45,1 Millionen GBP (ca. 53 Millionen Euro) inklusive Aufgeld erzielte Christie’s insgesamt mit seiner Old Masters-Auktion am 8. Juli in London. Trotz drei vom Verkauf zurückgezogenen Losen, darunter das Porträt eines englischen Edelmannes von Anthonis van Dyck, das auf drei Millionen GBP geschätzt worden war, kam ein solides Ergebnis zustande, sogar das höchste für einen Evening Sale in dieser Kategorie im Londoner Hauptquartier von Christie’s seit 2016. Wie das Auktionshaus bekannt gab, wurden 78% der Lose verkauft, 75% davon gingen an Bieter aus Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Gemäß den Berechnungen der Experten von ArtTactic betrug der durchschnittliche Zuschlagspreis 811.457 GBP (ca. 949.000 Euro).

„Wir haben dem Markt für Alte Meister einen echten Schub gegeben“, sagt Henry Pettifer, Leiter der Abteilung für alte Gemälde bei Christie’s in London. Nicht weniger als sieben Künstlerrekorde wurden in der Auktion erzielt. Jeweils den zweithöchsten Auktionspreis erzielten Werke von Artemisia Gentileschi und Angelika Kauffmann (zwei der nur drei Künstlerinnen der Auktion). Laut Clementine Sinclair, Leiterin der Old Masters Evening Sales bei Christie’s in London, hat die Nachfrage nach Werken weiblicher Meister in letzter Zeit ihren Höhepunkt erreicht, was die intensiven Bieterkriege am 8. Juli um eben jene drei Werke verdeutlichten.
Lesen Sie auch: Auf steinigen Pfaden: Künstlerinnen zwischen Renaissance und Aufklärung
Zu diesen Überfliegern der Auktion gehörte auch der französische Barockmaler und Caravaggist Georges de La Tour (1593-1652), dessen Werke nur selten in Privatbesitz anzutreffen sind. Tatsächlich umfasst das Œuvre de La Tours nur 48 bekannte Werke, sodass ihr seltenes Auftauchen auf dem Auktionsmarkt immer wieder von Spannung begleitet wird. „Es gibt so wenige von ihnen“, sagt Henry Pettifer. „Ihre Preise spiegeln die große Bedeutung des Künstlers und ihre Seltenheit wieder.“

Das am 8. Juli angebotene Werk, ein Bildnis des Heiligen Andreas aus den frühen 1620er Jahren, erzielte 4,28 Millionen GBP inklusive Aufgeld (ca. 5,01 Millionen Euro) und lag damit nur knapp über dem unteren Schätzpreis von 4 Millionen GBP. Das reichte aber völlig aus, um einen neuen Auktionsrekord für den Künstler aufzustellen. Der bis dato aktuelle Rekordpreis war am 8. Dezember 2020 bei Lempertz in Köln mit La Fillette au brasier erzielt worden, das für 4,34 Millionen Euro inklusive Aufgeld den Besitzer gewechselt hatte. Bei Christie’s interessierte sich laut ARTNews nur ein einziger Bieter für de La Tours Werk (was das niedrige Ergebnis natürlich erklärt). Er gab sein Gewinnergebot via Telefon ab, das in mit John Stainton, Vizepräsident der Abteilung für Alte Meister bei Christie’s in London, verband.
Lesen Sie auch: Deutscher Altmeister-Rekord bei Lempertz
Das 62 x 50,5 cm messende Bildnis des Heiligen Andreas ist eines der nur sechs erhaltenen Gemälde aus der ursprünglich 13-teiligen Serie der Apostel von Albi. Die Darstellung der Heiligen ist sehr schlicht gehalten, sodass man sie mit einfachen Bürgern oder Bauern verwechseln könnte. Dennoch steht der religiöse Charakter dieser Werke völlig außer Zweifel. Das Gemälde zeigt einen in sich ruhenden Andreas vor der Crux decussata (jenes x-förmige Kreuz, das der Überlieferung nach das Werkzeug seines Martyriums gewesen war), dessen Blick auf ein aufgeschlagenes Buch gerichtet ist.
Als raffiniertes Detail ist die Hell-Dunkel-Komposition des Mantels hervorzuheben, die die Meisterschaft des noch jungen Malers bereits erahnen lässt. Die dunkle Atmosphäre, die für die Albi-Serie charakteristisch ist, wird durch das Rot des Mantels unterbrochen, eine Farbe, die de La Tours gesamten Œuvre dominieren wird.
Lesen Sie auch: Lady in Red: 5 gemalte Damen in Rot
Christie’s Old Masters Evening Sale war auch der Schauplatz von sechs weiteren Auktionsrekorden und steigerte die Bewertung der Künstler Bernardo Bellotto, Adriaen van de Velde, Francesco Tironi, Gregorio di Cecco, Marco Ricci und des Meisters des Sterbini-Diptychons. Bellottos Ansicht von Verona mit dem Ponte delle Navi wurde zum Star-Los des Abends, als es für 10,5 Millionen GBP (ca. 12,28 Millionen Euro) inklusive Aufgeld an einen Telefonbieter verkauft wurde. Auch hier wurde der Schätzpreis (12-18 Millionen GBP) nicht übertroffen, reichte aber ebenso für einen neuen Auktionsrekord des Künstlers.
Lesen Sie auch: Die anhaltende Anziehungskraft der Alten Meister

Die 1,5 x 2,5 m messende Vedute war seit fünfzig Jahren zum ersten Mal wieder auf dem Markt angeboten worden. Seit 1973 durfte die National Gallery of Scotland als Leihgabe präsentieren. Bellotto (1721/22-1780) malte das großformatige Werk um 1746 im Alter von etwa vierundzwanzig Jahren. Als Neffe des Vedutenmalers Antonio Canal (beide erhielten den Beinamen „Canaletto“), wurde Bellottos Talent früh erkannt. Seine Werke Werke eichene sich gegenüber denen seines Onkels durch eine tiefgreifendere Substanz aus.
Lesen Sie auch: Canaletto und sein Blick auf Venedig
„Es war eine umfangreichere Auktions als sonst“, meint Clementine Sinclair. „Ich denke, das lag teilweise daran, dass wir im vergangenen Juli keinen Old Masters Evening Sale hatten und daher eine gewisse Nachfrage seitens von Sammlern bestand, die verkaufen wollten.“
Weitere Neuigkeiten vom Auktionsmarkt finden Sie im Barnebys Magazin.




