Was die Firma Rolex und das Auktionshaus Cortrie neben der Leidenschaft für luxuriöse Uhren gemeinsam haben? Beide Unternehmen können das Jahr 1905 als Geburtsstunde angeben. Während man sich in Hamburg zunächst auf Sammlerbriefmarken spezialisierte, tat sich der in Kulmbach geborene Hans Wilsdorf in London mit seinem Schwager zusammen und gründete eine Firma, die Schweizer Uhrwerke importierte und in selbstgebaute Gehäuse einsetzte, und Wilsdorf & Davis hieß – der Name Rolex entstand später.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Auktionshaus Cortrie neugegründet, 2010 folgte die Spezialisierung auf erlesenen Schmuck und hochwertige Sammleruhren. Seitdem hat so manche Rolex-Rarität ihren Weg auf die Auktionsbühne des Hauses gefunden und in der kommenden Auktion am 25. Februar ist es nicht anders.

Insgesamt verbergen sich hinter 17 Losnummern Schöpfungen aus dem Hause Rolex, das seit 1915 in der Schweiz ansässig ist. Als absolutes Highlight ist hier ein Cosmograph Daytona der Referenz 6240 zu nennen, dessen deutsche Papiere aus dem Jahr 1970 stammen. Diese zweite Referenz der als Rennsportuhr konzipierten Armbanduhr wurde von 1965 bis 1969 hergestellt und verfügte als erste des Modells über ein wasserdichtes Oystergehäuse, das sich Rolex 1926 hatte patentieren lassen. Der Cosmograph Daytona, der bis heute (in der dritten Serie) hergestellt wird, zählt zu den begehrtesten Uhren von Rolex, was nicht zuletzt mit Paul Newmans persönlichem Exemplar der ersten Referenz 6239 zusammenhängt, das 2017 für 17,8 Millionen US-Dollar versteigert wurde, was sie zur bis dato teuersten Armbanduhr der Auktionsgeschichte machte.
Neben den Armbanduhren begehrter Marken muss in der insgesamt 333 Lose starken Offerte auf so manchen historischen Schatz hingewiesen werden.

Ein solcher Schatz führt uns in die Frühzeit der tragbaren Uhr zurück: Eine Renaissance-Halsuhr, die um 1580 im süddeutschen Raum hergestellt wurde. Hinweis auf die Herkunft liefert der im Uhrwerk eingebaute Ausgleichsmechanismus, „Stackfreed“ genannt, der zwischen 1510 und 1650 vor allem in den Werkstätten jener Region eingesetzt wurde. Das durchbrochen gearbeitete Gehäuse aus feuervergoldetem Messing zeigt als Hauptmotiv Jason mit dem Goldenen Vlies, sowie Windhunde, Delfine, Affen und Engel.

Ebenfalls von musealer Qualität ist diese klappbare Lorgnette mit Uhr, die um 1848 von Czapek & Cie. Geneve hergestellt wurde. François Czapek war 1839 der Geschäftspartner von Antoni Patek bei der Gründung von Patek, Czapek & Cie. 1845 ging man getrennte Wege, Patek gründete mit Adrien Philippe die Firma Patek Philippe & Co., Czapek tat sich für Czapek & Cie. mit Juliusz Gruzewski zusammen und wurde zudem Hoflieferant Napoleons III.

Aus etwa derselben Zeit stammen zwei bedeutende Marinechronometer der Auktion, die unbedingt erwähnt werden müssen. Bei Marinechronometern handelt es sich um Uhren, die auf Schiffen mitgeführt wurden, um den Längengrad der aktuellen Position zu bestimmen. Voraussetzung dafür war eine hohe Ganggenauigkeit, die jedoch erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend gewährleistet war.

Bis um 1840 war zumindest jedes englische Marineschiff mit einer solchen Uhr ausgestattet, die beiden vorliegenden Marinechronometer stammen aus dieser für die Seefahrt so wichtigen Epoche: Zum einen eine Grosse Montre Marine No. 3658, die zwischen 1820 und 1830 von Breguet hergestellt wurde, zum anderen ein sogenanntes Box-Chronometer des englischen Uhrmachers John Roger Arnold von 1824, bei dem es sich um eines von nur acht bekannten Arnold-Federchronometer mit goldener Spirale und Experimental-Unruh handelt.

Mit unserem letzten Highlight kehren wir ins 20. Jahrhundert zurück und freuen uns über das Los, dessen Anwesenheit in der Offerte eigentlich ein kleines Wunder ist, denn eigentlich war das Observatoriums-Chronometer mit Tourbillon von Vacheron & Constantin nie für den Verkauf bestimmt. Das Chronometer war um 1940 lediglich zu Testzwecken am Observatorium in Genf angefertigt worden. Das darin verbaute Tourbillon mit der Nr. 428884 nahm 16-mal am Wettbewerb teil und gewann diesen zweimal.
Die Auktion mit diesen und weiteren Uhren-Raritäten findet am 25. Februar im Auktionshaus Cortrie, Süderstraße 282, in Hamburg statt. Vorbesichtigungen sind dort nach vorheriger Terminabsprache noch bis zum 24. Februar möglich.



