Durch die allgemeine Gleichberechtigung, die Aufnahme von Frauen an den Kunsthochschulen und das wachsende Interesse auf dem Kunstmarkt, erhalten Künstlerinnen verstärkt die Anerkennung, die sie verdienen. Wir haben zwölf von ihnen herausgepickt, die trotz aller Hindernisse für die Kunstgeschichte von hoher Bedeutung waren.
12. Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842)

Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun war eine der besten Porträtmalerinnen ihrer Zeit. Dieser Umstand hätte eigentlich schon ausreichend sein müssen, um von der Académie royale de peinture et de sculpture als Mitglied aufgenommen zu werden. Doch es bedurfte der Unterstützung von ihrer wiederholten Auftraggeberin und Freundin Marie Antoinette, um die Herren der Institution zu überstimmen.
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1783 war auch das Jahr, in dem ein Porträt der Königin von Vigée-Lebrun für Empörung im Salon sorgte, hatte sich Marie Antoinette doch in einem einfachen Musselinkleid malen lassen, das an die damalige Unterwäsche erinnerte. Dem Ruhm Vigée-Lebruns konnte der Vorfall auf Dauer jedoch nichts anhaben und als sie während und nach der Französischen Revolution im Exil lebte, mangelte es ihr an neuen wohlhabenden Auftraggebern.
11. Mary Cassatt (1844-1926)

Mary Cassatt war eine amerikanische Malerin, die für den Impressionismus von besonderer Bedeutung war, indem sie die Bewegung den Sammlern in ihrer Heimat näherbrachte. Obwohl sie selbst mehr Porträt- als Landschaftsmalerin war, folgte sie Edgar Degas, Camille Pissarro und Berthe Morisot in deren Vorliebe für die Freilichtmalerei sowie deren Sinn für Farben und der Suche nach der Wahrheit des Augenblicks.
Als ihre Schwester Lydia 1882 starb, wurde dies zu einem Wendepunkt in Cassats Karriere und Mütter mit ihren Kindern wurden zu ihrem, die selbst nie heiratete, bevorzugten Motiv. 1890 kam durch dem Besuch einer Ausstellung japanischer Drucke die Faszination für diesen Stil hinzu. Cassatts Meisterschaft in der Aquatinta-Technik wurde von ihren Kollegen sehr bewundert.
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1904 erhielt sie den Walter-Lippincott-Preis , lehnte die Auszeichnung jedoch ab und teilte der Akademie mit: „Ich muss meinen Prinzipien treu bleiben … keine Jury, keine Medaillen, keine Auszeichnungen.“ Sie schlug vor, das Geld stattdessen einem jungen, aufstrebenden Künstler zu geben. Im selben Jahr wurde sie in die Französische Ehrenlegion aufgenommen.
10. Camille Claudel (1864-1943)

Die Bildhauerin Camille Claudel hatte ein turbulentes Leben. Zehn Jahre lang pflegte sie eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit Auguste Rodin, der auch ihr Lehrer war. Zusammen schufen sie mehrere Skulpturen, darunter Der Kuss von 1886.
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Trotz der Trennung, inspirierte Claudel Rodin auch weiterhin, der nie an ihrem künstlerischen Talent zweifelte. Claudels Werke waren innovativ und sie schaffte es, die Intensität eines Moments wie niemand sonst einzufangen.
9. Gertrude Stein (1874-1946)

Gertrude Stein war eine amerikanische Schriftstellerin, die jedoch eher für ihre Rolle als Kunstsammlerin und Mäzenin bekannt ist, als für ihr literarisches Schaffen. Ganz verliebt in Frankreich, lebte Stein in Paris, wo sie sich als Botschafterin für moderne Künstler engagierte, darunter Pablo Picasso und die Kubisten.
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Beinahe vierzig Jahre war sie in einer Beziehung mit der Schriftstellerin Alice B. Toklas, ein Zeitraum, in dem sie zu einer der größten Sammlerinnen wurde. Ihre Gabe, talentierte junge Künstler zu entdecken, war beispiellos und die Wände ihrer Wohnung in der Rue de Fleurus 27 zierten Werke von Picasso, Henri Matisse, Francis Picabia und Paul Cézanne.
8. Coco Chanel (1883-1971)

Der Name Coco Chanel ist ein Synonym für französische Eleganz. Mit ihren schlichten und monochromen Kreationen revolutionierte die Modeschöpferin die Damenmode.
Zunächst auf Hüte spezialisiert, besaß Chanel ab 1913 Modeboutiquen in Paris, Deauville und Biarritz. Sie schuf eigene Kreationen, die sie selbst bei öffentlichen Auftritten ihrer Klientel vorführte. Schnell erhielt sie die erwünschte Aufmerksamkeit und Kundinnen, die sich schlichte und praktischere Kleider wünschte, die sich von der traditionellen Mode jener Zeit unterschieden.
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Indem sie mit den weiblichen und männlichen Codes spielte, schuf Chanel komfortable und praktische, aber dennoch stylische Kleidungsstücke. Etwas mehr Glamour verlieh sie ihren Kreationen durch Accessoires, die zu Ikonen wurden und für die das Modehaus auch heute noch weltweit geschätzt wird.
7. Suzanne Belperron (1900-1983)

Suzanne Belperron war eine Schmuckdesignerin, über die viele sagen, sie sei eine der bedeutendsten Figuren der französischen Juwelierkunst gewesen. Bereits während ihrer Zeit bei Boivin schuf sie sehr feminine und sinnliche Stücke.
Ein besonderes Faible hatte sie für bunte Edelsteine wie Citrine, Peridots und Amethyste. Die Stücke, die Belperron für Boivin schuf, waren nur selten signiert, doch sie sagte: "Mein Stil ist meine Signatur."
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Dennoch entschied sich Belperron 1932 dafür, Boivin zu verlassen und ein eigenes Schmuckunternehmen zu gründen. Hier spielte sie mit Einflüssen und Stilen, was die Aufmerksamkeit der berühmtesten Couturiers auf sich zog, deren Kreationen ihre eigenen Schöpfungen schon bald zierten.
6. Lois Mailou Jones (1905-1998)

Werke von Lois Mailou Jones sind in vielen bedeutenden amerkanischen Institutionen zu finden, darunter die National Gallery, das Smithsonian Museum of Art und das Metropolitan Museum of Art. Davon überzeugt, das Kunst von großem Wert für jeden ist, gründete sie im Alter von nur 23 Jahren die Kunstabteilung am Palmer Memorial Institute.
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Während ihrer Kindheit auf Martha's Vinyard traf Jones Persönlichkeiten wie den Komponisten Harry T. Burleigh und die Schriftstellerin Dorothy West, die eine bedeutende Vertreterin der Harlem Renaissance war. Mit nur 17 Jahren hatte Jones ihre erste Einzelausstellung ihrer Werke, zu denen beständig neue hinzukamen. Inspiration fand sie auf zahlreichen Reisen, die sie u.a. in die Karibik und nach Afrika führten, aber auch bei anderen Künstlern, darunter Aaron Douglas. Ihre Motive waren vor allem Szenen unter freiem Himmel, von der ruhig dahinfließenden Seine in Paris bis hin zu Protestmärschen in Washington. Der Stolz auf ihre afrikanisch-amerikanische Abstammung ist allgegenwärtig.
Doch liebte Jones es nicht nur, selbst zu malen, sie unterrichtete auch gerne. Sie arbeitete als Professorin an der Howard University in Washington, D.C. (Spitzname "Black Harvard") und bekannte einmal: „Das Wunderbare daran, Künstlerin zu sein, ist, dass der kreative Ausdruck kein Ende hat. Malen ist mein Leben; mein Leben ist Malen."
5. Frida Kahlo (1907-1954)

Mit sechs Jahren an Kinderlähmung erkrankt, musste Frida Kahlo auch in ihrem späteren Leben mehr leiden, als die meisten anderen Menschen. Durch die Krankheit war eines ihrer Beine kürzer als das andere und bei einem Busunfall im Alter von 18 Jahren erlitt sie eine Wirbelsäulenverletzung, die den sie, eingezwängt in eine Metallkonstruktion, ihr Bett über Monate hinweg nicht verlassen durfte. Mit Hilfe eines Spiegels über ihrem Bett begann sie in dieser Zeit, erste Selbstporträts zu malen.
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Aufgewachsen in der patriarchalen Gesellschaft Mexikos, widerspiegelten ihre surrealistischen Werke ihren Wunsch nach Freiheit und Reisen sowie ihre Frustration, dass ihr die Mutterschaft aufgrund der vielen Operationen, die sie durchstehen musste, versagt blieb. Kahlo brachte all ihr Leid in ihren Gemälden zum Ausdruck, in einem Kampf gegen das Leben, das ihr gegeben wurde.
4. Louise Bourgeois (1911-2010)

Louise Bourgeois war eine französische Künstlerin, die durch ihre monumentalen Skulpturen bekannt wurde. Keiner bestimmten Bewegung angehörend, beschäftigte sie sich mit Frauenthemen auf der Grundlage ihrer persönlichen Erfahrungen, insbesondere mit dem Konzept der Mutter-Tochter-Beziehung und der Rolle des Vaters und der Mutterschaft. Auf fast therapeutische Weise reflektierte Bourgeois ihre Kindheit in ihren Werken.
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Ihre Mutter starb jung und ihre Beziehung zu ihrem Vater war tückisch; für Bourgeois war ihr künstlerisches Schaffen lebensnotwendig. „Kunst hält uns geistig gesund“, sagte sie einmal.
3. Diane Arbus (1923-1971)

Es war ihr Ehemann, durch den Diane Arbus ein Medium entdeckte, das sie nicht ignorieren konnte: die Fotografie. Sie entwickelte ihren eigenen Stil und begann, Menschen am Rande der Gesellschaft zu verewigen.
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Jeder, der nicht der Norm entsprach, interessierte Arbus. Dank ihrer Arbeit konnten die Menschen die Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung entdecken. Arbus wurde zu ihren Lebzeiten sowohl gelobt als auch kritisiert und hinterließ durch ihre Vision der Menschheit ein vielschichtiges Vermächtnis.
2. Faith Ringgold (1930-2024)

Faith Ringgold wurde in ein sehr künstlerisches Umfeld hineingeboren. Sie wuchs in Harlem, New York, auf, das in den 1940er Jahren zu einem kulturellen Zentrum wurde und wo sie Schriftsteller wie Langston Hughes oder Musiker wie ihren besten Freund Sonny Rollins traf. Aufgrund ihres chronischen Asthmas konzentrierte sich Ringgold auf die bildenden Künste und verbrachte viel Zeit damit, mit Buntstiften und Stoffen zu experimentieren.
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Diese Einführung in die Kunstwelt blieb Ringgold lange im Gedächtnis. Obwohl sie Kunstlehrerin wurde, hörte sie nie auf, ihre eigenen Werke zu schaffen. Ihre Medien reichen von Malerei und Textilien bis hin zu Skulptur und Performance. Mit ihrer Arbeit versuchte Ringgold, ihre persönlichen Erfahrungen hervorzuheben, aber auch das Bewusstsein für Menschen zu schärfen, die unter Sexismus, Rassismus und anderen Diskriminierungen leiden.
1. Marina Abramović (*1946)

Marina Abramovič ist wie keine andere Künstlerin. Mit ihrer Performancekunst überschreitet sie die Grenzen der Körperlichkeit und nutzt ihren Körper gleichzeitig als künstlerisches Instrument, um seine Grenzen auszutesten.
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Im Jahr 2012 saß sie im MoMA an sechs Tagen in der Woche sieben Stunden lang auf einem Stuhl und starrte jede Person an, die ihr gegenübersaß. Diese künstlerische Darbietung, die mehr als 700 Stunden dauerte, ist eine der längsten, die jemals aufgeführt wurden. Durch die Erfahrung transzendiert, begreift Abramovič die Performance als Ausdrucksmittel gegenüber der Außenwelt.
Dies sind nur zwölf von zahlreichen Frauen, die alle zur Kunstgeschichte beigetragen und sie geprägt haben. Die Liste ließe sich endlos fortführen mit Künstlerinnen wie Nikki de Saint-Phalle, Sonia Delaunay, Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz, Artemisia Gentileschi, Elisabetta Sirani und vielen anderen.




