Zwanzig Skizzenbücher Caspar David Friedrichs, des bedeutendsten Vertreters der deutschen Romantik, sind bekannt – doch nur sechs davon haben die vergangenen 200 Jahre in gebundenem Zustand überdauert: vier befinden sich im Nationalmuseum in Oslo, ein weiteres im Kupferstichkabinett in Dresden und das einzige in Privatbesitz, das sogenannte Karlsruher Skizzenbuch, kommt als sensationelles Top-Los in den Winterauktionen von Grisebach zum Aufruf und feiert damit sein Auktionsdebüt. Tatsächlich ist es das erste Mal, dass eines der Skizzenbücher Friedrichs die Auktionsbühne betritt.

Zwanzig Blatt umfasst das Büchlein, das auf 33 Seiten Bleistiftzeichnungen enthält, die vom Künstler teilweise datiert wurden (zwischen dem 25. April 1804 und dem 1. Juni 1804). Es ist ein wunderbares Zeugnis des künstlerischen Prozesses Friedrichs, für den Wanderungen (in diesem Fall in der Umgebung Dresdens) durch die Natur essentiell für die Suche nach Motiven war, die er in Skizzen festhielt, um sie später im Atelier in seinen Kompostionen zu verwenden. So kann man Zeichnungen aus dem Karlsruher Skizzenbuch in den Gemälden Hünengrab im Schnee (1807), Abtei im Eichwald (1809/10), Klosterfriedhof im Schnee (1817/18, im Krieg zerstört) und Das Große Gehege bei Dresden (1832) wiederfinden.
Der Erhalt des Karlsruher Skizzenbuchs ist den Nachfahren des Malers Georg Friedrich Kersting (1785–1847) zu verdanken. Kersting, ein guter Freund und wiederholter Porträtist Caspar David Friedrichs, gelangte entweder kurz nach dessen Tod oder noch zu dessen Lebzeiten in den Besitz des Büchleins, das seitdem in Familienbesitz verblieb.
Das Karlsruher Skizzenbuch kommt am 30. November in der Auktion „Ausgewählte Meisterwerke“ zum Aufruf, die Teil der Winterauktionen von Grisebach ist, die am 30. November und 1. Dezember in Berlin stattfinden.

Auch Lyonel Feininger setzte auf Naturstudien, von ihm „Natur-Notizen“ gennant, die er später ausarbeitete. Von dem vorliegenden Wolken über dem Meer I, ein weiteres Highlight unter den ausgewählten Meisterwerken bei Grisebach, ist allerdings keine Studie bekannt. Das Gemälde entstand 1923 im Nachklang eines Aufenthaltes in Timmendorf, wohin er im Jahr zuvor auf Einladung von Walter Gropius gereist war. Dort begeisterte er sich für die Wolkenformationen über dem Meer, die er hier in stilisierter Form auf die Leinwand brachte und noch im selben Jahr in einer weiteren Version wiederholte.

Eine Idylle, in der in allen Ecken die Gefahr lauert: So beschrieb Max Beckmann 1936 Baden-Baden, wo er sich zwecks eines Kuraufenthaltes befand. Und so malte er es auch nach seiner Rückkehr nach Berlin in dem vorliegenden Gemälde Springbrunnen in Baden-Baden, das einen menschenleeren Park, der eigentlich von Kurgästen bevölkert sein sollte, zeigt. Selbst die schäumende Fontäne des Springbrunnens kann die trügerische, von einer ominösen Statue bewachte Stille nicht völlig durchbrechen. Es waren für Beckmann die Jahre des „Lawierens“, in denen er sich dem Druck des Nazi-Regimes mehr und mehr ausgesetzt sah, der ihn letztendlich in die Emigration trieb.

Mit vier Werken ist Emil Nolde in der Auktion vertreten, von denen In Demut (1946) und Mohn und blaue Lupinen (1950) besonders hervorzuheben sind. Die Vorlage für das Blumenmotiv dürfte Nolde im Garten seines Hauses bei Seebüll gefunden haben, das er und seine erste Ehefrau Ada 1926 hatten errichten lassen und 1937 durch ein Atelier ergänzten. In Demut geht auf ein Aquarell aus den 1930er Jahren zurück, das Nolde nun zu einem Gemälde ausarbeitete. Das Jahr 1946 war für ihn geprägt von der Sorge um Ada, die im November an den Folgen einer Herzschwäche starb.

Unter den zeitgenössischen Arbeiten der Offerte muss auf ein Bleibild von Günther Förg hingewiesen werden, das mit seiner minimalistischen Sprache besticht. Die lebendige Wirkung und Weite dieser von einer äußerst reduzierten Farbpalette bestimmten Bilder ist dem ungewöhnlichen Bildträger zu verdanken, der stellenweise immer wieder durchscheint und so Teil der Komposition wird.

1964 promovierte Per Kirkeby in arktischer Geologie an der Universität Kopenhagen. Während seines Studiums hatte er wiederholt an Expeditionen nach Grönland teilgenommen – ein Quelle der Inspiration für seine Kunst, die sich auch in dem vorliegenden großformatigen Werk bemerkbar macht: Eine Landschaft ohne Landschaft, in der sich Materie, Schichten und Formen aneinanderreihen und überlagern und zu einer Erforschung der Leinwand einladen.
Die Auktion „Ausgewählte Werke“ beginnt am 30. November um 18 Uhr. Zuvor darf ab 15 Uhr auf „Kunst des 19. Jahrhunderts“ mitgeboten werden. Am 1. Dezember folgen die Kataloge „Moderne Kunst“ (11 Uhr) und „Zeitgenössische Kunst“ (18 Uhr).
Die Versteigerungen finden bei Grisebach, Fasanenstraße 27, in Berlin statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 22.-29. November möglich.
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