Eine Ode an den Tanz an der Côte d’Azur

Möchte man eine Skulptur eines Tänzers oder einer Tänzerin anfertigen, reicht es nicht aus, einen bestimmten Moment einzufangen. Ebenso muss die vorangegangene Bewegung und die Kraft, die dahinter steckt, spürbar werden.

Eine Ode an den Tanz an der Côte d’Azur

Im Verlauf der Kunstgeschichte ist es so manchem Künstler gelungen, die Schönheit des Tanzes mit Hilfe einer plastischen Sprache auszudrücken, die der des Körpers nahe kommt, und somit einen bestimmten Moment der Bewegung für die Ewigkeit einfrieren zu können. Unter dem Malern wären da Nicolas Poussin (La ronde des saisons), Antoine Watteau (Danse paysanne) und Paul Gauguin (La Danse du feu) zu nennen. Aber auch so mancher Bildhauer war in der Lage, in seinen Arbeiten mehr auszudrücken als die primitive Mechanik der tänzerischen Bewegung.

Zu den Bildhauern, denen dies gelungen ist, zählen Dimitri Chiparus, Claire Colinet und Edgar Degas, die sich ab dem späten 19. Jahrhundert diesem Thema in ihrem dreidimensionalen Kunstschaffen zuwandten. Einige ihrer Arbeiten werden demnächst im Hôtel des Vente de Monte-Carlo versteigert.

Dimitri Chiparus, Sémiramis, Chryselephantine | Foto: © HVMC
Dimitri Chiparus, Sémiramis, Chryselephantine | Foto: © HVMC

Dimitri Chiparus war ein rumänischer Künstler, der sein Talent der Darstellung von Tänzerinnen gewidmet hat. Mit den Ballets Russes und dem französischen Theater als Inspirationsquellen gehören seine Skulpturen zu den bekanntesten und stilprägendsten Kunstwerken des Art déco. Seine Tänzerinnen trugen zu den Mode- und Filmtrends der damaligen Zeit bei.

Den größten Teil seines Lebens verbrachte Chiparus in Frankreich. In den frühen 1910er Jahren studierte er an der École des Beaux-Arts in Paris. Mit dem Aufkommen des Art déco-Stils gewann seine Künstlerkarriere an Fahrt, nachdem er sich als Meister des Chryselephantins (eine Technik, die Bronze und Elfenbein kombiniert) entpuppte. Einen Teil seiner Inspiration fand er in der Kunst des Alten Ägypten. Mit Spannung verfolgte er auch die Ausgrabung des Grabes von Pharao Tutanchamun in den 1920er Jahren.

Dimitri Chiparus, Sémiramis (Details) | Foto: © HVMC
Dimitri Chiparus, Sémiramis (Details) | Foto: © HVMC

Mit seiner Skulptur Sémiramis hat Dimitri Chiparus die legendäre Königin von Babylon als anmutige Tänzerin dargestellt. Semiramis war nach ihrer Geburt von ihrer Mutter göttlichen Derketo in Stich gelassen worden. Aufgezogen wurde sie stattdessen von Tauben. Mit der Zeit entwickelte Semiramis ein kriegerisches Wesen, die der Legende nach die Gründerin der neuen Stadt Babylon mit ihren beindruckenden Mauern und den berühmten Hängenden Gärten. Chiparus fertigte seine Skulptur aus Chryselephantin mit goldener Patina, die auf einem Sockel aus Marmor und Onyx steht.

Dimitri Chiparus, Sémiramis (Detail) | Foto: © HVMC
Dimitri Chiparus, Sémiramis (Detail) | Foto: © HVMC

Im Auktionskatalog sind zwei weitere Arbeiten von Dimitri Chiparus aufgeführt: La Prêtresse ("Die Priesterin") und L’innocence ("Die Unschuld"). 

La Danseuse d'Ankara ist eine bemerkenswerte Skulptur von Claire Colinet, deren Gestaltung den Arbeiten von Chiparus entspricht. Claire Colinet war eine französische Künstlerin, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Paris tätig war. Bekannt für ihre Darstellungen exotischer Tänzerinnen, widerspiegeln ihre Arbeiten den Aufstieg der Art déco-Bewegung. Als Modelle wählte sie Odalisken, Tänzerinnen, Jongleure oder Kabarettisten und verlieh ihren Skulpturen eine dramatische Intensität.

Claire Colinet, La danseuse d'Ankara, Chryselephantin | Foto: © HVMC
Claire Colinet, La danseuse d'Ankara, Chryselephantin | Foto: © HVMC

Wie Colinets andere Figuren, scheint auch die "Tänzerin aus Ankara" inmitten einer komplexen Choreografie in einer hieratischen eingefroren zu sein. Die Chryselephantin-Figuren zählen zu Colinets besten Arbeiten, die von einer hohen Beherrschung des Materials und der Technik zeugen.

Louis Sosson, Le pas de danse, Chryselephantin | Foto: © HVMC
Louis Sosson, Le pas de danse, Chryselephantin | Foto: © HVMC

Le pas de danse ("Der Tanzschritt") beweist, dass auch Louis Sosson ein talentierter Vertreter der Chryselephantin-Kunst war. Soso war zwischen 1905 und 1930 in Frankreich tätig und vor allem für seine Tänzerinnen, aber auch andere Athleten bekannt. Neben zarten weiblichen Figuren im Tutu fertigte auch Darstellungen von Skifahrern, Eisläufern und sogar Hockeyspielern an.

Edgar Degas, Danseuse attachant le cordon de son maillot, Bronze | Foto: ©HVMC
Edgar Degas, Danseuse attachant le cordon de son maillot, Bronze | Foto: ©HVMC

Zuletzt möchten wir Ihnen noch zwei Plastiken von Edgar Degas vorstellen, der für seine Begeisterung für das Thema Tanz weithin bekannt ist. Berühmt sind seine Gemälde, die die Tänzerinnen der Pariser Oper bei den Proben oder während ihrer Aufführungen zeigen. Degas beherrschte die Nahaufnahme perfekt und verlor dabei nie die Kontrolle über die Proportionen - was er nicht zuletzt seinen dreidimensionalen Arbeiten zu verdanken hatte. Bei diesen favorisierte er unscheinbare und natürliche Gesten, auf die andere Künstler ihren Fokus nicht gerichtet hätten.

Edgar Degas, Danseuse se frottant le genou, Bronze | Foto: © HVMC
Edgar Degas, Danseuse se frottant le genou, Bronze | Foto: © HVMC

Seinem Stil entsprechend stellte sich Degas die Frage nach einer "Impressionistischen" Plastik. Obwohl er unterschiedliche Materialien benutzte, beeindruckten vor allem seine Bronze seine Zeitgenossen durch den Realismus ihrer Bewegung. Tatsächlich verwendete Degas seine Skulpturen häufig als Modell für seine Gemälde, gestatteten sie ihm doch, eine Bewegung zu fixieren und die Seele des Tanzes auf dreidimensionale Art zu erkunden.

Die vom Hôtel des Vente de Monte-Carlo organisierte Auktion umfasst eine bemerkenswerte Auswahl an modernen und zeitgenössischen Gemälden und Skulpturen, darunter Werke von François Pompon, Mahmoud Moukhtar und Camille Claudel. Die Auktion findet am 4. Mai um 18 Uhr in Monte-Carlo statt.

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