projekt war der Neubau der Petrusbasilika, durch den das alte Gebäude aus dem 4. Jahrhundert durch den monumentalen Dom mit der markanten Kuppel ersetzt wurde (die Vollendung zog sich über 120 Jahre hin, von 1506 bis 1626). Nördlich des Petersdoms befinden sich der Apostolische Palast mit den von Raffael dekorierten Stanzen und die Vatikanischen Museen, dazwischen ist die der Himmelfahrt Mariens geweihte Sixtinische Kapelle, eine der Hauskapellen des Palastes, gelegen.
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Auch an der Stelle der heutigen Kapelle befand sich ein Vorgängerbau, die Cappella Magna, die dem ab 1475 durch Baccio Pontelli errichteten Gebäude weichen musste. Auftraggeber war der damalige Papst, Sixtus IV., dem die 40,9 Meter lange, 13,4 Meter breite und 20,7 Meter hohe Sixtinische Kapelle ihren Namen verdankt.

Sixtus IV. ließ einige der besten Maler seiner Zeit nach Rom kommen, die die Wände des Neubaus mit Fresken schmücken sollten: An der Nordwand mit Szenen aus dem Leben Jesu Christi und diesen gegenüber mit Szenen aus dem Leben des Mose. Die Künstler waren Sandro Botticelli (Die Versuchung Christi, Begebenheiten aus dem Leben des Mose, Die Bestrafung von Korach, Datan und Abiram), Pietro Perugino (Taufe Christi, Christus übergibt Petrus den Schlüssel zum Himmelreich, Wanderung des Mose nach Ägypten), Domenico Ghirlandaio (Berufung der ersten Apostel), Cosimo Rosselli (Die Bergpredigt, Das letzte Abendmahl, Übergabe der Gesetzestafeln), Luca Signorelli (Testament und Tod Mose) und Biagio d’Antonio (Durchzug durch das Rote Meer).
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Ursprünglich hatte es acht Fresken pro Zyklus gegeben. Die von Perugino an der Westseite der Kapelle ausgeführten Szenen mit der Geburt Christi und der Auffindung des Mose fielen jedoch einem späteren Projekt zum Opfer (dazu später mehr). An der Ostwand wurden die Fresken Auferstehung Christi und Streit um den Leichnam von Mose von Ghirlandaio bzw. Signorelli 1522 zerstört, sechzig Jahre später jedoch erneuert.

Die Anordnung der einzelnen Szenen legt nahe, dass die Ausrichtung der Sixtinischen Kapelle ursprünglich anders geplant gewesen war, mit dem Eingang im Westen und dem Altar im Osten, wie es üblich war. Letztendlich entschied man sich jedoch dafür, die entgegengesetzte Ausrichtung der Cappella Magna beizubehalten.

Den größten Ehrgeiz hinsichtlich der Neugestaltung des Vatikans legte Papst Julius II. an den Tag, der nicht nur den Auftrag zur Erneuerung der Petrusbasilika erteilte, sondern auch für die berühmten Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle. Als ausführender Künstler wurde Michelangelo Buonarroti gewählt, der viel mehr an seiner bildhauerischen Tätigkeit interessiert war und wenig Lust verspürte, den päpstlichen Befehl auszuführen. Natürlich tat er es dennoch und nach vier Jahren wurde 1512 das imposante Deckengemälde mit Szenen aus der Genesis enthüllt, das sich über 520 m² erstreckt.
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Die zentralen neun Bildfelder zeigen Szenen von der Erschaffung der Welt bis zum Leben Noahs, wobei die Erschaffung Adams nicht nur das bekannteste Werk des Zyklus’ darstellt, sondern eines der bekanntesten Werke der Kunstgeschichte insgesamt.

Die zentralen Bildfelder sind von Darstellungen alttestamentlicher Propheten und weissagender Sibyllen umgeben, während in den vier Eckzwickeln Helden des Alten Testaments zu sehen sind, darunter Judith mit Holofernes sowie David mit Goliath. In den Feldern über den Rundbogenfenstern sind schließlich die Vorfahren Jesu abgebildet.
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Mit der Bemalung der Decke war Michelangelos Arbeit in der Sixtinischen Kapelle aber noch nicht zu Ende. Zwanzig Jahre nach Vollendung dieses Mammutprojekts erhielt der mittlerweile 57-jährige Künstler den Auftrag, ein weiteres Fresko auszuführen, das die gesamte Westwand einnehmen sollte.

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Als Thema war das Jüngste Gericht gewünscht, das drei ältere Arbeiten, die beiden oben erwähnten und ein weiteres Werk Peruginos (Himmelfahrt Mariens), ersetzen sollte. Fünf Jahre, von 1536 bis 1541, war Michelangelo (vermutlich ohne Hilfe durch Schüler oder Assistenten) mit dem Fresko beschäftigt, das bei seiner Enthüllung nicht nur auf Wohlgefallen stieß, da so manchem die Darstellung von derartig viel Nacktheit nicht gefiel. In der Folge wurden die delikaten Stellen des Freskos zensiert, sprich übermalt – ein Vorgehen, das bei Restaurierungen im 20. Jh. nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Was jedoch wieder zum Vorschein kam, waren die im Laufe der Jahrhunderte von den Spuren der Zeit verdeckten leuchtenden Farben Michelangelos, wodurch das Meisterwerk – von den Übermalungen einmal abgesehen – heute wieder in seiner ursprünglichen Pracht bestaunt werden kann.
Aufgrund des Konklaves, das am 7. Mai beginnen wird, ist die Sixtinische Kapelle vorübergehend für Besucher geschlossen.




