Majolika aus Lodi – Königin des Trompe-l'oeil
Typische Stücke der lombardischen Majolikaproduktion waren die "Pescere", ovale Servierteller für Fisch. Die Forellen, Schleien und Hechte, die die Fischer aus dem Fluss Adda holten, wurden auf den Platten spielerisch in Trompe-l'oeil-Manier dargestellt und erfreuten so nicht nur den Gaumen, sondern auch das Auge.

Die Dekoration für diese Fischgerichte zeugt von der Raffinesse der lombardischen Kunst und Kultur: Ab dem späten 16. Jahrhundert schufen Maler der Region, darunter Giovanni Ambrogio Figino, Panfilo Nuvolone, Vincenzo Campi und Caravaggio, kleine Gemälde, die Gästen gerne als Geschenk mitgegeben wurden. Später, ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, ließen sich die Majolika-Manufakturen in der Stadt Lodi von den Werken dieser berühmten Künstler inspirieren.

Heute sind die "Pescere" aus Lodi-Majolika selten und von hoher historisch-künstlerischer Bedeutung. Viele Exemplare befinden sich in Keramikmuseen, u. a. in Faenza und Sevrès. In der Majolika und Porzellan gewidmeten Auktion von Cambi werden am 5. November zwanzig großartige Beispiele der lombardischen Manufaktur angeboten, die alle aus bedeutenden Sammlungen stammen.
Meissen – Die älteste Porzellanmanufaktur Europas
Meissen ist der renommierteste Porzellanhersteller Europas und einer der bedeutendsten weltweit. Gegründet wurde die Manufaktur 1710 auf Befehl August des Starken von Sachsen und Polen, der Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus damit beauftragte, ein Verfahren für die Herstellung von Porzellan zu entwickeln, womit die teueren Importe aus China ein Ende haben sollten. Die ersten geglückten Versuche waren sowohl von chinesischen Modellen, als auch von barocken Silberfiguren inspiriert.

Der nächste Schritt war die Entwicklung von Golddekor und bunter Bemalung. Für die Motive ließ man sich von der Flora und Fauna inspirieren, aber weiterhin auch von asiatischen Themen, vor allem aus Indien und Japan. Zu einem "Evergreen" sollte das blaue Zwiebelmuster avancieren, das an das blauweiße Porzellan der Ming-Dynastie angelehnt war und später von anderen Herstellern kopiert wurde. Ebenfalls hoch im Kurs – damals wie heute – sind Stücke aus dem 18. Jahrhundert, die mit Motiven im Stil des Rokoko verziert sind.

Auch heute führt die Meissner Manufaktur ihre Produktion auf handwerklich höchstem Niveau fort. Jedes Stück wird vollständig von Hand gefertigt und dekoriert. Bei Cambi kommen mehr als 90 Lose mit Tellern, Tassen. Kannen und Figuren aus der sächsischen Manufaktur zum Aufruf, die dort zwischen dem frühen 18. Jahrhundert und dem späten 19. Jahrhundert ausgeführt wurden. Drei Lose mit musealen Stücken müssen besonders hervorgehoben werden: Ein seltenes figürliches Räuchergefäß aus Böttger-Steinzeug (1710-20), ein seltenes Kännchen mit Deckel (1722-25) sowie ein Teller aus dem Jahr 1725. Das Kännchen und der Teller sind mit figürlichen Motiven bemalt, die Johann Christoph Horn zugeschrieben werden.
Albarelli – Aus der Apotheke ins Museum
Ihren Ursprung haben die Albarelli genannten Gefäße, in denen in Apotheken die Arzneien aufbewahrt wurden, vermutlich in Persien. Von dort gelangten sie nach Süditalien und von dort ins restliche Europa. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal der Majolika-Albarelli ist ihr Dekor, für das die unterschiedlichsten Techniken und Motive zum Einsatz kamen, die auf weißem bis marmorfarbenem Grund aufgetragen wurden. Zunächst noch "oben ohne", wurde bei den Albarelli später ein Deckel üblich. Einigen wenigen Exemplaren wurden auch Handhaben angefügt.

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts war das Albarello ein Gefäß, das ausschließlich Apotheken vorbehalten war. Doch bestätigen Ausnahmen bekanntlich die Regel. Und so sind sie auf Gemälden jener Epoche auch als dekorativer Gegenstand im häuslichen Bereich abgebildet oder sogar als Marmeladentopf.

Die bei Cambi angebotenen seltenen Albarelli stammen aus der historischen Barresi-Sammlung in Trapani, über die Giuseppe Liverani, damaliger Direktor des Faenza-Museums, 1960 sagte: "Es sind zweihundert Stücke, die der Notar Barresi über mehrere Jahrzehnte mit äußerster Sorgfalt zusammengetragen hat."
Die Majolika und Porzellan gewidmete Auktion findet am 5. November im Castello Mackenzie, dem Hauptsitz von Cambi, in Genua statt. Insgesamt umfasst der Katalog knapp 300 Lose, die allesamt von privaten Einlieferern stammen.
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