Wenn der Wert einer Offerte von nur 12 Kunstwerken auf insgesamt 450 Millionen US-Dollar geschätzt wird, kann man davon ausgehen, dass man es ausschließlich mit Spitzenkunst zu tun hat. Und genau das ist der Fall, wenn Sotheby’s am 18. November in New York 12 Meisterwerke aus der Blaquier-Arrieta Collection auf die Auktionsbühne holt.
Die bemerkenswerte Sammlung wurde vom Ehepaar Carlos Pedro Blaquier (1927-2023) und Nelly Arrieta de Blaquier (1931-2020) zusammengetragen. Nelly Arrieta de Blaquier war die Alleinerbin des argentinischen Zuckerunternehmens Ledesma. 1951 heiratete sie Carlos Pedro Blaquier, der die Geschäftsleitung 1970 übernahm. Schon bald darauf reiste das Ehepaar regelmäßig nach London, dem damaligen Hotspot des Kunsthandels, und erwarb dort viele Spitzenwerke, von denen einige diesen Herbst in New York versteigert werden. Vor allem Nelly Arrieta de Blaquier war mit Leidenschaft dabei. Sie war sowohl in ihrer Heimat, als auch auf internationaler Ebene eine engagierte Förderin von Kunst und Kultur, die die Position der Präsidentin der Freunde des Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires genauso innehatte wie die eines Mitglieds des International Council des Museum of Modern Art in New York und des Internationalen Komitees der Freunde des Musée d’Orsay in Paris. Darüberhinaus unterstützte die Philanthropin Projekte in den Bereichen Bildung und Medizin.
Am 30. September enthüllte Sotheby’s vier Gemälde der Sammlung in London. Dazu Helena Newman, Sotheby’s Chairman, Europe & Chairman, Impressionist & Modern Art Worldwide: „Es hat etwas Magisches, hier in London – wo ein Großteil der Sammlung ursprünglich erworben wurde – einige ihrer Glanzstücke zu enthüllen. Diese Gemälde hier zu betrachten, gleicht einer Reise zurück in die 1970er Jahre, als die Wände von Kunsthändlern wie Lefevre voller Schätze von einer Qualität waren, wie man sie heute nur noch selten findet. Die Sammlung ist eine Zeitkapsel jener goldenen Ära, und es ist uns ein großes Privileg, sie nun der Welt zu erschließen.“ Viele der Werke waren seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich zu sehen gewesen, darunter auch die beiden Top-Lose von Vincent van Gogh und Paul Cézanne, die im November neue Rekorde für ihre Schöpfer erzielen könnten.

Van Gogh ist mit Châtaigniers en fleurs vertreten, einem Meisterwerk, das er im Mai 1890 ausführte, kurz nachdem er in die Obhut von Dr. Gachet in Auvers-sur-Oise gegeben worden war, wo er die letzten beiden Monate seines Lebens verbringen sollte. Nach der Krise von Arles – inklusive abgeschnittenem Ohr – und dem darauffolgenden Aufenthalt in der Nervenheilanstalt von Saint-Rémy, waren die letzten Wochen im Leben van Goghs eine ausgesprochen produktive Zeit. Châtaigniers en fleurs war eines der ersten Bilder, die van Gogh in jenem letzten Abschnitt seines Lebens malte und ist nur eines von acht Gemälde aus jener Phase, die sich in Privatbesitz befinden. Das Ehepaar Blaquier erwarb es 1975 bei Wildenstein in New York, wo es zuletzt öffentlich zu sehen gewesen war. Im November wird Châtaigniers en fleurs mit einem Schätzpreis im Bereich von 180 Millionen US-Dollar aufgerufen. Der aktuelle Auktionsrekord für Vincent van Gogh wurde im November 2022 bei Christie’s New York aufgestellt, als Verger avec cyprès (1888) im Zuge der Versteigerung der Paul G. Allen Collection für 117,2 Millionen US-Dollar verkauft wurde.
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Paul Cézannes Arlequin wurde von den Blaquiers ebenfalls im Jahr 1975 erworben, allerdings bei Lefevre in London. Es ist das einzige der nur vier Gemälde umfassenden Harlekin-Serie in Privatbesitz. Die zwischen 1888 und 1890 ausgeführte Serie gilt als eines der beeindruckendsten Porträt-Projekte Cézannes, für das ihm sein Sohn Paul Modell saß. Der aktuelle Auktionsrekord für Paul Cézanne wurde ebenfalls 2022 im Zuge der Paul G. Allen-Auktion aufgestellt. Damals erzielte das Landschaftsgemälde Montagne Sainte-Victoire, das zur selben Zeit wie die Harlekin-Serie entstand, 137,8 Millionen US-Dollar. Ob Arlequin, das im November mit einem Schätzpreis im Bereich von 120 Millionen US-Dollar aufgerufen wird, das übertreffen kann, bleibt abzuwarten, liegt aber durchaus im Bereich des Möglichen.
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„Dies sind zwei der herausragendsten Werke der beiden Künstler – entstanden im Abstand von nur wenigen Jahren und seit einem halben Jahrhundert nicht mehr öffentlich zu sehen. Für eine Generation, die diese Gemälde bislang nur aus Werkverzeichnissen kannte, haben sie einen fast legendären Status erlangt. Schon das Angebot eines dieser Werke wäre ein Höhepunkt in der Laufbahn eines Kunsthändlers; beide gemeinsam in einer einzigen Auktion anzubieten, ist etwas wahrhaft Außergewöhnliches“, sagt Julian Dawes, Sotheby’s Vice Chairman, Head Of Impressionist & Modern Art, Americas.

Ein weiteres Highlight der Sammlung ist Pierre-Auguste Renoirs En Canot (Jeune fille à la barque) von 1877 (Schätzpreis 25-35 Millionen US-Dollar), das nun zum ersten Mal auf dem Auktionsmarkt erscheint. Zu sehen ist vermutlich Renoirs damals bevorzugtes Modell, Marguerite “Margot” Legrand, das auch in seinem im Jahr zuvor entstandenen Meisterwerk Bal du moulin de la Galette abgebildet ist.

Ebenfalls hervorzuheben sind zwei wundervolle Ansichten des Paris der Belle Époque, gemalt von Claude Monet und Camille Pissarro, die ihre Leinwand dafür jeweils an einem erhöhten Aussichtspunkt aufstellten.

Während Pissarro La Place du Théâtre-Français et l’avenue de l’Opéra, soleil d’après-midi en hiver 1898 vom Fenster eines Zimmers des Grand Hôtel du Louvre aus malte (Schätzpreis 30-40 Millionen US-Dollar), befand sich Monet 22 Jahre davor in einer Wohnung im fünften Stock in der Rue de Rivoli. Von dort hatte er einen hervorragenden Blick auf die einst königlichen Gärten, die er in dem vibrierenden Meisterwerk Le Jardin des Tuileries festhielt (Schätzpreis 15-20 Millionen US-Dollar).
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Die übrigen Werke aus der Blaquier-Arrieta Collection, die am 18. November zum Aufruf kommen, sind Edgar Degas’ Pastell Avant la course (ca. 1893; Schätzpreis 20-30 Millionen US-Dollar), Paul Gauguins Fleurs dans und coupe (ca. 1899-1901; Schätzpreis 10-15 Millionen US-Dollar), André Derains Bateaux au port de Collioure (1905; Schätzpreis 8-12 Millionen US-Dollar) sowie Alfred Sisleys La Seine à Port-Marly, Henri de Toulouse-Lautrecs Femme assise de profil vers la gauche, Maurice de Vlamincks Nature morte à la cruche bleue und Pissarros Maison de Piette à Montfoucault, effet de neige.
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