Im Jahr 1956 begann die New Yorker Kunstszene dank einer Reihe von Ausstellungen auf den damals 28-jährigen Andy Warhol aufmerksam zu werden. In der Frühzeit seiner Karriere konzentrierte sich Warhol auf Werbeaufträge. Er fertigte Schuh-Illustrationen für das Magazin Glamour an und später auch für den Schuhdesigner Israel Miller. Es war eine dieser skurrilen Illustrationen, die Warhol an das MoMA schickte, um ihr einen Platz in der dortigen Dauerausstellung zu verschaffen.
Das MoMA traf damals eine Entscheidung, die es 2009 via Twitter - eine Social Media-Plattform, die Andy Warhol bestimmt geliebt hätte - wieder zurücknahm.

Bei jener Entscheidung handelte es sich um die Zurückweisung der Zeichnung Shoe, die Warhol dem Museum als Geschenk überlassen wollte. Die Gründe für diese Entscheidung legte das Komitee in einem Brief vom 18. Oktober 1956 nieder, der Warhol unter dessen Adresse, 242 Lexington Ave., NY, NY, erreichte.
Alfred H. Barr Jr. vom MoMA schrieb: "Ich bedaure Ihnen mitteilen zu müssen, dass das Komitee nach reiflicher Überlegung entschieden hat, sie nicht in unsere Sammlung aufzunehmen. Die Gründe dafür liegen in unserer begrenzten Ausstellungs- und Lagerfläche, die uns oft zwingen, Geschenke abzulehnen, da wir es als unfair betrachten, etwas als Geschenk anzunehmen und es dann möglicherweise nur sporadisch präsentieren zu können."
Um ganz sicher zugehen, dass Andy Warhol auch wirklich verstand, dass die Zeichnung nicht im MoMA verbleiben würde, endete der Brief wie folgt: " PS: Die Zeichnung kann bei Gelegenheit im Museum abgeholt werden." Es gereicht dem MoMA zur Ehre, dass es die komische Seite seines damaligen Fehlurteils erkannt hat und den Brief auf Twitter veröffentlichte.

Heute erzielen Warhols Schuh-Zeichnungen bei Auktionen Zehntausende Dollar. 2002 wurde für eine Zeichnung aus Tinte und Blattgold bei Christie's 27.500 GBP bezahlt.
Im selben Jahr, in dem das MoMA Shoe zurückwies, beschäftige sich Warhol mit weiteren Zeichnungen, darunter einige mit Kugelschreiber gefertigte Männer-Studien. Warhols voyeuristischer Blick auf das männliche Kunstobjekt ist in seinem ganzen Œuvre wiederzufinden, sei es in dem Film Sleep von 1963 oder in den Fotografien von 1986.

Die Skizze, die an Barnebys' Schätzungsservice übermittelt wurde, gehört zu jenen frühen Zeichnungen von jungen Männern, die Warhol im Drawing for a Boy-Book und der Ausstellung dazu in der bekannten New Yorker Bodley Gallery 1956 zeigte. Die Inspiration zu diesen sehr intimen Zeichnungen fand Warhol bei französischen Meistern wie Henri Matisse und Jean Cocteau. Er reduzierte in ihnen den menschlichen Körper auf einige wenige wohlplatzierte Linien. Weitere Arbeiten der Serie sind in Museen auf der Ganzen Welt zu finden, wie beispielsweise im Tate in London.

In diesem Jahr kehrt die Zeichnung Andy Warhols, die an Barnebys' Schätzungsservice übermittelt wurde, nach 61 Jahren in die Stadt zurück, in der sie einst entstand. Die Auktion der Swann Galleries, in der sie versteigert wird, findet im Mai 2018 statt. Die Experten des Auktionshauses schätzen das Werk auf 10.000 USD.


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