Alpen-Kosmoramen an der Ostsee

Im Juni bleibt das Auktionshaus Satow nicht nur in heimischen Gefilden, sondern bis nach Oberbayern und wandelt dort auf den Spuren des Märchenkönigs.

Alpen-Kosmoramen an der Ostsee

Unter den 932 Losen des aktuellen Katalogs des Auktionshauses Satow gibt unter den angebotenen Gemälden, Antiquitäten und Schmuckstücken allerhand zu entdecken. Unter anderem zwei Arbeiten des österreichischen Malers Hubert Sattler, die er mit seinem Pseudonym "J. Stauffer" signiert hat.

Die beiden Bilder zeigen das berühmteste Schloss des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II., Neuschwanstein, sowie das benachbarte Schloss Hohenschwangau, das aus dem 16. Jahrundert stammt und von Ludwigs Vater König Maximilian II. im Neogotischen Stil umgebaut worden war.

Hubert Sattler (1817-1904), "Schloß Neuschwanstein", Öl/Holz, signiert Pseudonym
"J.Stauffer" | Foto: Auktionshaus Satow
Hubert Sattler (1817-1904), "Schloß Neuschwanstein", Öl/Holz, signiert Pseudonym "J.Stauffer" | Foto: Auktionshaus Satow

Im Hintergrund beider Schlösser ist jeweils der Alpsee zu sehen, die Ansicht Hohenschwangaus hat Sattler vermutlich vom höher gelegenen Schloss Neuschwanstein aus gemalt. Die Ölgemälde sind nicht datiert, doch lässt sich eine ungefähre Datierung anhand des abgebildeten Bauzustandes von Schloss Neuschwanstein vornehmen, in dem es sich seit seiner (äußeren) Fertigstellung im Jahr 1892 befindet.

Hubert Sattler (1817-1904), "Schloß Hohenschwangau", Öl/Holz, signiert Pseudonym
"J.Stauffer" | Foto: Auktionshaus Satow
Hubert Sattler (1817-1904), "Schloß Hohenschwangau", Öl/Holz, signiert Pseudonym "J.Stauffer" | Foto: Auktionshaus Satow

Hubert Sattler übernahm das Sujet der landschaftlichen Panoramamalerei von seinem Vater Johann Michael Sattler, der vor allem für seine bedeutende, 26 Meter lange Ansicht von Salzburg bekannt ist. Hubert Sattler schuf nicht nur Panoramen, sondern eine im 19. Jahrhundert beliebte Variante davon: das Kosmorama. Dabei wurden Panoramagemälde oder auch Landschaftsfotografien ihrem Publikum unter hellem Licht und durch ein Vergrößerungsglas hindurch präsentiert, sodass sie lebensgroß erschienen. Vielleicht ein Vorläufer der Virtual Reality?

Karlheinz Kuhn (1930 Leipzig-2001 Rostock), "Promenade in Warnemünde mit Blick auf
Leuchturm und Teepott", Öl/Mp., signiert und datiert, 1992 | Foto: Auktionshaus Satow
Karlheinz Kuhn (1930 Leipzig-2001 Rostock), "Promenade in Warnemünde mit Blick auf Leuchturm und Teepott", Öl/Mp., signiert und datiert, 1992 | Foto: Auktionshaus Satow

Zurück an der Ostseeküste begeben wir uns ins Seebad Warnemünde in Rostock. Dort hat der Wahl-Rostocker Karlheinz Kuhn 1992 die Promenade mit Leuchtturm und Teepott festgehalten. Der Teepott ist ein ein Restaurant in Warnemünde, dessen 1968 errichtetes Gebäude ein Beispiel der Hyparschalenarchitektur ist und der seinen Namen dem Teepavillon verdankt, der zuvor an seiner Stelle auf der Promenade stand.

Paul Kuhfuss (1883 Berlin 1960), "Seerosenteich", Öl/SH, signiert und datiert, 1943 | Foto: Auktionshaus Satow
Paul Kuhfuss (1883 Berlin 1960), "Seerosenteich", Öl/SH, signiert und datiert, 1943 | Foto: Auktionshaus Satow

Ein regelmäßiger Besucher der Ostseeküste war der Berliner Maler Paul Kuhfuss. Kuhfuss malte die dortige Landschaft und das nicht nur tagsüber, sondern auch nachts mit dem Mond als Lichtquelle. Im vorliegenden Fall hielt er so 1943 einen Seerosenteich fest, zehn Jahre zuvor den Jamunder See bei Köslin (Koszalin).

Dora Koch Stetter (1881 Bayreuth-1968 Ahrenshoop-Althagen), "Zwei Fische", Gouache, signiert, um 1910 | Foto: Auktionshaus Satow
Dora Koch Stetter (1881 Bayreuth-1968 Ahrenshoop-Althagen), "Zwei Fische", Gouache, signiert, um 1910 | Foto: Auktionshaus Satow

Dora Koch-Stetter, die zu jenem Zeitpunkt als Zeichenlehrerin in Berlin arbeitete, kam 1911 zum ersten Mal nach Ahrenshoop, wo sie ab 1927 mit ihrem Mann, dem Zeichner Fritz Koch-Gotha, ein Haus besaß, dass sie ab 1944 dauerhaft bewohnten. Mit der um 1910 entstandene Gouache zweier Fischen könnte Koch-Stetter einen ihrer ersten Eindrücke an der Ostsee festgehalten haben.

Friedrich Karl Gotsch (1900 Pries, Kreis Eckenförde-1984 Schleswig) attr., "Blumen in der Vase", Öl/Lwd., monogrammiert | Foto: Auktionshaus Satow
Friedrich Karl Gotsch (1900 Pries, Kreis Eckenförde-1984 Schleswig) attr., "Blumen in der Vase", Öl/Lwd., monogrammiert | Foto: Auktionshaus Satow

Mit dem höchsten Schätzpreis der Offerte kommt ein Friedrich Karl Gotsch zugeschriebenes Gemälde zum Aufruf. Gotsch war Expressionist, der zu Beginn seiner Karriere stark vom Symbolismus Edvard Munchs beeinflusst war. 1921-23 war er Meisterschüler von Oskar Kokoschka in Dresden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er eine Zweigstelle des Baukreises, einer Kunstschule nach Vorbild des Bauhauses, in St. Peter bei Eiderstedt.

Neben einer prächtigen Kette mit großen grauen Tahiti-Perlen begeisterst in der Schmuckofferte der Auktion die Auswahl mit Diamanten besetzten Stücken. Zu einem Set können ein Collier sowie ein Paar Ohrringe aus Weißgold zusammengefügt werden, die unter zwei unterschiedlichen Losnummern zum Aufruf kommen. Sowohl die Kette als auch der Ohrschmuck ist jeweils mit Brillanten von ca. 1,0 ct besetzt.

Links: WG-Collier mit Brillanten Mitte: WG-Ring mit Saphir und Brillanten Rechts: WG-Ohrringe mit Brillanten Unten: Art Déco-Armband aus Platin und WG mit Brillanten, ca. 1915/20 | Fotos: Auktionshaus Satow
Links: WG-Collier mit Brillanten Mitte: WG-Ring mit Saphir und Brillanten Rechts: WG-Ohrringe mit Brillanten Unten: Art Déco-Armband aus Platin und WG mit Brillanten, ca. 1915/20 | Fotos: Auktionshaus Satow

Nicht weniger anziehend ist ein originales Art Déco-Armband aus Platin und Weißgold, das um 1915/20 mit Brillanten von ca. 2,7 ct besetzt wurde. Ebenfalls sehr schön ist ein Weißgoldring, bei dem jedoch ein Saphir von exzellenter blauer Farbe (1,72 ct) den Brillanten die Show stiehlt.

Louis XVI-Kommode, Nussbaum furniert, Intarsien und Porzellanplaketten | Foto: Auktionshaus Satow
Louis XVI-Kommode, Nussbaum furniert, Intarsien und Porzellanplaketten | Foto: Auktionshaus Satow

Freunde antiker Möbel können sich über klassische Stücke von Barock bis Biedermeier freuen. Schon stark von der Strenge des Klassizismus durchdrungen ist eine Louis XVI-Kommode aus Nußbaumfurnier und reichem Intarsiendekor aus unterschiedlichen Hölzern, die sich als zentrales Motiv auf der Schauseite zu einer antiken Vase auf einem Podest zusammenfügen. Ergänzend wurde die Kommode mit Porzellanplaketten verziert, die mit weiblichen Motiven bedruckt sind.

Jugendstil-Wandbrunnen, Majolika, polychrom bemalt, reliefiert mit floralen, figuralen
und Muschelmotiven | Foto: Auktionshaus Satow
Jugendstil-Wandbrunnen, Majolika, polychrom bemalt, reliefiert mit floralen, figuralen und Muschelmotiven | Foto: Auktionshaus Satow

Ein eher ungewöhnliches Stück ist ein Jugendstil-Wandbrunnen aus polychrom bemalter Majolika, der mit Putti, Muscheln und floralen Motiven verziert wurde. Vergleicht man den Brunnen mit ähnlichen Stücken jener Epoche, ist zu bemerken, dass Putti ein geläufiges Element der Verzierung waren, beispielsweise bei einem Wandbrunnen von Michael Powolny in Wien und Karl Maximilian Würtenberger in Karlsruhe.

Die Auktion findet am 15. Juni im Auktionshaus in der Sonnenstraße 8 in Satow statt. Die Ausstellung zur Auktion ist dort am 8. Juni sowie vom 11.-14. Juni geöffnet.

Entdecken Sie den gesamten Katalog zur Auktion gleich hier!

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