Beim Thema Accessoires denkt man wahrscheinlich als erstes an Schmuck, Taschen, Schuhe und möglicherweise Gürtel. Blickt man zurück auf die Geschichte, stellt man jedoch fest, dass das Tuch eines der frühesten Accessoires überhaupt war.
Historie
Aus dem Alten Ägypten ist bekannt, dass Königin Nofretete Tücher unter ihrem juwelenbesetzten Kopfschmuck trug, was verhindern sollte, dass sich ihre Haare in den kunstvollen Verzierungen verhedderten. Im Nordamerika der 1950er Jahren drapierten die Frauen sie einfach über ihren Lockenwicklern und gingen so einkaufen. Im antiken Rom wickelten sich Männer im Sommer Tücher um den Kopf, um herabrinnenden Schweiß auszusaugen, und im Winter, um sich warm zu halten. Kopftücher waren damals ein männlich orientiertes Accessoires, während Frauen schleierartige Kopfbedeckungen bevorzugten, die Teil ihrer fein drapierten Gewänder waren.
Napoleon Bonaparte verwöhnte seine Joséphine gerne mit kostbaren Geschenken. Aus Ägypten brachte er ihr 1798 mit einem Pashmina mit, den Joséphine zunächst eher hässlich fand. Dann scheinen sie der wärmende Effekt bei erstaunlich wenig Gewicht doch überzeugt zu haben, denn im Laufe ihres Lebens häufte sie eine Sammlung von über vierhundert Stück an.
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Eines der weltweit bekanntesten und ikonischsten Muster, das für Schals und Tücher genutzt wird, ist Paisley, das zwischen 1800 und 1850 in der gleichnamigen schottischen Stadt hergestellt wurde. Queen Victoria war es, die die bis heute anhaltende Liebe zu diesem Design 1842 in Mode brachte, als sie öffentlich mit einem solchen Schal, der von einem schottischen Weber angefertigt worden war, auftrat. Tatsächlich ist das Design, das eine Träne darstellen soll, Jahrhunderte alt und stammt aus Kaschmir.
Seide
Ein faszinierender Fakt, der heute weitestgehend unbekannt ist, ist jener, dass man während des Ersten Weltkriegs Waffenlieferungen für das Militär gerne in Seide verpackte, denn Seide ließ sich rückstandslos verbrennen, ohne Anhaltspunkte für den Feind zu hinterlassen. Nicht ganz das, woran man beim Thema Seide denken mag. Aber was hat das mit der Evolution des Tuchs zu tun?
Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde die übriggebliebene Seide verkauft und man stellte vor allem Unterwäsche und Negligees daraus her, aber auch Tücher und Schals. Seide wurde sehr beliebt und bis 1930 waren sich die Designer der wachsenden Nachfrage und des Potenzials der Seide voll bewusst.

Noch war Rohseide aus China preiswert und leicht zu beschaffen. Eines der ersten großen Häuser im Bereich Mode und Accessoires, das Rohseide importierte, war Hermès. Dort hatte man die Stärke und Qualität der chinesischen Seide sowie ihre Anziehungskraft als exotisches Textil erkannt, besonders wenn sie eingefärbt und zu wunderschönen Designs verarbeitet wurde.
Wie bei allen Modetrends, ob tragbar oder aus dem Bereich Wohnkultur, hat die Geschichte immer wieder als Katalysator für Veränderungen gedient. Als die Popularität von Seide zunahm, stieg ihr Preis gewaltig und sie wurde zu einem Produkt jener Luxusmarken, die sich die meisten Frauen nicht leisten konnten.
Synthetik und Evolution
Ähnlich wie in der Handtaschenproduktion, wo man damit begann, von Menschenhand geschaffene „exotische Häute“ wie künstliches Krokodil- und Schlangenleder herzustellen, begann auch die Textilindustrie zu experimentieren und sich weiterzuentwickeln. Synthetische Stoffe mit seidenähnlicher Textur und Aussehen wurden hergestellt und „Kunstseide“ wurde zur erschwinglichen und ebenso schönen Alternative zur sehr teuren echten Seide. Und ebenso wie diese konnte der synthetische Stoff in einer Vielzahl von lebendigen Mustern und Farbkombinationen gewebt und gefärbt werden.
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Schals und Tücher entwickelten sich nun zu einem modischen Statement, das mehr war, als ein funktionaler Artikel. Doch nach einundzwanzig Jahren mischte sich die Geschichte ein weiteres Mal ein und beendete den Aufschwung: Der Zweite Weltkrieg versetzte die Welt – und mit ihr die Modeindustrie – erneut in Aufruhr.
Der Krieg wirkte sich auf jeden Aspekt des Lebens aus. Textilfabriken wurden in Munitionsfabriken umgewandelt, und Orte, an denen einst Kleidungsstücke hergestellt worden waren, produzierten medizinische Artikel wie Schlingen, Bandagen und Verbände. Seide, die zu einer der Hauptpfeiler der Bekleidungsindustrie geworden war, wurde beschlagnahmt, um in den Fabriken zu Tausenden von Fallschirmen verarbeitet zu werden.
Seide war kein Luxusartikel mehr. Vielmehr war sie zu einem unverzichtbaren Handelsgut für die Kriegsanstrengungen geworden. Da die Männer im Krieg dienten oder in kriegsbedingten Berufen und in der Landwirtschaft arbeiteten, war es an den Frauen, die Produktion am Laufen zu halten. Arbeiteten sie nicht auf Bauernhöfen oder in Krankenhäusern, standen sie am Fließband. Während an mechanischen Standorten wie diesen Schutzbrillen und -helme heute die Norm sind, mussten damals Kopftücher für etwas Sicherheit sorgen, damit langes Haar nicht im Weg war. Haarkämme, -spangen, -nadeln und Tücher gehörten zur täglichen „Uniform“ dieser Frauen.

Seide stand für die Modeindustrie nicht mehr zur Verfügung und Tücher wurden zweckmäßig aus Leinen oder Baumwolle hergestellt. Sie waren preiswerter und waschbar. Auch die neuen „künstlichen“ Seiden wurden verwendet. Viskose hat die Modeindustrie wirklich verändert – angetrieben von der Notwendigkeit, einen Ersatz für Seide zu finden.
Zurück zur Mode
Als der Krieg endlich zu Ende war, sehnte man sich nach den Jahren mit gedeckten Farben und Knappheit an Stoffen wieder nach Farben, Stil und modischem Chic. Es entstanden Designs, die mutig, lebendig und auffällig waren. Viele Entwürfe basierten auf der Kunst von Künstlern wie Henry Moore und Pablo Picasso. Abstrakte Formen waren immens beliebt, weil sie einen schier unbegrenzten Einsatz verschiedener Farben ermöglichten.
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Da die Auswahl an Kleidungsstücken im Nachkriegseuropa noch immer eingeschränkt war, stellten die aus Kunstfaser hergestellten Tücher ein erschwingliches modisches Accessoire dar.
Hollywood
Dei Filmindustrie hatte einen großen Einfluss auf die Mode im Allgemeinen. Während es sich viele nicht leisten konnten, ihre Kleiderschränke mit den aktuellsten Stilen und Designs zu füllen, wurden Accessoires zu einem erschwinglichen Weg, bestehende Outfits aufzuwerten und zu akzentuieren. Die Nachfrage nach eleganten, modischen Türchen entstand dank der Stars, die sie trugen, darunter Grace Kelly, Audrey Hepburn, Julie Christie und Elizabeth Taylor, um nur einige zu nennen.
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Die ikonische Begegnung von Cary Grant und Deborah Kerr auf dem Empire State Building in dem ach so romantischen Film Die große Liebe meines Lebens von 1957 trug mehr zum Verkauf grüner Kopftücher bei, als es jede Parade zum St. Patrick’s Day in New York City es jemals könnte.

Luxus erstehen
Während auch heutzutage die Erzeugnisse der großen Haute-Couture-Häuser – sei es ein Kleid von Dior, ein Kostüm von Chanel oder eine Tasche von Hermès – für die meisten von uns unerschwinglich sind, ist ein gut gemachtes Designer-Tuch eine Option im Bereich des Möglichen.
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Vor allem Vintage- oder Secondhandtücher sind perfekte Alternativen zu neuen Stücken aus dem Einzelhandel. In gut sortierten Läden sind sie zu erschwinglichen Preisen zu haben. Auch das Internet ist voll mit ihnen. Doch auch wenn der Online-Einkauf bequem ist, ist es ratsam, sich die Dinge im Original anzusehen, um auf winzige Fehler aufmerksam zu werden, die einem auf dem Bildschirm niemals aufgefallen wären. Man muss die Textur fühlen und sichergehen, dass der Stoff über die Jahre keine Rückstände von Parfüm oder anderen Gerüchen absorbiert hat.

Das Angebot an antiken, Vintage und modernen Tüchern ist auf allen Verkaufsebenen endlos. Einige der begehrtesten Designerstücke, die immer noch erschwinglich sind, stammen von Laura Ashley, Ralph Lauren, Paloma Picasso, Pucci und Gucci. Italienische Seide aus den 1950-80er Jahren wird gesucht, ebenso frühe Paisley-Designs, vor allem solche, die Mitte des 20. Jahrhunderts in Hongkong oder China hergestellt und mit dem Etikett einer Seidenfabrik versehen wurden. Mehrfarbig-Abstraktes von Liberty’s ist gefragt oder altmodische Blumen- und Rosenmuster, die perfekt dafür geeignet sind, monotone Herbstkleidung aufzuhellen. Je kräftiger die Farbe, desto größer das Modestatement.
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Natürlich stehen Haute-Couture-Marken ganz oben auf der Liste und auch deren Secondhand-Tücher können noch außerhalb unserer Preisspanne liegen. Suchen Sie nach ähnlichen Stilen, aber vermeiden sie Fälschungen. Heutzutage verlangen einige Verkäufer saftige Preise für Tücher, die als „Hermès Style“, „Prada Replica“, „Gucci Design“ oder „Originalreplik“ beworben werden. Diese Formulierungen sollen in die Irre führen. Fragen Sie im Zweifelsfall nach einem Echtheitszertifikat, vergewissern Sie sich, dass Sie die Rückgabe- oder Rückerstattungsrichtlinien des Verkäufers kennen, und prüfen Sie nach Möglichkeit unvoreingenommene und nicht gesponserte Bewertungen der Website oder des Verkäufers. Sollte ein Original von Hermès für Sie unerschwinglich sein, wählen Sie eine andere Marke mit einem ähnlichen Design und verschwenden Sie Ihr Geld nicht mit Fälschungen, die es definitiv nicht wert sind!
Richtig stylen
Es gibt Dutzende Möglichkeiten, Tücher und Schals zu tragen – wie auch immer geknotet um den Hals gebunden oder als Verzierung eines Hutes. Eine elegante Schleife am Henkel einer schlichten Handtasche hebt diese auf Kelly-Niveau (ohne den schmerzhaft hohen Preis). Ein langer Schal über der Schulter drapiert, am Gürtel oder mit einer fabelhaften Vintage-Brosche befestigt, ist ein umwerfendes Modestatement und verleihen jedem Outfit das gewisse Extra. Auch als Alternative zu einem Gürtel kommt ein langer Schal zum Tragen. Große, weiche Wickeltücher in Pashmina-Größe sind vielseitig einsetzbar, etwa als Sarong oder Überwurf oder, mit verknoteten Enden, als lockere Kimonojacke über einem einfarbigen Ensemble.
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Auch auf dem Kopf ist die Einsatzmöglichkeit von Tüchern und Schals endlos. Gerollt und fest gedreht kann man sie in eine Rose verwandeln oder mit anderen Farben zusammenflechten. Wie man so etwas macht, finden Sie bei zahllosen Tutorials im Internet.
Alten Schals, die etwas abgenutzt sind oder die man nicht mehr tragen mag, kann man zu einem zweiten Leben als Tischläufer, Bettschal oder Kissenbezug verhelfen. Kleine Tücher können auch mal das Geschenkpapier ersetzen oder als Bänder und Schleifen verwendet werden. Oder man setzt sie als Vorhangschleife ein, drapiert sie über einer Stuhllehne oder hängt sie gerahmt an die Wand. Auf jeden Fall verleihen sie einem Raum Farbe. Die Möglichkeiten sind endlos.
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Die französische Modeikone Sonia Rykiel sagte einmal: „Ein Tuch muss wohl die schönste Sache sein, die jemals zum Tragen erfunden wurde!“ Und die BBC stimmte dem sicherlich voll zu, als sie das Tuch als das „neue Machtsymbol“ der Frau bezeichnete. Sind Tücher und Schals also ein Statussymbol oder ein umwerfendes Modeaccessoire?

Das Fabelhafte an Tüchern, ob Vintage oder neu, mit Designerlabel oder einfach nur schön, ist ihre Vielseitigkeit und ihr zeitloser Stil.
Vor Kurzem habe ich meine Schwester angerufen und ihr gesagt, dass ich begeistert war, beim Aufräumen meines Schranks ein Kleidungsstück gefunden zu haben, das ich liebe, aber seit Jahren nicht mehr getragen habe, und es mir immer noch passt! Da sie wusste, dass ich wie die meisten von uns einige Coronapfunde zugelegt hatte, fragte sie: „Das ist ja fabelhaft! Was ist es?“
Und ich antwortete: „Ein Schal!“



