Am 11. Mai 1998 waren im Münchener Auktionshaus Quittenbaum erstmals die Worte „Zum Ersten, zum Zweiten und zum …Dritten!“ zu hören. Jugendstil stand damals auf dem Programm, der auch heute noch einer der Grundpfeiler des Hauses ist. Im Jahr darauf folgte mit der ersten Versteigerung von Bauhaus-Designs eine weitere mittlerweile etablierte Paradedisziplin von Quittenbaum.
Design steht auch diesen Monat im Fokus, wenn Quittenbaum am 27. Juni mit dem Katalog „Schools of Design“ zur Jubiläumsauktion bittet. In knapp 200 Losen sind hier bedeutende Vertreter der verschiedenen Design-Bewegungen des 20. Jahrhunderts vertreten, von Henry van der Velde und dem Jugendstil über Ludwig Mies van der Rohe und dem Bauhaus bis Ingo Mauerer und seinen einzigartigen Lichtkreationen.

Ein sensationelles Highlight der Offerte ist gleichzeitig auch eines der ältesten Objekte: ein Pianino, das Peter Behrens 1905 für den Klavierhersteller Ibach entworfen hatte. Die Inspiration für das aus geometrischen Mustern bestehende klare Design hatte er kurz zuvor auf einer Italienreise erhalten, wo er an der Fassade der Kirche San Miniato al Monte bei Florenz die Inkrustation im Stil der Protorenaissance bewundert hatte. Der Architekt, Designer, Maler und Typograf Behrens, ein Pionier des Industriedesigns, ließ den Inkrustationsstil in der Folge in viele seiner Entwürfe einfließen, so auch in die Gestaltung des Pianinos.
Drei Exemplare führte Ibach von dem Instrument aus: Eine Version aus Amaranth, die in Dresden und 1906 bei der Weltausstellung in Mailand gezeigt wurde, sowie eine Version aus Mahagoni, die in die Ibach-Niederlassung in Moskau gelangte. Der Verbleib beider Klaviere ist unbekannt. Dies galt auch für das vorliegende Exemplar aus Nussbaum, das 1905 Teil eines Wohnzimmer-Ensembles des Berliner Kaufhauses Wertheim wurde. Doch dann tauchte es 2018 anlässlich einer Ausstellung im Museum für angewandte Kunst in Köln, mit der Peter Behrens 150. Geburtstag gefeiert wurde, wieder auf. Aktuell wird das Pianino im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg ausgestellt.

Wie Musik klingt der Name des nächsten Highlights: Dondolo, das italienische Wort für Schaukelstuhl. Dieser spezielle dondolo wurde 1967 von Cesare Leonardi und Franca Stagi entworfen und bei Elco in Venedig aus fiberglasverstärktem Polyester in seine mit schlichter Eleganz bestechende Form gebracht.

Mit fünfzehn Objekten ist der einflussreiche französische Designer Philippe Starck in der Auktion vertreten. Der hier gleich paarweise angebotene W.W. Stool wurde 1990 bei Vitra Design in Weil am Rhein als Aluminiumguss ausgeführt und türkisfarben lackiert. Die organische Form des Sitzmöbels erscheint wie von einem anderen Stern und macht das Sitzen zu einem surrealistischen Erlebnis.

Der gute Ruf, den Quittenbaum in der vergangenen 25 Jahren aufbauen konnte, wird auch dadurch unterstrichen, das dem Auktionshaus regelmäßig ganze Sammlungen zur Versteigerung anvertraut werden. Und im Jubiläumsmonat ist das nicht anders. Mit „Made in Italy“ betitelt, umfassen die 230 Lose des Katalogs „Design von Alessi bis Zanotta“. Zu den Highlights der in über 45 Jahren zusammengetragenen Sammlung zählt der Sessel Joe, der mit seiner revolutionären Gestaltung in Form eines überdimensionierten Baseballhandschuhs in den frühen 1970er Jahren für Furore sorgte.
Nachdem am 28. Juni 355 Lose mit den Schöpfungen internationaler Designer angeboten werden, widmet sich Quittenbaum am 29. Juni zunächst Autoren- und Künstlerschmuck.

Hier ist Prof. Hermann Jüngers ein Name, der sich nicht ignorieren lässt, war Jünger in den 50 Jahren seiner Tätigkeit ein innovativer Pionier auf dem Gebiet. Jünger ist mit zehn Arbeiten in der Auktion vertreten, von denen die meisten aus einer norddeutschen Privatsammlung stammen. So auch dieser fantasievolle Halsschmuck, der noch im Jahr seiner Schöpfung, 1969, direkt beim Künstler erworben wurde.

Den Abschluss der Jubiläumsauktionsreihe bildet am 29. Juni die Versteigerung von moderner und zeitgenössischer Kunst. Als Top-Lose kommen hier zwei Werke des Leipziger Malers Matthias Weischer zum Aufruf, dessen Arbeiten seit 2001 in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen zwischen New York und Tokio gezeigt werden. Auch die beiden vorliegenden Werke können eine Ausstellungshistorie vorweisen und sind wunderbare Beispiele für Weischers Kompositionen räumlicher Illusionen. Beide Arbeiten entstanden zu jener Zeit, als Weischer im Rahmen der Rolex Mentor und Meisterschüler Initiative von David Hockney als Protegé ausgewählt worden war und an der 51. Biennale von Venedig teilnahm – im Gepäck das hier vorliegende Gemälde Studio von 2005.
Die Jubiläumsauktionen finden vom 27.-29. Juni im Auktionshaus Quittenbaum, Theresienstraße 60, in München statt. Die Ausstellung ist dort vom 22.-26. Juni geöffnet. Beachten Sie, dass dort aus dem „Made in Italy“-Katalog nur einige Highlights gezeigt werden. Alle weiteren können in Markt Schwaben besichtigt werden.
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