Neuer Rekord für Giovanni Giacometti bei Koller?

Ein grandioses Panorama, das Giovanni Giacometti 1898 vom Muottas Muragl malte, ist das Top-Los der Juni-Auktionen bei Koller in Zürich und könnte für einen neuen Künstlerrekord sorgen.

Neuer Rekord für Giovanni Giacometti bei Koller?

Im Zuge seiner Auktionswoche vom 26.-29. Juni versteigert das Zürcher Auktionshaus Koller am Freitag, den 28. Juni ein grandioses Werk des Post-Impressionisten Giovanni Giacometti in einem speziell Schweizer Künstlern gewidmeten Verkauf. Das Panorama von Muottas Muragl wird mit einem Schätzpreis von 2,8-4 Millionen CHF (2.456.140-3.508.770 EUR) aufgerufen und könnte einen neuen Rekord für den Vater von Bildhauer Alberto Giacometti bringen. Der aktuelle Rekordpreis für Giovanni Giacometti wurde beinah auf den Tag genau vor drei Jahren ebenfalls bei Koller aufgestellt: Panorama von Flims (1904) wechselte am 24. Juni 2016 für 4,05 Millionen CHF den Besitzer und wird heute in der Fondation Saner in Studen ausgestellt.

Giovanni Giacometti (1868 Stampa – 1933 Glion), Panorama von Muottas Muragl, 4 Teile, Öl/Lwd., 1898 | Foto: Koller
Giovanni Giacometti (1868 Stampa – 1933 Glion), Panorama von Muottas Muragl, 4 Teile, Öl/Lwd., 1898 | Foto: Koller

Das Panorama von Muottas Muragl stammt aus Schweizer Privatbesitz und ist als Leihgabe im Bündner Kunstmuseum in Chur zu sehen. Der Ursprung des Werks war Auftrag, den Giacometti und sein Kollege, Freund und Vorbild Giovanni Segantini 1897 von der Schweizer Tourismusbranche erhalten hatten: Die Ausführung eines großformatige Rundgemäldes, das auf der Weltausstellung in Paris 1900 gezeigt werden sollte. Daraus wurde jedoch nichts und Giacomettis Skizzen bleiben vorerst unbenutzt.

Eines der beiden inneren Bildfelder von Giacomettis "Panorama von Muottas Muragl" | Foto: Koller
Eines der beiden inneren Bildfelder von Giacomettis "Panorama von Muottas Muragl" | Foto: Koller

Das änderte sich jedoch bereits im Oktober des Jahres, als Giacometti einen anderen Auftrag erhielt: Die Dekoration des Chalets von Anna von Planta in St. Moritz-Bad. Das vierteilige, insgesamt 67 x 510 cm messende Panorama von Muottas Muragl, das Giacometti für das Esszimmer des Chalets anfertigte, bildete das Herzstück dieses Auftrags.

Ferdinand Hodler (1853 Bern – 1918 Genf), Schreitende, Öl/Lwd., signiert, um 1910 | Foto: Koller
Ferdinand Hodler (1853 Bern – 1918 Genf), Schreitende, Öl/Lwd., signiert, um 1910 | Foto: Koller

Neben Giovanni Giacometti sollten auch Cuno Amiet und Ferdinand Hodler Giovanni Segantini bei dem ursprünglichen Projekt unterstützen. Auch von diesen drei Künstlern kommen mehrere Werke bei Koller zum Aufruf.

Cuno Amiet (1868 Solothurn – 1961 Oschwand), Die Obsternte, Öl/Lwd., monogrammiert, 1912 | Foto: Koller
Cuno Amiet (1868 Solothurn – 1961 Oschwand), Die Obsternte, Öl/Lwd., monogrammiert, 1912 | Foto: Koller

Mit Adolf Dietrich ist ein weiterer Maler in der Offerte vertreten, der die Schönheit seiner Schweizer Heimat in seinen Landschaftsbildern einzufangen verstand. Ebenso kommt die tiefe Naturverbundenheit des Autodidakten wiederholt zum Tragen, so auch im vorliegenden Abend am See mit roten Wolken von 1915.

Adolf Dietrich (1877 Berlingen 1957), Abend am See mit roten Wolken, Öl/Karton, signiert und datiert, 1915 | Foto: Koller
Adolf Dietrich (1877 Berlingen 1957), Abend am See mit roten Wolken, Öl/Karton, signiert und datiert, 1915 | Foto: Koller

Auf die Schweizer Kunst folgen am 28. Juni Werke internationaler Impressionisten und Vertretern der Klassischen Moderne. Angeführt wird diese Offerte von Alfred Sisleys Autour de la forêt, juin, das 1885 in Moret bei Fontainebleau, Sisleys damaligen Wohnort, entstanden war.

Alfred Sisley (1839 Paris - 1899 Moret-sur-Loing), Autour de la forêt, juin, Öl/Lwd., signiert, um 1885 | Foto: Koller
Alfred Sisley (1839 Paris - 1899 Moret-sur-Loing), Autour de la forêt, juin, Öl/Lwd., signiert, um 1885 | Foto: Koller

Aus der kurzen, Période Vache genannten Schaffensphase René Magrittes wird Les voies et moyens angeboten. 1947/48 hatte sich Magritte von seinem früheren Stil ab- und einem neuen Stil zugewendet, der aktuelle Karikaturen und Comics sowie die Farbexplosionen der Fauves in sich vereinte.

René Magritte (1898 Lessines - 1967 Brüssel), Les voies et moyens, Gouache u. Gold/Papier, signiert und datiert, 1948 | Foto: Koller
René Magritte (1898 Lessines - 1967 Brüssel), Les voies et moyens, Gouache u. Gold/Papier, signiert und datiert, 1948 | Foto: Koller

Magrittes Ziel war es, das Pariser Publikum, das ihm in der Vergangenheit wiederholt die kalte Schulter gezeigt hatte, zu schockieren und vorzuführen, was ihm in der Ausstellung in der Galerie du Faubourg im Frühjahr 1948 auch gelang. Müßig zu erwähnen, dass die Ausstellung kein finanzieller Erfolg war...

Robert Mangold (*1937 North Tonawanda), Red with Green Ellipse / Black frame, Acryl u. Bleistift/Lwd., signiert und datiert, 1988/89 | Foto: Koller
Robert Mangold (*1937 North Tonawanda), Red with Green Ellipse / Black frame, Acryl u. Bleistift/Lwd., signiert und datiert, 1988/89 | Foto: Koller

Auf Impressionismus & Klassische Moderne folgen am 29. Juni Grafik & Multiples und PostWar & Contemporary. Hervorragend präsentiert sich hier die amerikanische Avantgarde der Nachkriegszeit, die mit Minimalismus, Pop Art und Abstraktem Expressionismus neue, eigene Wege beschritt.

Theodoros Stamos (1922 New York - 1997 Ioannina/Griechenland), Hovering Yellow Sun Box, Acryl/Lwd., signiert und datiert, 1967 | Foto: Koller
Theodoros Stamos (1922 New York - 1997 Ioannina/Griechenland), Hovering Yellow Sun Box, Acryl/Lwd., signiert und datiert, 1967 | Foto: Koller

Zu den Highlights zählen Red with Green Ellipse / Black frame (1988/89) von Robert Mangold, Hovering Yellow Sun Box (1967) von Theodoros Stamos und The Tree (1944) von Hans Hofmann.

Hans Hofmann (1888 Weissenburg/Bayern - 1966 New York), The Tree, Öl u. Gouache/Velin, signeirt, 1944 | Foto: Koller
Hans Hofmann (1888 Weissenburg/Bayern - 1966 New York), The Tree, Öl u. Gouache/Velin, signeirt, 1944 | Foto: Koller

Keiner Kunstrichtung zuordnen lassen sich die Werke von Alfred Julio Jensen. Die Grundlage dieses Alleinstellungsmerkmals bildete die frühe Erziehung des in Guatemala geborenen Jensen durch ein Maya-Kindermädchen, die ihn mit der Bedeutung von Flächen, Farben und Grenzen vertraut machte.

Alfred Julio Jensen (1903 Guatemala-City - 1981 Livingston/New Jersey), Temple of Numbers at Paestum, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1961 | Foto: Koller
Alfred Julio Jensen (1903 Guatemala-City - 1981 Livingston/New Jersey), Temple of Numbers at Paestum, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1961 | Foto: Koller

Später entdeckte Jensen seine ihm eigene Formsprache weniger an Kunstschulen, denn auf ausgedehnten Reisen, die ihn auch nach Griechenland und Italien führten, wo die Überbleibsel der antiken Kulturen die ihm eigene archaische Auffassung von Kunst ergänzten.

Johannes Itten (1888 Südern-Linden - 1967 Zürich), Quadrate in Bewegung, Öl/HF, signiert und datiert, 1958 | Foto: Koller
Johannes Itten (1888 Südern-Linden - 1967 Zürich), Quadrate in Bewegung, Öl/HF, signiert und datiert, 1958 | Foto: Koller

Natürlich sind in der Auktion auch Künstler von diesseits des Atlantiks vertreten, darunter Johannes Itten mit Quadrate in Bewegung von 1958 und Jean Fautrier mit La passoire von 1947.

(Jean Fautrier (1898 Paris - 1964 Châtenay-Malabry), La passoire, Öl/Velin/Lwd., signiert, 1947 | Foto: Koller
(Jean Fautrier (1898 Paris - 1964 Châtenay-Malabry), La passoire, Öl/Velin/Lwd., signiert, 1947 | Foto: Koller

Ebenfalls freuen darf man sich auf die übrigen Auktionstage, die diesen großartigen Versteigerungen vorausgehen: Der Vormittag des 26. Juni ist Schmuck und Juwelen gewidmet, bevor am Nachmittag Armband- und Taschenuhren zum Aufruf kommen. Besonders zu erwähnen sind hier einige seltenen Modell von Patek Philippe, Audemars Piguet, Cartier, A. Lange & Söhne und weiterer gesuchter Marken. Der 27. Juni hat zunächst Design und eine Sammlung mit Glaskunst aus Murano im Angebot, gefolgt von Art Déco & Jugendstil sowie Fotografie.

Die Ausstellung zu der großartigen Auktionswoche bei Koller ist vom 20.-25. Juni zugänglich. Sie findet, wie auch die Versteigerungen, in der Hardturmstrasse 102 in Zürich statt.

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