Obwohl sie in der Kunstgeschichte immer wieder auftauchen, wissen viele nicht, wo diese unglaublichen Szenen mit halsbrecherisch gestapelten Menschen ihren Ursprung haben. Im Gegensatz zu vielen anderen altmeisterlichen Darstellungen, basieren sie nicht auf einem griechisch-römischen Mythos (trotz ihres Namens), sondern auf dem Forze d'Ercole, einer vor Jahrhunderten etablierten venezianischen Karnevalstradition.

Wann genau dieses Spektakel erfunden wurde, ist zeitlich nur schwer genau zu erfassen, vermutlich jedoch im 12. Jahrhundert. Sein Ende erfolgte jedoch nachweislich im späten 18. Jahrhundert, als der römisch-deutsche Kaiser Franz II. (später als Franz I. von Österreich) es schlichtweg verbot. Venedig befand sich damals nämlich nach Untergang der Adelsrepublik im Herrschaftsgebiet der Habsburger.
Die Venezianer feierten ihren Karneval zeitweilig bis zu sechs Monate im Jahr: Von Oktober bis Weihnachten, vom St.-Stephanus-Tag (26. Dezember) bis zur Fastenzeit sowie am Markus-Tag (25. April).
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Um das anspruchsvolle Publikum zu unterhalten, waren große Attraktionen erforderlich, darunter der Volo dell'Angelo ("Engelsflug", eine akrobatische Darbietung auf dem Markusplatz), Stier- und Bärenkämpfe sowie Puppentheater. Und natürlich Le Forze d'Ercole ("Die Stärke des Herkules") mit seinen unglaublichen menschlichen Pyramiden, die von den beiden rivalisierenden Clans der Serenissima, den Nicolotti und den Castellani, auf die Beine gestellt wurden.

Die beeindruckenden Darbietungen hatten Namen wie Fondamenta dei Pensieri ("Ursprung der Gedanken") oder Allegoria della fama ("Allegorie des Ruhms"). Für die beiden rivalisierenden Clans bedeuteten die Pyramiden einen Wettkampf, bei dem es sich öffentlich in einer Demonstration der Kraft und des Könnens gegenseitig zu übertrumpfen galt. Die Castellani (Einwohner der Stadtteile Sestiere di Castello, San Marco und Dorsoduro) trugen Rot, die Nicolotti (Einwohner von Dorsoduro in der Umgebung der Kirche San Nicolo dei Mendicoli) Schwarz.
Le Forze d'Ercole feierte nicht nur die Geschicklichkeit und das Können der Venezianer während des gesamten Karnevals, sondern würdigte auch den 1162 errungenen Sieg des Dogen Vitale Michiel II., Oberhaupt der venezianischen Republik von 1155 bis 1172, über Ulrico, den Patriarchen von Aquileia. Auch heute noch können Straßenvorstellungen, die von Traditionen wie dem Forze d'Ercole inspiriert sind, besucht werden. Sie sind jedoch von weniger halsbrecherischer Natur.

Die bemerkenswerten Wettbewerbe wurden jedenfalls zu beliebten Motiven bei Malern des 18. Jahrhunderts, vor allem jenen der Venezianischen Schule, wie Francesco Guardi (1712-1793). Doch auch der Engländer Balthasar Nebot (aktiv zwischen 1729 und 1765) nahm sich des Themas an.
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