Mit viel Fachwissen und Leidenschaft widmete sich der Bremer Unternehmer Hinrich Bischoff (1936-2005) über viele Jahre der Erweiterung seiner Sammlung altmeisterlicher Gemälde, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Als krönenden Abschluss des Auktionsjahres 2020 darf das Kölner Auktionshaus Lempertz, das in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen feiert, 22 Werke dieser herausragenden Sammlung versteigern.
So exzeptionell wie die Sammlung Bischoff an sich ist auch ihr Highlight: Das letzte "Nachtbild" des französischen Ausnahmemalers Georges de La Tour in privater Hand. Die übrigen befinden sich in bedeutenden Museen wie dem Louvre, wo Georges de La Tours bekanntestes Werk, Magdalena mit der Öllampe, bewundert werden kann.

Am 8. Dezember wird bei Lempertz nun La Fillette au braisier ("Mädchen, in ein Kohlebecken blasend") von ca. 1646-48 angeboten, das mit seinem Schätzpreis von 3-4 Millionen Euro das Potential hat, den aktuellen deutschen Auktionsrekord für ein Altmeistergemälde, der 2012 ebenfalls bei Lempertz erzielt worden war, zu übertrumpfen.

Unbedingt hervorgehoben werden muss auch das Gemälde Der Geldverleiher des niederländischen Malers Marinus van Reymerswale, der sich nur ein einziges Mal diesem Thema widmete. Allgemein sind Originale des Meisters rar gesät. Beide Tatschen kombiniert ergeben, dass Der Geldverleiher das bedeutendste Werk Marinus van Reymerswales, das in den letzten 30 Jahren international angeboten wurde.

Weitere Gemälde der Sammlung Bischoff stammen von Malern wie Philips Wouwerman, Sebastian Vrancx, Ossias Beert, Melchior de Hondecoeter und Quinten Massys. Letzter ist mit einer empfindsamen Darstellung der Betenden Madonna in der Auktion vertreten.
Ansonsten ist die Auktionsreihe von Lempertz Anfang Dezember der Modernen und Zeitgenössischen Kunst gewidmet, die am 9. Dezember in einem Day Sale sowie am 8. Dezember in einem Evening Sale angeboten wird. Auch hier möchten wir Ihnen eine Highlights vorstellen.

Einen "klassischen" Heckel haben wir mit dem Gemälde Frauen im Wald von 1922 vor uns, das mit seinen noch immer frischen Farben besticht. Die schlanken Gestalten der Dargestellten finden sich nicht nur in Erich Heckels Gemälden und Zeichnungen, sondern auch in seinem bildhauerischen Werk.

Mit Ohne Titel (Badende) begab sich Karel Appel 1962 auf die Spuren seiner vielen Vorgänger der Kunstgeschichte, die sich diesem beliebten Thema gewidmet hatten. Während die Badenden selbst und die runde Sonne gut erkennbar sind, lassen andere Bildelemente Raum zur Spekulation.

Während seines Exils in der Schweiz abstrahierte Alexej von Jawlenksy nicht nur seine "Kopfbilder", sondern auch den Blick aus dem Fenster seines Ateliers. Aus diesem „Variationen über ein landschaftliches Thema“ genannten Bildkomplex kommt Purpurgold (Herbst) zum Aufruf.

Aus dem Spätwerk von Maurice Utrillo stößt das Ölgemälde Moulin de la Galette à Montmartre zur Offerte dazu. Wie so oft hat der Maler hier ein Stück seiner Heimat, das berühmte Künstlerviertel im Norden von Paris, festgehalten.

Auch von Serge Poliakoff kommt eine seinem Spätwerk entstammende Arbeit zum Aufruf. Hier sind die sonst von seiner Hand gewohnten Kontraste und klar abgesetzte Strukturen zugunsten einer an Monochromie grenzenden harmonischen Farbgebung gewichen.

Von Roy Lichtenstein liegt ein Werk vor, das man zunächst vielleicht gar nicht als Werk von Roy Lichtenstein wahrnimmt, fehlt es ihm doch an dem Comicstil, für den der Pop Art-Künstler weltbekannt ist. Das dieser 1954 auf dem Weg dahin war, lässt The Valve ("Das Ventil") jedoch bereits erahnen.

Von Lichtensteins Pop Art-Kollegen Andy Warhol kommt die Farbserigrafie Madonna and Self-Portrait with Skeleton's Arm (After Munch) zum Aufruf. Tatsächlich handelt es sich um ein Unikat aus einer kleinen Serie von unikaten Farbvarianten.

1990, dem Jahr aus dem sein in der Auktion vorliegendes Kunstobjekt Half Solid Tube Piece aus Sperrholz und Aluminium entstand, eröffnete Donald Judd ein Atelier in Köln. Damals war es beinahe dreißig Jahre her, dass Judd von der zwei- zur dreidimensionalen Kunst gewechselt hatte. Judd gilt als einer der bedeutendsten Künstler der New Yorker Minimalismus-Szene der 1960er Jahre.

Von einem Projekt, zu dem es nie gekommen ist, zeugt die Collage Mein Kölner Dom, Wrapped von Christo. Dieser hatte gemeinsam mit seiner Frau Jeanne-Claude 1980 die Verhüllung des weltberühmten Kirchenbaus geplant. Mit der Domstadt am Rhein verband das Künstlerehepaar ein ganz besonderes Ereignis: Das erste gemeinsame Projekt im Jahr 1961.
Beachten Sie auch die Asiatika-Auktionen, die Lempertz am 15. und 16. Dezember präsentieren wird. Den Auftakt zu den Dezember-Auktionen bildet jedoch am 7. Dezember die Versteigerung "Photographie", die auch einen Katalog umfasst, der ausschließlich frühe Aufnahmen der Stadt Rom beinhaltet.



