Vom 26.-29. November findet mit der Contemporary Week die letzte Auktionswoche 2019 im Dorotheum statt. Neben Schmuck und Uhren ist der Fokus vor allem auf Zeitgenössische und Moderne Kunst gerichtet, wobei letztere am 26. November ab 17 Uhr den Auktionseigen eröffnen wird. Ergänzt werden die 150 Kunstwerke dieser Offerte durch ein hochinteressantes handschriftliches Dokument, das Egon Schiele im Jahr 1911 niederschrieb: sein künstlerisches Manifest, das drei Jahre später in leicht abgeänderter Form werden sollte.

Das vierseitige Manuskript zeugt vom künstlerischen Selbstverständnis Schieles und dessen Auffassung des Kunstbegriffs. Eine einmalige Gelegenheit für jeden Sammler des herausragenden Expressionisten. Auch ist es eine Gouache Egon Schieles, die das Angebot der Auktionswoche anführt: Frau mit erhobenen Armen aus dem Jahr 1914, das privat, wirtschaftlich und künstlerisch einen Wendepunkt im Leben des Künstlers darstellte.

Das ebenfalls angebotene Aquarell Seitlich liegendes Mädchen, mit hochgestreiftem Rock von 1912 stammt noch aus der wilderen Phase in Schieles Karriere, in der es der Künstler hauptsächlich mit Ablehnung zu tun hatte.

Um eine ungewöhnliche Komposition handelt es sich bei Oskar Kokoschkas Stillleben mit Zentaur - Il ratto della bella Elena von 1949. Im Vordergrund unterstreicht ein Obstteller den erotischen Charakter des Gemäldes mit seinen Darstellungen aus der griechischen Mythologie. Rechts ist der Raub der schönen Helena durch einen Zentaur zu sehen, wobei das Wesen aus Mensch und Pferd ein Symbol für Troja sein könnte. Links sind Leda und Zeus in Gestalt eines Schwans, die Eltern Helenas, in inniger Umarmung dargestellt.

Durch Alfons Waldes gekonntes Spiel aus Schatten und Licht, das er auch bei dem vorliegenden Werk Tiroler Dorfstrasse im Winter anwandte, meint man die alpine Höhensonne selbst auf der Haut zu spüren. Walde malte das Bild 1934 im Dorf Aurach bei Kitzbühel. Weitere Arbeiten der Offerte stammen u.a. von Gustav Klimt, Giacomo Balla und Alberto Giacometti.

Die Schmuckofferte entführt uns am 27. November um 14 Uhr an den österreichischen Kaiserhof. Gleich zwei Schmuckstücke von Erzherzogin Marie Valerie, der jüngsten Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, werden von deren Nachfahren angeboten.

Das Diadem und die Corsage-Brosche, beide besetzt mit Diamanten und Orientperlen, wurden um 1890 vom Hofjuwelier A. E. Köchert ausgeführt. In jenem Jahr heiratete Marie Valerie ihren Cousin 3. Grades Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana.

Sehr international geht es bei der Versteigerung von Zeitgenössischer Kunst zu, die in zwei Auktionen aufgerufen wird: 27. November, 18 Uhr und 28. November, 16 Uhr). Mit dem höchsten Schätzpreis wird Piero Manzonis Achrome aus zusammengenähten Leinwandquadraten angeboten. Bei seinen "akromatischen" Kunstwerken verzichtet Manzoni bewusst auf jede Manipulation, sodass die unverfälschte Oberfläche für sich wirken kann.

Dei Wahrnehmung durch den Betrachter im Raum steht auch im Fokus des Œuvres von Lucio Fontana, der in seinen Concetti Spaziali jedoch einen anderen Ansatz verfolgte. 1964 schuf er seine kulissenhafte Serie Teatrini, die Fontana selbst als den Höhepunkt seiner Concetti Spaziali ansah.

„Schafft etwas, was vor Euch noch niemand geschaffen hat – hütet Euch davor andere nachzuahmen“ hieß der Leitsatz der 1954 in Osaka gegründeten Künstlervereinigung Gutai, deren Mitglieder dies durch intensive Studien, Selbstreflexion und Spiritualität umsetzten. Einer der bedeutendsten unter ihnen war Kazuo Shiraga, der es bevorzugte, seine Gemälde nicht mit den Händen, sondern mit den Füßen zu malen.

Mit Brushstroke I aus dem Jahr 1986 liegt eine Plastik Roy Lichtensteins vor, die der Künstler wie auch seine zweidimensionalen Arbeiten in dem für ihn typischen Comic-Stil geschaffen hat. Von dem mit Acrylfarbe und Lack auf Kirschholz ausgeführte Wandrelief wurden lediglich 10 Exemplare angefertigt.

Die Liebe zum Material Marmor entdeckte der uruguayische Bildhauer Pablo Atchugarry 1979, mit der Arbeit an dem vorliegenden Via Crucis, das die Hauptstationen des Kreuzweges darstellt, begann er in den 1980er Jahren. Wie immer bei seiner Arbeit mit Marmor ließ sich Atchugarry auch hier von den im Material verborgenen Formen anleiten, um sie harmonisch herausarbeiten und so dem Spiel von Licht und Schatten übergeben zu können.

Den Abschluss der Auktionswoche bildet am 29. November um 16 Uhr die Versteigerung von Armband- und Taschenuhren. Alle Auktionen finden im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Die Ausstellung zur Auktionswoche ist dort ab dem 14. (Juwelen), 15. (Uhren) bzw. 16. November (Kunst) zugänglich.
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