Im Zuge der Grabungskampagne des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf dem Gräberfeld des ehemaligen Römerlagers Haltern machte der 19-jährige Praktikant Nico Calmund im April 2019 einen sensationellen Fund: den Dolch (Puglio) inklusive Scheide und Gürtelreste eines römischen Legionärs.
Der eiserne Dolch war bei seiner Auffindung stark korrodiert - ein Fall für LWL-Restaurator Eugen Müsch, der, nach ersten computertomografischen Untersuchungen, ein dreiviertel Jahr damit zubrachte, die Korrosionsschichten sorgfältig abzutragen.
Zum Vorschein kam ein zweischneidiger Puglio (die übliche Zweitwaffe des römischen Legionärs), dessen Griff und Scheide aufwändige Tauschierungen aus Eisenblech in Form von Halbmonden, Rauten und Blättern zieren. Hinzu kommen feine Drähte und Bleche aus Silber und Messing sowie Einlagen aus rotem Emaille und Glas.

"Natürlich können wir ein 2.000 Jahre altes Objekt nicht wie neu erscheinen lassen. Die Vielfarbigkeit von Schwarz, Silber, Rot und Gold entspricht jedoch weitgehend der einstigen Optik", erklärt Eugen Müsch.
Das Römerlager Haltern war eines von mehreren Militärlagern, die die Römer um Christi Geburt entlang des Flusses Lippe anlegten, um so ins freie Germanien vordringen zu können. Ein Vorhaben, dass wenige Jahre nach der Varusschlacht (9 n. Chr.) zum erliegen kam. Auch das Lager in Haltern wurde aufgegeben.
Wiederentdeckt wurde das Lager, das aus mehreren Bereichen bestand, 1816. Archäologische Ausgrabungen werden seit 1899 durchgeführt. Der Dolch wurde auf dem Gräberfeld des Lagers entdeckt. Römer verbrannten ihre Toten und bestatteten sie in Urnen, die von einem Erdhügel bedeckt wurden.
Der Dolch war nicht an der Urne selbst, sondern im Erdhügel niedergelegt worden. "Für eine klassische Grabbeigabe ist dieser Fundort sehr ungewöhnlich", kommentiert LWL-Römerexpertin Dr. Bettina Tremmel.

Doch nicht nur die Fundstelle ist hoch interessant, auch der Fund an sich. "Die Kombination aus vollständig erhaltener Klinge, Scheide und Wehrgürtel inklusive der wichtigen Informationen über die genaue Fundlage sind bisher ohne Vergleich", sagt LWL-Chefarchäologe Prof. Dr. Michael Rind. In ganz Europa hat es bislang keinen derartigen Fund in so gutem Erhaltungszustand gegeben.
Der sensationelle Fund soll im März 2022 im Zuge der archäologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen Roms fließende Grenzen im LWL-Römermuseum in Haltern am See ausgestellt werden.
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