Genau das passierte einem Altmetallhändler im Mittleren Westen, der ca. 2004 an einem Flohmarktstand auf ein goldenes, mit Edelsteinen besetztes Schmuck-Ei mit dreibeinigem Ständer und Uhr im Inneren stieß, das zum aktuellen Gold- und Edelsteinpreis angeboten wurde. 13.302 USD zahlte der Händler, eine für einen Flohmarkt hohe Summe, und nahm das 8,2 cm hohe Ei mit zu sich nach Hause.
Der Weiterverkauf entpuppte sich jedoch als schwierig, da die Interessenten der Ansicht waren, dass der veranlagte Preis dafür zu hoch angesetzt sei. Das goldene Ei, das keiner haben wollte, verblieb im Küchenschrank des Altmetallhändlers, der sich erst 2012 dazu entschloss, mehr über seinen scheinbar unglücklichen Kauf zu erfahren.
Lesen Sie auch: 8 sensationelle Flohmarktfunde

Bei seinen Recherchen stieß er auf ein 2007 aufgetauchtes Foto von einer Wohltätigkeitsausstellung, die 1902 in Sankt Petersburg stattgefunden hatte und auf der mehrere der kaiserlichen Fabergé-Eier gezeigt worden waren. Auf dem Foto schwach zu erkennen: das Dritte Kaiserliche Ei, das seit 1922 als verschollen galt.

Das Dritte Kaiserliche Ei war, wie sein Name bereits verrät, das dritte kostbare Schmuck-Ei, das der russische Zar Alexander III. seiner Frau Maria Fjodorowna zu Ostern geschenkt hatte. 1885 hatte er sich erstmals mit einem solchen Auftrag an den Ausnahme-Juwelier und -Goldschmied Peter Carl Fabergé gewandt. Die Eier für die Zarin sollten wahre Kunstwerke sein und über eine Überraschung im Inneren verfügen. Im Falle des Dritten Kaiserlichen Eis von 1887, für dessen Gestaltung der finnische Goldschmied August Holmström zuständig war, handelte es sich um eine Uhr von Vacheron-Constantin. Die entsprechende Gravur des Uhrenherstellers half dem Altmetallhändler 2012 dabei, die wahre Identität seines vermeintliches Fehlkaufs zu ergründen.
Lesen Sie auch: 8 Dinge, die man über die Fabergé-Eier wissen sollte
Eine weitere Information über das Ei war 2011 aufgetaucht, als zwei Fabergé-Experten in einem Katalog des New Yorker Auktionshauses Parke-Bernet aus dem Jahr 1964 auf eine Abbildung des auf dem Foto von 1902 entdeckten Eis stießen. Auch damals wusste man nicht, womit man es zu tun hatte. Das Ei wurde für 2.450 USD von einem unbekannten Käufer erworben und tauchte schließlich – auf einem Weg, der genauso im Dunkeln liegt, wie jener, der es zuvor in die USA geführt hatte – auf besagtem Flohmarkt im Mittleren Westen auf.
Der nun zunehmend glückliche Altmetallhändler wandte sich an den Londoner Juwelier Wartski, der die Echtheit des goldnen Eis bestätigte und es schließlich 2014 für eine unbekannte Summe an einen ebenfalls unbekannten Privatsammler verkaufte. Der Wert des Eis war jedenfalls im Bereich von 33 Millionen USD geschätzt worden. 2021/22 war das Dritte Kaiserliche Ei als Teil der Ausstellung Fabergé in London: Romance to Revolution im Victoria & Albert Museum zu sehen gewesen.

Insgesamt wurden 52 Kaiserliche Eier bei Fabergé in Auftrag gegeben. Nach dem Tod Alexanders III. übernahm sein Sohn und Nachfolger Nikolaus II. die Tradition, ließ jedoch nicht nur seiner Mutter Maria Fjodorowna, sondern auch seiner Frau Alexandra Fjodorowna jedes Jahr zu Ostern ein Fabergé-Ei zukommen – die beiden 1917 bestellten Eier erreichten die Zarenfamilie aufgrund der Revolution jedoch nicht mehr.
Eines der Eier verließ Russland 1918 gemeinsam mit Maria Fjodorowna, andere gerieten in den auf die Revolution folgenden Jahren in Vergessenheit oder wurden gestohlen. 1930 ließ Josef Stalin 14 Fabergé-Eier zu Schleuderpreisen versteigern, um den Staatshaushalt aufzubessern. 10 der kaiserlichen Eier befinden sich heute in der Rüstkammer des Moskauer Kremls, 9 weitere sind Teil der Sammlung des Oligarchen Wiktor Wekselberg und werden im Fabergé-Museum in Sankt Petersburg ausgestellt. Der Großteil der übrigen befindet sich in weiteren Museen oder in Privatsammlungen.
Lesen Sie auch: Mögliches Fabergé-Ei auf Luxusyacht eines russischen Oligarchen gefunden

Doch sechs der kaiserlichen Fabergé-Eier sind bis heute unauffindbar. In Hinblick auf das unglaubliche Glück eines amerikanischen Altmetallhändlers aus dem Mittleren Westen, kann hier nur eine Empfehlung ausgesprochen werden: immer die Augen offen halten!
Entdecken Sie weitere Artikel im Barnebys Magazin!
Aktualisierte Version eines Artikels vom 22. März 2014










