Die Versteigerungen Alter Meister bei Sotheby's erzielten das bescheidene Ergebnis von 74,5 Millionen US-Dollar, nachdem vorab mit 77,5 - 111,9 Millionen US-Dollar gerechnet worden war. 124 Lose in vier Sitzungen kamen dabei am 26. und 27. Januar unter den Hammer.

Der Auktionsmarathon begann mit der Versteigerung der barocken Altmeister-Sammlung des sich scheiden lassenden Sammlerehepaares Mark Fisch und Rachel Davidson. Top-Los der White-Glove-Auktion war das 1609 von Pater Paul Rubens ausgeführte Gemälde Das Haupt des heiligen Johannes des Täufers wird Salome überreicht, das 23,3 Millionen US-Dollar (26,9 Millionen US-Dollar inklusive Gebühren) erzielte und damit beinahe seine untere Schätzung von 25 Millionen US-Dollar erreichte und von einer unwiderruflichen Gebotsabgabe abgesichert wurde. Ein weiteres Highlight war Orazio Gentileschis Die reumütige Maria Magdalena, das, gedeckt von einer Garantie, für seinen unteren Schätzpreis in Höhe von 4 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte.
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Sämtliche Werke der Fisch-Davidson-Sammlung wurden verkauft, im Gegensatz zu der zweiten Auktion des Tages, in der einige niederländische Gemälde der Ende 2021 verstorbenen Sammlerin Theiline Scheumann aus Seattle unter den Hammer kamen, die eher gemischte Ergebnisse erzielten.

Auf die holländischen Meisterwerke folgte der erste Teil der Masters Paintings-Auktion, deren Gesamtschätzung 23-33,9 Millionen US-Dollar betragen hatte. Auch hier waren die Ergebnisse von unterschiedlicher Natur: Rekordhöhen wurden Seite an Seite mit höchstens durchschnittlichen Ergebnissen erzielt, die oftmals kaum den unteren Schätzpreis erreichten.
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Angeführt wurde die Auktion von italienischen Meistern, vor allem von Bronzino und dessen Porträt eines jungen Mannes mit Schreibfeder und einem Blatt Papier, möglicherweise ein Selbstporträt des Künstlers von ca. 1527, das jeden überraschte, indem es seinen oberen Schätzpreis von 5 Millionen US-Dollar mit dem Ergebnis in Höhe von 9 Millionen US-Dollar (10,7 Millionen US-Dollar inklusive Gebühren) beinahe verdoppelte und damit außerdem für einen neuen Künstlerrekord sorgte.

Das Bronzino-Porträt befand sich jahrzehntelang in einem Büro einer deutschen Regierungsbehörde, bevor es vor zwei Jahren an die Tochter der ehemaligen Besitzerin, Ilse Hesselberger, restituiert wurde. Hesselberger hatte das Gemälde 1927 erworben, bevor es, zusammen mit weiteren Werken, von den Nationalsozialisten konfisziert wurde. Ilse Hesselberger starb 1941 im Alter von 51 Jahren in einem Konzentrationslager. Der Erlös aus dem Verkauf bei Sotheby's soll gemeinnützigen und medizinischen Organisationen in New York zugute kommen.
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Nachdem das Gemälde ursprünglich für ein Werk von Bronzinos weniger bekannten Zeitgenossen Jacopino del Conte gehalten wurde, haben die Neuzuschreibung an den Meister höchstselbst sowie die Theorie eines Forschers, dass es sich um ein Selbstporträt Bronzinos handeln könnte, gewiss zu dem neuen Rekordpreis beigetragen.

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Für eine weitere Überraschung sorgte Anthonis van Dycks Studie für den Heiligen Hieronymus (1615-18). Das Gemälde wurde vor mehr als zwanzig Jahren in einer Scheune in Kinderhook, New York, entdeckt, wo es ein Dasein bedeckt mit den Hinterlassenschaften diverser Vögel fristete. Ein lokaler Sammler kaufte es für 600 US-Dollar. 2019 wurde es authentifiziert und Ende Januar schließlich bei Sotheby's für 3,08 Millionen US-Dollar verkauft, was 5125-mal mehr ist, als der Sammler ursprünglich bezahlt hatte.
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Die gemischten Ergebnisse lassen darauf schließen, dass der Markt für Alte Meister auf harte Zeiten zusteuert. Wie die New York Times berichtete, machen diese Werke nur noch 4% der Auktionen und Privatverkäufe bei Sotheby's und Christie's aus.
Wenn das Interesse an Gemälden Alter Meister aktuell auch rückläufig ist, wird der aktuelle Auktionsrekord für ein Kunstwerk dennoch von einem altmeisterlichen Gemälde gehalten – und das wird sich so schnell wo auch kaum ändern, denn schließlich erzielte Leonardo da Vincis Salvator Mundi 2017 bei Christie's unglaubliche 450,3 Millionen US-Dollar. Und auch, wenn die Auktionshäuser offenbar verstärkt auf eine neue Klientel setzen, die sich mehr für Zeitgenössisches interessiert, haben die Old Masters Weeks in New York und London doch stets den einen oder anderen Rekord für die großen Meister der Kunstgeschichte zu bieten.
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