Mit seinen beeindruckenden Proportionen von 3,4 x 6,1 m und seinem veritablen Bacchanal aus Bewegung und Farben, wird Le Jeunesse de Bacchus ("Die Jugend des Bacchus") als das bedeutendste Werk des Malers William-Adolphe Bouguereau angesehen. Wie Sotheby's ankündigte wird das Gemälde im Zuge des Impressionist and Modern Art Evening Sale am 14. Mai in New York mit einem Schätzpreis von 25-35 Millionen USD (ca. 22-31 Millionen Euro) zum Aufruf kommen.

Das klassisch-realistische Werk zeigt ein Fest des Bacchus, des römischen Gottes des Weins und der Ausschweifung, mit tanzenden Mänaden, auf Instrumenten spielenden Putti und Zentauren und Satyrn, die zwischen den Bäumen umherstreifen. Ein übersättigter Bacchus, gekrönt mit einem Efeukranz, kommt auf einem Esel zum Fest geritten, unterstützt von zwei seiner Anhänger.

Die aufwendig gestaltet Szene beinhaltet so manches Kennzeichen von Bouguereaus Arbeiten. Der herausragende Künstler, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert in jedem Pariser Salon vertreten war, stellte bevorzugt mythologische Szenen dar, in denen er die menschlichen Proportionen idealisierte und seine Können als Meister des Lichts und der Farben immer wieder unter Beweis stellte.
Die Arbeit an Le Jeunesse de Bacchus dauerte drei Jahre, 1884 enthüllte Bouguereau es schließlich beim Pariser Salon. Seitdem ist es nur wenige Male öffentlich ausgestellt worden: 1885 in London und Antwerpen, 1984/85 im Wadsworth Atheneum in Connecticut. Das Gemälde blieb im Besitz des Künstlers und ging anschließend an seine Erben. Diesen Frühling wird es nun erstmals zum Verkauf angeboten.

Benjamin Doller, Vorstandsmitglied von Sotheby's Americas, sagt: "Wenn man die wahrhaftige Majestät der Maße und die technische Brillanz dieses Meisterwerks einmal genauer betrachtet, stellt man fest, dass es sich um eines der großartigsten Bilder handelt, die im 19. Jahrhundert gemalt wurden. Dass es nun auf dem Markt angeboten wird, ist etwas, wovon ich 1985 [als es in Connecticut ausgestellt wurde] nur geträumt hätte, und stellt die einmalige Gelegenheit dar, dieses Werk zu erwerben, das eines der letzten und großartigsten seiner Art darstellt."
Pascale Pavageau, Leiter von Sotheby's Abteilung für Gemälde und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts in Paris, greift Dollers Aussage auf und sagt: "Die Enthüllung dieser Ikone bietet eine dynamische Gelegenheit, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Komposition zu betrachten - inspiriert vom klassischen Mythos und fast schon selbst mythisch. Eine Glanzleistung der Linien und Farben in größtmöglichen Maßstab, jedes Element drängt zur höchsten Wertschätzung und genauerer Untersuchung."

William-Adolphe Bouguereau war einer der gefeierten Maler seiner Zeit, ein etablierter Aussteller des Pariser Salons. Geboren 1825 in La Rochelle, bewies er bereits in jungen Jahren sein großes künstlerisches Talent. 1846 ging er nach Paris, um an der École des Beaux Arts zu studieren. Dort erlernte er die Kunst des akademischen Malern, mit dem Fokus auf historischen und mythologischen Szenen, bei denen schöne menschliche Formen (in Anlehnung an die klassische Skulptur), geometrische Perspektiven und die Balance von Farbe und Linie im Mittelpunkt standen.
Bouguereaus außerordentliches Talent blieb nicht lange unbemerkt. 1850 wurde er mit dem Prix des Rome ausgezeichnet, der ein dreijähriges Studium an der Villa Medici in Rom beinhaltete, wo Bougereau die ihn umgebenen Meisterwerke der Renaissance, des klassischen Stils und der Antike erforschen konnte.

Einmal sagte er: "Es existiert nur eine Art des Malens. Es ist das Malerei, die das Auge in vollendetet Perfektion trifft, die Art von schönem und makellosem Schmelz, den man nut bei Veronese und Tizian antrifft." Natürlich waren dieses beiden Maler seine größten Inspirationsquellen.
Nach dem Ende seiner Stipendiatszeit in Rom, kehrte Bouguereau nach Paris zurück, wo seine Karriere Fahrt aufnahm. Er erhielt mehrere Aufträge, darunter für eine allegorische Szene mit den Vier Jahreszeiten und für große Gemälde mi Schlachten Napoleons III., dem damaligen französischen Kaiser. Dieser kaufte 1863 das Gemälde Die Heilige Familie, das beim Pariser Salon ausgestellt worden war, und ließ es in den Privaträumen seiner Pariser Residenz aufhängen. Die kaiserliche Gunst rückte ihn noch weiter ins Rampenlicht und er wurde als führender Künstler angesehen, der nicht nur Aufträge von europäischen Herrscherhäusern erhielt, sondern auch von reichen Amerikanern.

Bekannt war er vor allem für seine präzise, wenn auch idealisierte Wiedergabe des menschlichen Körpers, ganz im Sinne seiner akademischen Studien. Am beliebtesten waren jene Werke Bouguereaus, die die weiblichen Mitglieder der klassischen Mythologie darstellten, wie Aurora, Psyche oder Venus, die er oftmals in detaillierten Szenen und mit bewegten Körpern, einer sanften Farbpalette und ätherischen Hintergründen wiedergab. Grundlage seiner Gemälde waren detaillierte Skizzen, eine weitere Arbeitsweise, die ihm an der École des Beaux Arts gelehrt worden war.

Auch wenn Bouguereau zu Lebzeiten sehr populär war, wurde er von den Impressionisten abgelehnt, die seine Werke als zu glatt und poliert und zu sehr an Traditionen gebunden ansahen. Nach seinem Tod im Jahr 1905 gerieten Bouguereaus Arbeiten immer stärker ins Abseits und wurden, wie auch die anderen akademischen Gemälde, von der Modernen Malerei verdrängt. Bouguereau hinterließ mehr 820 Gemälde, die heute in Museen auf der ganzen Welt zu finden sind, die bekanntesten unter ihnen im Musée d'Orsay.

Bouguereaus Beherrschung anmutiger Motive, präziser Formen und kalisicher Themen erlebt in den letzten Jahren eine Renaissance und seine Arbeiten werden bei Auktionen zu Millionenpreisen verkauft. Gekrönt wird diese Entwicklung nun von seinem Meisterwerk Le Jeunesse de Bacchus, das eine weitere Untersuchung dieses Meisters der Pariser Salons geradezu einfordert.



